Geschichte und Charakter
Entstanden in Frankfurt zwischen Ende der 80er und Anfang der 90er aus der Techno- und EBM-Szene: Sven Väth (von den Goa-Partys beeinflusst) gründet gemeinsam mit anderen Eye Q (1991) und Harthouse (1992); in Berlin veröffentlicht MFS (1991) die ersten Klassiker (Humate — Love Stimulation, Visions of Shiva — Perfect Day); Dag Lerner beansprucht für sich, dem Genre den Namen gegeben zu haben; im Vereinigten Königreich hatten The KLF 1988 bereits „What Time Is Love? (Pure Trance)“ veröffentlicht. Schlüsseltracks der ersten Phase: Cygnus X — The Orange Theme, Hardfloor — Acperience, Energy 52 — Café del Mar (1993), Quench — Dreams (1993). Parallel wächst in Goa die psychedelische Szene, aus der Goa und Psytrance hervorgehen.
In der zweiten Hälfte der 90er wird Trance zum Massenphänomen: Robert Miles — Children (1995) eröffnet die „Dream Trance“, Deutschland entwickelt die Hard Trance (die das Schema Breakdown–Build–Anthem festlegt), das Vereinigte Königreich und die Niederlande bringen die Uplifting/Epic hervor (Paul van Dyk — For an Angel; ATB — 9 PM (Till I Come), 1998; Ferry Corsten, Tiësto, Armin van Buuren, Above & Beyond), mit dem Roland JP-8000 (1996) und seinem Supersaw als Symbolklang. Der kommerzielle Höhepunkt reicht von 1997 bis in die frühen 2000er; danach bleibt Trance bei Großveranstaltungen stark (A State of Trance, Dreamstate) und erlebt seit 2017 ein Underground-Revival (Nina Kraviz und „Trance“ in Techno-Sets) bis hin zur Beatport-Kategorie „Trance (Raw / Deep / Hypnotic)“.
Ästhetik: Erhebung, Euphorie, Melancholie und kollektive Katharsis; lange, sangliche Melodien, emotionale Moll-Akkorde, lange Breakdowns und Builds, die im „Drop“ des Anthems explodieren.
Tonleitern und Tonarten
Konvention: Die römischen Ziffern beziehen sich auf die Dur-Tonleiter desselben Grundtons (Großbuchstaben = Dur, Kleinbuchstaben = Moll, ° vermindert, ø halbvermindert, + übermäßig; b/# = gegenüber Dur erniedrigte/erhöhte Stufe: in a-Moll ist F = bVI, G = bVII). Töne und Akkorde unten sind exakt nach der Formel berechnet.
Äolisch (die Muttertonleiter der Trance)
- Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: T S T T S T T
- Auf A: A B C D E F G (A H C D E F G)
- Diatonische Dreiklänge: Am i · Bdim ii° · C bIII · Dm iv · Em v · F bVI · G bVII
- Vierklänge: Am7 i7 · Bm7b5 iiø7 · Cmaj7 bIIImaj7 · Dm7 iv7 · Em7 v7 · Fmaj7 bVImaj7 · G7 bVII7
- Charakteristischer Ton: die b6 (F) und der Dur-Akkord bVI (F): Der „Herzbrech-Moment“ der Trance ist fast immer die Ankunft auf der bVI. Die b7 (G) liefert die bVII, die wieder anschiebt.
- Einsatz: Verläufe i–bVI–bIII–bVII (Am–F–C–G) und i–bVI–bVII–i; Leads in Sechzehnteln oder Achteln, die die Akkorde arpeggieren; Melodien, die zur b6 aufsteigen und zur 5 absteigen.
- Anwendungsbeispiel: Der Großteil der Uplifting- und Vocal-Anthems steht in natürlichem Moll mit diesen Funktionen.
- Häufige Fehler: Lead, der über der bVI auf dem Grundton beharrt (erzeugt ein unbeabsichtigtes Fmaj7: schön, wenn gewollt, verwirrend, wenn nicht); Verlauf ohne emotionale „Ankunft“.
Harmonisch Moll (die epische Dominante)
- Formel: 1 2 b3 4 5 b6 7 — Schritte: T S T T S T+S S
- Auf A: A B C D E F G# (A H C D E F Gis)
- Diatonische Dreiklänge: Am i · Bdim ii° · Caug bIII+ · Dm iv · E V · F bVI · G#dim vii°
- Vierklänge: Am(maj7) i(maj7) · Bm7b5 iiø7 · Cmaj7#5 bIII+maj7 · Dm7 iv7 · E7 V7 · Fmaj7 bVImaj7 · G#dim7 vii°7
- Charakteristischer Ton: der Leitton (Gis), der die V (E) zu Dur macht: Die Kadenz bVI–V–i ist der dramatische Höhepunkt, und das Intervall F–Gis (übermäßige Sekunde) gibt eine „orientalische“ oder „klassische“ Farbe.
- Einsatz: letzter Takt eines Verlaufs (Am–F–G–E), Lead, der über Gis geht, bevor er zu A zurückkehrt; Psytrance und „klassische“ Trance (Adagio for Strings).
- Häufige Fehler: Gis auch über der bVII (G) zu verwenden: Es klirrt. Der Leitton gehört nur auf den V-Akkord.
Phrygisch (dunkle Trance und Psy)
- Formel: 1 b2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: S T T T S T T
- Auf E: E F G A B C D (E F G A H C D)
- Diatonische Dreiklänge: Em i · F bII · G bIII · Am iv · Bdim v° · C bVI · Dm bvii
- Vierklänge: Em7 i7 · Fmaj7 bIImaj7 · G7 bIII7 · Am7 iv7 · Bm7b5 vø7 · Cmaj7 bVImaj7 · Dm7 bvii7
- Charakteristischer Ton: die b2 (F): dunkle Spannung, typisch für Psytrance, Tech Trance und Underground-Trance.
- Einsatz: Bassriff und Lead E–F–E, Akkorde i–bII (Em–F).
- Häufige Fehler: ihn in einem euphorischen Anthem zu verwenden: Er nimmt das Licht.
Dorisch (hellere Farbe)
- Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — Schritte: T S T T T S T
- Auf D: D E F G A B C (D E F G A H C)
- Diatonische Dreiklänge: Dm i · Em ii · F bIII · G IV · Am v · Bdim vi° · C bVII
- Vierklänge: Dm7 i7 · Em7 ii7 · Fmaj7 bIIImaj7 · G7 IV7 · Am7 v7 · Bm7b5 viø7 · Cmaj7 bVIImaj7
- Charakteristischer Ton: die große Sexte (H): eine Dur-IV (G) innerhalb von Moll, die den Verlauf „hoffnungsvoll“ macht.
- Einsatz: Progressive Trance, Balearic Trance, Verläufe i–IV–bVII.
- Häufige Fehler: H und B zwischen Pad und Lead zu mischen.
Lydisch (verträumte Breaks)
- Formel: 1 2 3 #4 5 6 7 — Schritte: T T T S T T S
- Auf F: F G A B C D E (F G A H C D E)
- Diatonische Dreiklänge: F I · G II · Am iii · Bdim #iv° · C V · Dm vi · Em vii
- Vierklänge: Fmaj7 Imaj7 · G7 II7 · Am7 iii7 · Bm7b5 #ivø7 · Cmaj7 Vmaj7 · Dm7 vi7 · Em7 vii7
- Charakteristischer Ton: die #4 (H): leuchtende Schwebe in Breakdowns in der Paralleltonart Dur.
- Einsatz: Pads und Klavier mit Fmaj7#11, Wechsel I–II (F–G/F).
- Häufige Fehler: ihn mit Dur zu verwechseln (B).
Wie man zwischen den Skalen wählt
| Ziel | Skala | Typischer Verlauf |
|---|---|---|
| Melancholische Euphorie (Uplifting, Vocal) | Äolisch | i–bVI–bIII–bVII |
| Dramatischer Höhepunkt | Harmonisch Moll (nur auf der V) | bVI–bVII–V–i |
| Dunkel, psychedelisch, Tech | Phrygisch | i–bII |
| Progressive, Balearic | Dorisch | i–IV–bVII |
| Verträumter Breakdown | Lydisch / Dur | I–II/I |
Trance wird fast immer in natürlichem Moll mit geliehener Dur-Dominante in den Kadenzen geschrieben; die Lead-Melodie entsteht aus den Akkordtönen (Arpeggio) mit Durchgangsnoten der Skala.
Harmonik
Funktion
Harmonischer als Techno und House: Verläufe aus 4 Akkorden (manchmal 8), die jeden Takt oder alle 2 Takte wechseln, mit emotionalen Kadenzen (bVI–bVII–i, bVI–V–i). Der Breakdown führt oft einen anderen Verlauf ein oder denselben Verlauf in „nackter“ Version (Klavier, Streicher).
Techniken
- Äolische Verläufe i–bVI–bIII–bVII, i–bVI–bVII–i, i–bVII–bVI–V (andalusische Kadenz).
- Dur-Dominante (V) aus harmonisch Moll in den Kadenzen.
- Orgelpunkt auf dem Grundton unter wechselnden Akkorden (typisch im Build und in der Progressive).
- Umkehrungen für einen Bass, der stufenweise absteigt (Am–G/H–C…).
- Modulation um einen Ganz- oder Halbton im letzten Anthem (Uplifting und Vocal).
- Sus2-/Sus4-Akkorde und add9 für „offene“ Supersaws.
- Harmonischer Rhythmus des Leads: Der Lead arpeggiert den Akkord in Sechzehnteln oder Achteln (Gate, Trance Gate) und erzeugt Bewegung.
Dichte und Voicing
Geschichtete Supersaws (Akkorde mit 3–5 Stimmen mit Oktaven), lange Pads, Klavier im Breakdown; der Bass spielt den Grundton auf dem Offbeat oder als Rolling.
Beispiele
- Am–F–C–G (i–bVI–bIII–bVII).
- Am–F–G–E (i–bVI–bVII–V).
- Dm–C–Bb–A (i–bVII–bVI–V).
Typische Akkordfolgen
| Name | Tonart | Akkorde | Stufen | So setzt du es ein |
|---|---|---|---|---|
| Äolisches Anthem | a-Moll | Am F C G | i bVI bIII bVII | Der meistgenutzte Verlauf der Trance: ein oder zwei Akkorde pro Takt, Supersaw und arpeggierender Lead; funktioniert in Uplifting, Vocal und Progressive. |
| Mit Dur-Dominante | a-Moll | Am F G E | i bVI bVII V | Die Dur-V (harmonisch Moll) im letzten Takt erzeugt den Höhepunkt, der zur Tonika zurückführt: Klassiker der Breakdowns. |
| Andalusische Kadenz | d-Moll | Dm C Bb A | i bVII bVI V | Stufenweiser Abstieg zur Dur-Dominante: dramatisch, „klassisch“, in der epischen Trance sehr häufig. |
| i–bVI–bVII–i | f-Moll | Fm Db Eb Fm | i bVI bVII i | Die Rückkehr zur Tonika im vierten Takt gibt bei jedem Durchlauf ein Gefühl von „Ankunft“. |
| Breakdown mit Umkehrung | f-Moll | Fm Eb/G Ab Bbm Db Eb | i bVII bIII iv bVI bVII | Langer Breakdown-Verlauf (6 Akkorde): Bass, der F–G–As–B aufsteigt und dann mit bVI–bVII schließt. |
| Psy/Tech phrygisch | e-Moll (phrygisch) | Em F | i bII | Zwei Akkorde im Halbtonabstand für die dunkle Trance. |
| Balearisch-Dorisch | d-Moll (dorisch) | Dm7 G Bbmaj7 C | i7 IV bVImaj7 bVII | Dorische Dur-IV und geliehene bVI: helle Farbe der Progressive/Balearic Trance. |
| Schlussmodulation | a-Moll → h-Moll | Am F C G Bm G D A | i bVI bIII bVII i bVI bIII bVII | Derselbe Verlauf um einen Ganzton erhöht für das letzte Anthem: steigert die Euphorie (römische Ziffern jeweils relativ zur jeweiligen Tonart). |
Rhythmus und Groove
- Metrum und Raster: 4/4, Bassdrum in Vierteln, Sechzehntelraster; kein Swing (0 %).
- Bass: auf dem Offbeat (Step 3, 7, 11, 15) oder Rolling (die drei Sechzehntel nach der Bassdrum), nie auf der Bassdrum.
- Akzente: Clap auf 2 und 4, Open Hat auf dem Offbeat, Hi-Hat in Sechzehnteln, Ride in den Mains; Crash auf der 1 jeder 8-Takt-Phrase.
- Lead: in Sechzehnteln oder Achteln, oft mit Trance Gate (rhythmisches Lautstärke-Gate in Sechzehnteln auf Pads/Supersaw).
- Build: beschleunigender Snare-Roll (Viertel → Achtel → Sechzehntel → 1/32), ansteigender Pitch, sich öffnender HP-Filter; Drop mit Crash und Bassdrum.
Schlagzeug
Rolle der Bassdrum
In Vierteln (Step 1, 5, 9, 13), kraftvoll, mit ausgeprägtem Transienten und kurzem Ausklang (Decay 150–250 ms), um dem Offbeat-Bass Platz zu lassen. Grundton 50–60 Hz, Click 3–5 kHz. In der Hard Trance lange, verzerrte Bassdrum; in der Psy sehr kurze Bassdrum.
Snare und Clap
Clap (und Snare) auf 2 und 4 mit mittellangem bis langem Hall; in den Builds Snare-Roll im Crescendo (ansteigende Velocity und Pitch, sich öffnender Filter) über 8–16 Takte.
Hi-Hat und Ride
- Open Hat auf dem Offbeat (Step 3, 7, 11, 15): verzahnt mit dem Offbeat-Bass.
- Geschlossene Hi-Hats in Sechzehnteln, oft mit akzentuierter Velocity.
- Ride in Achteln oder Vierteln in den Mains, im Breakdown abwesend.
Percussion
Wenige: Shaker, Tamburin, synthetische Percussion; Crash auf der 1 alle 8 Takte; Reverse Cymbal vor den Wechseln.
Dynamik und Ghost Notes
Velocity meist fest; Arrangement-Dynamik.
Zusammenspiel mit Bass und Lead
Bassdrum auf dem Downbeat, Bass auf dem Offbeat: Das ist der Motor der Trance. Der Lead und das Trance Gate fügen die Sechzehntel hinzu.
Wechsel zwischen den Abschnitten
- DJ-Intro: Bassdrum, Hi-Hat, Bass (16–32).
- Main 1: volles Groove, angedeuteter Lead oder Riff.
- Breakdown: ohne Bassdrum (16–32 Takte), Pad, Klavier, „nackter“ Lead.
- Build: Snare-Roll, Riser (8–16).
- Anthem/Drop: Bassdrum + Bass + Supersaw + voller Lead + Ride.
- Outro: Subtraktion.
Fills und Übergänge
Snare-Roll, Tom-Fill, Crash, Reverse Cymbal, White Noise; „Kick Roll“ (Bassdrum in Achteln/Sechzehnteln) im letzten Takt vor dem Drop.
Klangauswahl
909 (Bassdrum, Clap, Hi-Hat, Ride), moderne Samples; in der Psy kurze, „punchige“ Bassdrums.
Typische Fehler
Lange Bassdrum, die den Offbeat-Bass überdeckt; zu kurze Snare-Rolls oder ohne Crescendo; zu lautes Ride; schrille Hi-Hats.
Bass
- Klang: Synthbass mit gefilterter Sägezahnwelle (oft doppelter Oszillator, leichter Detune), mit Sub; in der Psy kurzer, „tighter“ Bass; in der Uplifting manchmal „Rolling“-Bass in Sechzehnteln.
- Register: E1–E3; Sub unter 80 Hz in mono.
- Mit der Bassdrum: Offbeat (eine Note auf dem Offbeat jedes Viertels) oder Rolling (.xxx); Sidechain/Volume Shaping 6–12 dB; Bassdrum und Bass aufeinander stimmen.
- Töne: Grundton der Akkorde (der Bass wechselt mit dem Akkord die Note), abwechselnde Oktaven (Rolling in Oktaven).
- Rhythmus: gleichmäßige Sechzehntel, kurze Noten (Decay 100–180 ms).
- Beispiele: der Offbeat-Bass von „9 PM (Till I Come)“; der Rolling Bass der Psy.
Harmonieinstrumente
- Supersaw (JP-8000 und Nachfolger): geschichtete Akkorde mit Unison, die „Wand“ des Anthems.
- Lange, breite Pads; Trance Gate auf den Pads in Sechzehnteln.
- Pluck und Arpeggien in Sechzehnteln.
- Klavier in den Breakdowns (einfache Akkorde, viel Hall).
- Streicher (synthetisch oder orchestral) für den Höhepunkt; „Adagio for Strings“ als Archetyp.
Weite Voicings mit Oktaven; Register C3–C6; alles im Sidechain.
Melodie und Gesang
- Lead: lange (8–16 Takte), sangliche Melodien, oft in Sechzehnteln oder Achteln, die die Akkorde arpeggieren; Supersaw-Lead, Pluck-Lead, „Hoover“ in der Hard Trance; Register C4–C6.
- Stimme: In der Vocal Trance weibliche Sopran-/Mezzosopranstimmen, „ätherisch“ oder Pop (siehe Vocal Trance); in Instrumentals oft keine Stimme.
- Chöre: Vokal-Pads, synthetische „Aah“.
- Effekte: Ping-Pong-Delay punktierte 1/8, riesige Hallräume (Hall 3–8 s), Chorus, Sidechain, automatisierte Filter.
Instrumente
Roland JP-8000/8080 (Supersaw), Access Virus, Nord Lead, Novation Supernova, Clavia, Korg MS2000, TB-303 (Acid Trance), TR-909, Roland JD-800/JV, Yamaha CS-Serie, Sampler, Klavier, Streicher; heute Sylenth1, Spire, Serum, Nexus.
Drum-Patterns
Synthesizer und Sounds
- Jup-8 V — Supersaw und Pad: Simuliert die Supersaw-Wand durch Überlagern von 2 verstimmten Sägezahn-VCOs (5–15 Cent), Unison und Chorus; Filter zu 80 % offen, Attack 0–10 ms für Leads, 300 ms für Pads.
- OP-Xa V — Lead und Stab: Warme Leads und Oberheim-Stabs; hervorragend im Layer mit helleren Supersaws.
- Prophet-5 V — Pluck und Arpeggien: Pluck mit geschlossenem Filter und Decay 200 ms, kein Sustain; Arpeggio 1/16.
- Mini V — Offbeat-Bass: Sägezahn + verstimmte Sägezahnwelle, Filter 40 %, Decay 150 ms; kein Glide.
- Augmented Strings — Orchestrale Streicher: Streicher für Breakdowns und Höhepunkt.
- Piano V — Breakdown-Klavier: Flügel mit langem Hall.
- CS-80 V — Ausdrucksstarke Leads: Lead mit Ribbon und Vibrato für die filmischsten Momente.
Songaufbau
„Anthem“-Form für DJs, Phrasen von 8 und 16 Takten, 7–9 Minuten (Extended) oder 3–3:30 (Radio).
| Abschnitt | Takte | Was ein-/ausgeblendet wird |
|---|---|---|
| Intro | 16–32 | Bassdrum, Hi-Hat, Bass; Percussion alle 8 |
| Main 1 | 32 | Riff oder gefilterter Lead, Pad |
| Breakdown 1 | 16–32 | ohne Bassdrum und Bass; Pad, Klavier, Melodie; Stimme |
| Build | 8–16 | Snare-Roll, Riser, Filter |
| Anthem 1 | 32 | Supersaw, voller Lead, Ride |
| Breakdown 2 | 16–32 | Variation, manchmal neuer Verlauf |
| Build | 8–16 | |
| Anthem 2 | 32 | Lead + Harmonien, eventuelle Modulation |
| Outro | 16–32 | Subtraktion |
Regel: Der Breakdown ist das emotionale Herz. Er stellt die „nackte“ Melodie vor (Klavier oder Pad) und lässt sie dann im Anthem mit allen Schichten explodieren.
Mixing und Mastering
Klangziel
Groß, brillant und breit: klare Bassdrum und Offbeat-Bass in mono, riesige Supersaws, die den Lead nicht überdecken, epische Hallräume in den Breakdowns, extrem hohe Energie in den Anthems. Referenzen: Paul van Dyk — For an Angel, Ferry Corsten/System F — Out of the Blue, Armin van Buuren — Shivers, Above & Beyond.
Bassdrum
- EQ: HP 25–30 Hz; +2 dB bei 55 Hz; −4 dB bei 250–400 Hz; +2 dB bei 3–5 kHz.
- Kompression: in der Regel nein; sanfter Clipper.
- Transient Shaper: +3 dB Attack, Sustain −2 dB.
- Raum: keiner. Stereo: mono.
Clap und Snare
- EQ: HP 200 Hz; +2 dB bei 1,5 kHz; +1,5 dB bei 8–10 kHz.
- Kompression: 4:1, GR 3–4 dB.
- Raum: Plate/Hall 1,5–2,5 s, Pre-Delay 15 ms; Snare-Roll mit anwachsendem Hall.
- Stereo: zentral mit verbreitertem Layer.
Hi-Hat, Ride und Percussion
- EQ: HP 500 Hz; Dynamic EQ 8–10 kHz; Air +1 dB bei 12 kHz.
- Raum: kurzer Room; Delay 1/16 auf der Percussion.
- Panning: Hi-Hat 10–20 %, Ride 10 % auf der Gegenseite, Shaker 40 %.
Bass
- EQ: HP 30 Hz; Grundton 50–100 Hz; −2 dB bei 250 Hz; +1 dB bei 800 Hz; LP 3–5 kHz.
- Kompression: 4:1, GR 3–4 dB.
- Sättigung: leicht oberhalb von 100 Hz.
- Stereo: mono unter 150 Hz.
- Sidechain: 6–12 dB oder Volume Shaping (der Offbeat-Bass muss sich von der Bassdrum „lösen“).
Supersaw, Pad, Pluck, Lead
- EQ: HP 150–250 Hz auf Supersaws und Pads; −2/−4 dB bei 300–600 Hz; Lead +2 dB bei 2–4 kHz; LP Pad 10 kHz; Dynamic EQ auf den Supersaws bei 2–4 kHz, der absenkt, wenn der Lead spielt (oder Multiband-Sidechain vom Lead).
- Kompression: Supersaw mit OTT/leichtem Multiband (20–30 %) für Dichte; Lead mit Kompression 3:1.
- Sättigung: Band oder Röhre auf dem Synth-Bus.
- Raum: Supersaws in Hall 2–4 s; Lead in Ping-Pong-Delay punktierte 1/8 (Feedback 30–40 %) + Plate 2 s; Pluck in Delay 1/16; Pad in Hall 5–8 s in den Breakdowns.
- Stereo: Supersaws zu 100 % breit (Unison + Haas/kontrollierter Stereo-Widener), Lead in der Mitte mit seitlichen Delays, Pluck mit Auto-Pan.
- Trance Gate: rhythmisches Gate in Sechzehnteln (Gross Beat, ShaperBox, LFOTool) auf den Pads mit Attack 1–3 ms und kurzem Release.
- Automationen: Cutoff der Supersaws im Build (öffnet sich über 8–16 Takte), Hall-Sends in den Breakdowns.
Klavier und Streicher (Breakdown)
HP 100–150 Hz; −2 dB bei 300 Hz; Klavier +1,5 dB bei 3 kHz; Hall 3–5 s; breit.
Stimme (Vocal Trance)
HP 100 Hz; FET+Opto-Kompression (5–8 dB); De-Esser; +2 dB bei 3–5 kHz; Air-Shelf +2/+3 dB bei 12 kHz; Plate 2 s + Hall 4 s im Send + Delay 1/4 oder punktierte 1/8; zentral; Sidechain der Supersaws von der Stimme.
FX
Riser (HP 300 Hz), White-Noise-Sweep, Reverse Cymbal, Impact auf dem Drop, Downlifter.
Busse und Gruppen
Drum-Bus (Glue 4:1 GR 2 dB + Clipper), Bass-Bus mono, Supersaw-Bus (Sidechain + Sättigung), Lead-Bus, FX-/Reverb-Bus mit Sidechain.
Sidechain
Bassdrum → Bass (6–12 dB), Supersaw/Pad (6–10), Hallräume (6–8), Pluck (3–5). Lead → Supersaw (2–4 dB Multiband). Stimme → Supersaw (2–3 dB).
Master
- Kette: EQ (HP 20 Hz) → Bus-Kompressor 1–2 dB → leichte Sättigung → Clipper → Limiter.
- Ziel: −8/−6 LUFS integriert; Anthem −6/−5 Short-Term; Breakdown 4–8 LU darunter.
- True Peak: −1 dBTP Streaming, −0,3/−0,5 für Club.
- Crest-Faktor: 6–8 dB in den Anthems.
Häufige Fehler
Supersaws, die den Lead überdecken (gleiches Band 2–4 kHz); zu viel Stereo (Kollaps in mono); ungefilterte Hallräume, die verkleben; Offbeat-Bass ohne Sidechain; Breakdown mit derselben Lautheit wie das Anthem (kein Kontrast).
Referenztracks für den Mix
- Paul van Dyk — For an Angel (1998)
- System F — Out of the Blue (1999)
- Armin van Buuren — Shivers (2005)
- Tiësto — Adagio for Strings (2004)
Referenz-Hörbeispiele
- The KLF — What Time Is Love? (Pure Trance) (1988)
- Energy 52 — Café del Mar (1993)
- Quench — Dreams (1993)
- Robert Miles — Children (1995)
- ATB — 9 PM (Till I Come) (1998)
- Paul van Dyk — For an Angel (1998)
- System F — Out of the Blue (1999)
- Tiësto — Adagio for Strings (2004)
- Armin van Buuren — Shivers (2005)