Geschichte und Charakter
Der Reggae entsteht in Kingston, Jamaika, Ende der 1960er Jahre aus der Weiterentwicklung von Ska und Rocksteady, mit Einflüssen von Mento, R&B, Jazz und der Rasta-Percussion Nyabinghi. „Do the Reggay“ von Toots and the Maytals (1968) ist das erste populäre Stück, das das Wort verwendet. Der Übergang vom Rocksteady zum Reggae verläuft über die von Jackie Mittoo und Winston Wright erfundene Shuffle-/Bubble-Orgel, komplexere und dominantere Basslinien, eine kratzigere, perkussivere Rhythmusgitarre, afrikanische Handpercussion und ein präziseres Schlagzeug; die Texte wandeln sich unter dem Einfluss des Rastafari von Romantik zu schwarzem Bewusstsein und Politik. 1972 tragen der Film The Harder They Come (mit Jimmy Cliff) und die Alben von Bob Marley & the Wailers (mit Peter Tosh und Bunny Wailer: Catch a Fire, 1973; Natty Dread, 1974; Exodus, 1977) den Reggae in die Welt, auch dank Island Records von Chris Blackwell.
Der Roots-Reggae der 1970er (Burning Spear, Culture, The Abyssinians, Israel Vibration, Max Romeo, Junior Murvin, Gregory Isaacs, Dennis Brown) ist mit dem Rastafari und dem schwarzen Bewusstsein verbunden; der Lovers Rock (Süd-London, 1970er–80er, weibliche Stimmen wie Janet Kay) ist weicher und kommerzieller. Produzenten: Lee ‚Scratch‘ Perry (Black Ark), King Tubby, Coxsone Dodd (Studio One), Duke Reid (Treasure Isle), Leslie Kong, Joe Gibbs, Bunny Lee; legendäre Rhythmusgruppen wie Aston ‚Family Man‘ Barrett und Carlton Barrett (Wailers) sowie Sly & Robbie (Sly Dunbar und Robbie Shakespeare). Erben: Steel Pulse, Aswad, UB40 (UK), Third World, Black Uhuru, später Damian Marley, Chronixx, Protoje, Koffee und das Reggae Revival; sehr starke Reggae-Szenen gibt es in Afrika (Lucky Dube, Alpha Blondy), Europa, Brasilien und Lateinamerika. Die UNESCO hat den Reggae Jamaikas im November 2018 in das immaterielle Kulturerbe aufgenommen.
Der One Drop, mit Carlton Barrett verbunden, ist die typischste Schlagzeugfigur des Reggae: Bassdrum und Rim zusammen auf dem dritten Schlag (der ‚Drop‘), keine Bassdrum auf der 1. Zusammen mit dem Skank auf dem Offbeat, dem schweren, melodischen Bass, der Bubble-Orgel und dem Bläsersatz (Trompete, Posaune, Sax) entsteht der charakteristische entspannte, ‚auf dem Offbeat schwere‘ Groove.
Tonleitern und Tonarten
Dorisch
- Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — G H G G G H G (Halbtöne 2 1 2 2 2 1 2)
- Beispiel auf A: A B C D E F# G
- Charakteristischer Ton: die große 6 auf einer Mollbasis: ‚offenes‘ Moll, weniger traurig, mit großer Subdominante (IV)
- Leitereigene Dreiklänge: Am (i) – Bm (ii) – C (III) – D (IV) – Em (v) – F#dim (vi°) – G (VII)
- Leitereigene Vierklänge: Am7 (i7) – Bm7 (ii7) – Cmaj7 (IIImaj7) – D7 (IV7) – Em7 (v7) – F#m7b5 (viø7) – Gmaj7 (VIImaj7)
- Einsatz im Genre: der ‚roots‘-typischste Modus: Vamp i–IV (Am–D) oder i7–IV7; Bass und Melodien verwenden die große 6 (F#), die das Moll offen und spirituell macht.
- Praxisbeispiel: viele Roots-Klassiker (Burning Spear, The Abyssinians) bewegen sich über Moll-Vamps mit großer Subdominante; Bob Marley — Exodus ist ein modaler Moll-Vamp (Tonart prüfen).
- Häufige Fehler: die b6 im Bass spielen: Das verändert die Farbe komplett.
Natürliches Moll (Äolisch)
- Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7 — G H G G H G G (Halbtöne 2 1 2 2 1 2 2)
- Beispiel auf E: E F# G A B C D
- Charakteristischer Ton: die b6: Melancholie; mit der b7 (kein Leitton) bleibt das Moll ‚kreisend‘
- Leitereigene Dreiklänge: Em (i) – F#dim (ii°) – G (III) – Am (iv) – Bm (v) – C (VI) – D (VII)
- Leitereigene Vierklänge: Em7 (i7) – F#m7b5 (iiø7) – Gmaj7 (IIImaj7) – Am7 (iv7) – Bm7 (v7) – Cmaj7 (VImaj7) – D7 (VII7)
- Einsatz im Genre: Roots in Moll und ‚traurige‘ Stücke: i–VII–VI–VII, i–iv; Chorharmonien in kleinen Terzen.
- Praxisbeispiel: Bob Marley & the Wailers — Natural Mystic, Concrete Jungle (Moll-Stimmungen; Tonarten prüfen).
- Häufige Fehler: aus Gewohnheit die große V einbauen: Der Moll-Reggae verwendet oft die Moll-v oder die VII.
Dur (Ionisch)
- Formel: 1 2 3 4 5 6 7 — G G H G G G H (Halbtöne 2 2 1 2 2 2 1)
- Beispiel auf G: G A B C D E F#
- Charakteristischer Ton: die 7 (Leitton) und die große Terz: Helligkeit und starke Auflösung V–I
- Leitereigene Dreiklänge: G (I) – Am (ii) – Bm (iii) – C (IV) – D (V) – Em (vi) – F#dim (vii°)
- Leitereigene Vierklänge: Gmaj7 (Imaj7) – Am7 (ii7) – Bm7 (iii7) – Cmaj7 (IVmaj7) – D7 (V7) – Em7 (vi7) – F#m7b5 (viiø7)
- Einsatz im Genre: ‚sonniger‘ Reggae, Lovers Rock und Pop-Stücke: I–IV–V, I–vi–IV–V; Chöre in Terzen.
- Praxisbeispiel: Bob Marley & the Wailers — Three Little Birds (1977) und One Love (in Dur, Abläufe I–IV–V; Tonarten prüfen).
- Häufige Fehler: Skank zu ‚voll‘ auf den Downbeats.
Moll-Pentatonik
- Formel: 1 b3 4 5 b7 — 1½ G, G, G, 1½ G, G (Halbtöne 3 2 2 3 2)
- Beispiel auf A: A C D E G
- Charakteristischer Ton: keine Halbtöne: b3 und b7 ohne 2 und b6, offener Klang, ‚fehlerlos‘, ideal für Riffs und Hooks
- Einsatz im Genre: die Sprache der Basslinien und Gesangsmelodien: 1 b3 4 5 b7 mit Pausen und langen Noten.
- Praxisbeispiel: die Linien von Aston Barrett in den Wailers-Stücken: pentatonische Phrasen von 1–2 Takten mit Oktavsprüngen.
- Häufige Fehler: jede Sechzehntel füllen: Der Reggae-Bass atmet.
Mixolydisch
- Formel: 1 2 3 4 5 6 b7 — G G H G G H G (Halbtöne 2 2 1 2 2 1 2)
- Beispiel auf D: D E F# G A B C
- Charakteristischer Ton: die b7 auf einer Durbasis: ‚erdiges‘, festliches Dur ohne Leitton
- Leitereigene Dreiklänge: D (I) – Em (ii) – F#dim (iii°) – G (IV) – Am (v) – Bm (vi) – C (VII)
- Leitereigene Vierklänge: D7 (I7) – Em7 (ii7) – F#m7b5 (iiiø7) – Gmaj7 (IVmaj7) – Am7 (v7) – Bm7 (vi7) – Cmaj7 (VIImaj7)
- Einsatz im Genre: Stücke über I–bVII (D–C), häufig im Reggae, der dem Rock und Pop näher steht.
- Praxisbeispiel: viele Stücke des Reggae-Pop und britischen Reggae (UB40, Steel Pulse) verwenden die bVII.
- Häufige Fehler: den Leitton C# verwenden.
Die Skala im Genre wählen
- Spirituelle Roots → Dorisch.
- Melancholische Roots → Äolisch.
- Lovers Rock und Reggae-Pop → Dur.
- Bass und Gesang → Moll-Pentatonik (oder Dur-Pentatonik in sonnigen Stücken).
Harmonik
Harmonische Funktion
Zyklisch und langsam: Vamps aus 1–2 Akkorden (i–IV, i–VII, I–IV) oder Abläufe aus 4 Akkorden (I–vi–IV–V, i–VII–VI–VII), 1 oder 2 Takte pro Akkord. Keine starke Kadenz; die Spannung ist rhythmisch und dynamisch (Dub).
Der Offbeat
Die Harmonie hört man auf dem Offbeat: Gitarre und Klavier spielen kurze, gestoßene Akkorde auf 2 und 4 (im Halbzeit-Zählen) oder auf dem ‚&‘ jedes Schlags; die ‚Bubble‘-Orgel spielt gestoßene Sechzehntelfiguren.
Voicing
- Gitarren-Skank: enge Dreiklänge auf den hohen Saiten (Register G3–G5), Abschlag, sofort abgedämpft.
- Klavier: Akkorde im mittleren Register auf dem Offbeat, manchmal mit Oktave.
- Orgel: Akkorde aus 3–4 Tönen, Bubble im Wechsel der Hände.
- Bläser: Trompete, Posaune und Sax in Terzen/Sexten oder unisono.
Typische Akkordfolgen
| Name | Tonart | Akkorde | Stufen | So setzt du es ein |
|---|---|---|---|---|
| Roots dorisch | a-Moll (Dorisch) | Am D | i IV | Der Roots-Vamp schlechthin: zwei Takte pro Akkord. |
| Roots äolisch | e-Moll | Em D C D | i VII VI VII | Moll-Pendeln mit Bubble-Orgel. |
| Reggae-Pop | A-Dur | A D E A | I IV V I | One Love / Three Little Birds: einfaches Dur. |
| Lovers Rock | G-Dur | G Em C D | I vi IV V | Romantisch, vom Soul abgeleitet. |
| Moll mit iv | g-Moll | Gm Cm Gm D7 | i iv i V7 | Gleitendere Stücke (Rocksteady-Erbe). |
| Mixolydisch | D-Dur (Mixolydisch) | D C | I VII | Reggae-Rock und britischer Reggae. |
| Ein Akkord | fis-Moll | F#m7 | i7 | Riddim über einem einzigen Akkord: alles ist Bass und Schlagzeug. |
Rhythmus und Groove
Der One Drop
Ein 4/4-Takt bei ~70–76 BPM (oft im Halbzeit-Gefühl gedacht): Bassdrum und Rim zusammen auf der 3 (Step 9 von 16), keine Bassdrum auf der 1: die ‚Leere‘ auf der 1 und der ‚Drop‘ auf der 3 erzeugen die typische Schwebe. Hi-Hat in Achteln oder Sechzehnteln mit Swing 25–35 % und Öffnung auf dem Offbeat der 4.
Der Skank
Gitarre und Klavier auf dem Offbeat: auf 2 und 4 (im Halbzeit-Gefühl) oder auf dem ‚&‘ jedes Viertels; die Bubble-Orgel füllt die Sechzehntel.
Schlagzeug-Varianten
- Rockers (Sly Dunbar, Mitte der 1970er): Bassdrum auf jedem Viertel, Rim auf der 3 oder auf 2 und 4, treibender.
- Steppers: ‚hämmernde‘ Bassdrum auf den Vierteln mit Rim auf der 3, typisch für Dub und UK Roots.
- Nyabinghi: Rasta-Trommeln (Funde, Kete, Bass) mit ‚Herzschlag‘-Puls.
Microtiming
Alles ist ‚entspannt‘ und leicht hinter dem Beat; der Bass kommt oft einen Hauch nach der Bassdrum.
Schlagzeug
Bassdrum
- Nur auf der 3 (Step 9) im One Drop, zusammen mit dem Rim; keine Bassdrum auf der 1. Tiefer, weicher Klang, tief gestimmt, mit wenig Ausklang; Velocity 100.
- Bei Rockers: Bassdrum auf 1, 2, 3, 4; bei Steppers: Viertel mit Rim auf der 3.
Rim / Snare
- Cross-Stick (Rim) auf der 3 mit der Bassdrum; die echte Snare wird in Fills und in einigen Varianten auf 2 und 4 (Rockers) verwendet.
- Klang: trockener, ‚hölzerner‘ Rim, oft hoch gestimmt (wie Timbales auf den Platten von Sly Dunbar).
Hi-Hat
- Achtel oder Sechzehntel mit Swing 25–35 %, Akzente auf dem Offbeat, Öffnung auf dem Offbeat der 4 (Step 15); ‚Triolen‘-Figuren auf der Hi-Hat (Carlton Barrett).
- Wechselnde Velocity (laut–leise).
Percussion
- Nyabinghi (Funde, Kete), Shaker, Glocken, Timbales in den Fills; im Roots manchmal Congas.
Zusammenspiel mit Bass und Gesang
- Das Schlagzeug lässt dem Bass Raum: Bassdrum und Bass fallen oft nicht zusammen (der Bass spielt auf der 1, wo die Bassdrum schweigt).
- Die Stimme stützt sich auf den Offbeat und die Lücken.
Pro Abschnitt
- Intro: Tom-Fill oder Schlagzeug solo mit dem Bass.
- Strophe: One Drop mit leichter Hi-Hat.
- Refrain: offenere Hi-Hat, Bläser, Chor.
- Dub/Break: Instrumente herausnehmen, Echo auf dem Rim, Hall auf der Bassdrum.
Fills und Übergänge
Tom-Fills (oft Triolen) im letzten Takt der Phrase, Flam auf der Snare, Beckenschlag mit Echo.
Typische Fehler
- Bassdrum auf der 1: Das ist kein One Drop.
- Gerade Hi-Hats ohne Swing.
- Rim zu laut oder zu stark verhallt.
- Zu häufige Fills.
Bass
- Klang: dicker, dunkler E-Bass (Höhen reduziert, Flatwound-Saiten oder Palm Mute, geschlossener Ton), überwiegend im Register E1–E2; im Mix sehr laut.
- Rolle: das Hauptinstrument: melodische Linien von 1–2 Takten, die zur Identität des Riddims werden; auch als Percussion verwendet.
- Rhythmus: setzt oft auf der 1 ein (wo die Bassdrum schweigt) oder auf dem ‚und‘ der 1, mit Pausen auf der 3 (wo der Drop liegt); lange und kurze Noten im Wechsel.
- Töne: Pentatonik und Dorisch/Äolisch, Oktavsprünge, Terzen; wenige Noten und viel Raum.
- Beispiel über Am–D: A1 (1) – C2 (1a) – E2 (2&) Pause | D2 (1) – F#1 (2) – A1 (2&) Pause.
Harmonieinstrumente
- Skank-Gitarre: gestoßene Akkorde auf dem Offbeat, sauberer und brillanter Klang, oft mit wenig Federhall; eine zweite Gitarre (gedämpftes Picking) verdoppelt den Bass eine Oktave höher (Rocksteady-Erbe von Lynn Taitt).
- Bubble-/Shuffle-Orgel: Hammond mit gestoßenen Sechzehntelfiguren im Wechsel der Hände.
- Klavier auf dem Offbeat.
- Bläser (Trompete, Posaune, Sax): Antworten und Riffs.
- Melodica (Augustus Pablo) in Roots und Dub.
Melodie und Gesang
Gesang
- Gesang in Patois und jamaikanischem Englisch, mittleres Register, warmes, etwas nasales Timbre, entspannte Phrasierung hinter dem Beat; spirituelle, soziale, politische und Liebestexte.
- Pentatonische Melodien mit langen Noten, ‚Soul‘-Melismen.
Chöre
- Gesangstrio in Harmonie (I Threes mit Bob Marley: Rita Marley, Marcia Griffiths, Judy Mowatt), Terzen und Sexten, Antworten auf die Solostimme.
Effekte
Bandecho (Delay 1/4 oder punktierte 1/8 mit Feedback 30–40 %), Federhall, Plate.
Instrumente
- Schlagzeug (One Drop, Rockers, Steppers), Nyabinghi, Percussion
- E-Bass
- Skank-Gitarre, gedämpfte Leadgitarre
- Hammond-Orgel, Klavier, Melodica, Clavinet
- Trompete, Posaune, Sax
- Solostimme, Gesangstrio
Drum-Patterns
Synthesizer und Sounds
- B-3 V — Bubble-Orgel: Drawbar 888000000 oder 008800000 für den Bubble; Leslie langsam; gestoßene Figuren.
- Piano V — Klavier auf dem Offbeat: Brillantes Upright-Piano, wenig Hall.
- Clavinet V — Clavinet-Skank: Kurzes, perkussives Clavinet als Alternative zum Gitarren-Skank.
- Mini V — Synth-Bass / Sub: Um den Bass im modernen Reggae mit einem Sinus-Sub zu verstärken.
- Wurli V — E-Piano: Weiche Akkorde im Lovers Rock.
- Mellotron V — Flöten und Streicher: Farben für Intros und ‚psychedelischere‘ Stücke (Black Ark).
Songaufbau
Typische Form (≈ 3:00–4:30)
| Abschnitt | Takte | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Intro | 4–8 | Schlagzeug-Fill, Bass, Orgel |
| Strophe 1 | 16 | Gesang, Skank, Bubble |
| Refrain | 8 | Chor, Bläser |
| Strophe 2 | 16 | |
| Refrain | 8 | |
| Bridge / Dub | 8–16 | ein- und ausblendende Instrumente, Echo |
| Refrain und Outro | 8–16 | Ausblendung |
Arrangement
Wenige harmonische Variationen; das Arrangement arbeitet durch Subtraktion (Dub) und durch den Einsatz von Bläsern und Chor. Viele Singles hatten auf der B-Seite die instrumentale ‚Version‘.
Mixing und Mastering
Klangziel
Großer, warmer, dominanter Bass, trockenes und definiertes Schlagzeug, klarer Skank, weiche Orgel, Stimme vorn mit Echo. Der klassische Klang ist warm und analog (Band, Federhall, jamaikanisches Studiomischpult). Referenzen: Bob Marley & the Wailers — Exodus (1977), Burning Spear — Marcus Garvey (1975), Steel Pulse — Handsworth Revolution (1978), Chronixx — Chronology (2017) für den modernen Klang.
Bassdrum
- EQ: HP 35 Hz, +2 dB bei 60–80 Hz, −3 dB bei 300–400 Hz, leichter Click bei 2 kHz; leichte Kompression (3:1, 2 dB). Mono.
Rim
- HP 300–400 Hz, +2/+3 dB bei 1–2 kHz, Kontrolle bei 4 kHz; kurzer Spring/Plate mit 10 %; Bandecho auf ausgewählten Schlägen.
Hi-Hat
- HP 400 Hz, −2 dB bei 6–8 kHz, wenn sie pfeift; Panning +20/+30.
Toms und Percussion
- Toms: HP 60 Hz, Panning ±30; Nyabinghi HP 50 Hz, Panning ±40.
Bass
- EQ: HP 30 Hz, Betonung 50–90 Hz (+2/+3 dB), LP 1,5–3 kHz (geschlossener Klang), −2 dB bei 200–250 Hz, wenn er ‚boomt‘.
- Opto-Kompression 4:1 (4–6 dB), Attack 20–30 ms, Release 150 ms: Der Bass muss gleichmäßig und kraftvoll sein; leichte Röhrensättigung.
- Mono, lauter als die Bassdrum (2–4 dB wahrgenommener Unterschied).
Skank (Gitarre/Klavier)
- HP 300 Hz, +2 dB bei 2–3 kHz, schnelle Kompression (6:1, Attack 1 ms) für den ‚chicky‘-Charakter; kurzer Federhall mit 10 %; Panning ±30.
Bubble-Orgel
- HP 150 Hz, −2 dB bei 500 Hz; Panning entgegengesetzt zum Skank (±30–40); Leslie für Breite.
Bläser
- HP 120 Hz, −2 dB bei 400 Hz, Präsenz 2–3 kHz; Plate 1,5 s mit 15 %; Panning ±20–40.
Gesang
- EQ: HP 90 Hz, −2 dB bei 300 Hz, +2/+3 dB bei 3 kHz; FET-Kompression 4:1 (4 dB) + Opto 2 dB; De-Esser.
- Raum: Bandecho 1/4 oder punktierte 1/8 (Feedback 30–40 %, gefiltert HP 400 Hz / LP 4 kHz) mit 10–15 %, Spring oder Plate 1–1,5 s.
Chöre
HP 150 Hz, Panning ±40–60, längerer Hall, −4 dB.
FX (Dub)
Echo-Throws auf Rim und Stimme, ‚gebeutelter‘ Spring, automatisierte Hochpassfilter auf dem Mix.
Busse und Gruppen
Rhythmusgruppen-Bus (Schlagzeug + Bass) mit leichtem Glue; kein Pumpen.
Sidechain
Selten nötig: Bassdrum und Bass spielen an unterschiedlichen Stellen; allenfalls 1–2 dB.
Master
- Kette: EQ (ggf. +1 dB bei 60 Hz und −1 dB bei 3 kHz für Wärme) → Kompression 2:1 (1–2 dB) → Limiter −1 dBTP.
- Ziel: −11/−9 LUFS integriert (Roots), −9/−8 für modernen Reggae; True Peak ≤ −1 dBTP; PLR 9–12 dB.
Häufige Fehler
- Bass mit zu vielen Höhen und wenig Körper.
- Skank zu laut oder zu stark verhallt.
- Zu stark komprimiertes ‚Rock‘-Schlagzeug.
- Stimme ohne Echo oder mit langen modernen Hallräumen.
Referenzstücke für den Mix
- Bob Marley & the Wailers — Exodus (1977)
- Bob Marley & the Wailers — Is This Love (1978)
- Burning Spear — Marcus Garvey (1975)
- Steel Pulse — Handsworth Revolution (1978)
- Chronixx — Skankin' Sweet (2017)
Referenz-Hörbeispiele
- Toots and the Maytals — Do the Reggay (1968)
- Bob Marley & the Wailers — Stir It Up (1973)
- Burning Spear — Marcus Garvey (1975)
- Junior Murvin — Police and Thieves (1976)
- Bob Marley & the Wailers — Exodus (1977)
- Bob Marley & the Wailers — Three Little Birds (1977)
- Steel Pulse — Handsworth Revolution (1978)
- Chronixx — Skankin' Sweet (2017)