House120–126 BPM5 Akkordfolgen

Slap house

Geschichte und Charakter

Kommerzieller, radiotauglicher House, der Ende der 2010er-Jahre aufkam, mit tiefen, „federnden“ Basslines im Offbeat, einfachen Drops und gepitchten Pop-Vocals. Die Wurzeln liegen im brasilianischen Brazilian Bass der Mitte der 2010er: Alok gilt als dessen Begründer (sein Remix von „That's My Way“ von Edi Rock & Seu Jorge, dann „All I Want“ mit Liu & Stonefox und „Hear Me Now“ mit Bruno Martini und Zeeba, 2017, das den Sound in die Welt trägt). Die Litauer Dynoro und Lucky Luke passen ihn an das europäische Publikum an (man sprach auch von „Lithuanian House“): Dynoro & Gigi D'Agostino — In My Mind (2018) macht den Sound überall bekannt.

2019 wird der Remix von Imanbek von „Roses“ (SAINt JHN) zum weltweiten Hit und gewinnt den Grammy als Best Remixed Recording (verliehen am 15. März 2021); es folgen Vize, Topic & A7S (Breaking Me, 2019), Galwaro, R3HAB, Tiësto (The Business, Lay Low), viele Remixe von Pop- und Rap-Klassikern. Der Begriff „Slap House“ kursiert unter Produzenten und in Playlists;

Ästhetik: Einfachheit, sofortige Wirkung, Nostalgie (Cover und Remixe bekannter Stücke), Bass, der im Offbeat „zuschlägt“, emotionaler oder melancholischer Gesang.

Tonleitern und Tonarten

Konvention: Die römischen Ziffern beziehen sich auf die Dur-Tonleiter desselben Grundtons (Großbuchstaben = Dur, Kleinbuchstaben = Moll, ° vermindert, ø halbvermindert, + übermäßig; b/# = gegenüber Dur erniedrigte/erhöhte Stufe: in a-Moll ist F = bVI, G = bVII). Töne und Akkorde unten sind exakt nach der Formel berechnet.

Äolisch

  • Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: T S T T S T T
  • Auf G: G A Bb C D Eb F (G A B C D Es F)
  • Diatonische Dreiklänge: Gm i · Adim ii° · Bb bIII · Cm iv · Dm v · Eb bVI · F bVII
  • Vierklänge: Gm7 i7 · Am7b5 iiø7 · Bbmaj7 bIIImaj7 · Cm7 iv7 · Dm7 v7 · Ebmaj7 bVImaj7 · F7 bVII7
  • Charakteristischer Ton: die b6 (Eb): Pop-Melancholie.
  • Einsatz: die Folge i–bVI–bIII–bVII im Break mit Klavier und Gesang; im Drop folgt die Bassline den Grundtönen (G, Eb, Bb, F) im Offbeat.
  • Typische Fehler: eine Bassline, die den Akkorden nicht folgt: Im Slap House ist der Bass ebenso „harmonisch“ wie rhythmisch.

Moll-Pentatonik

  • Formel: 1 b3 4 5 b7 — Schritte: T+S T T T+S T
  • Auf G: G Bb C D F (G B C D F)
  • Charakteristischer Ton: fünf Töne ohne Spannungen, ideal für den Lead oder den Vocal Chop im Drop.
  • Einsatz: instrumentale Hooks (Pluck, Vocal Chop), Ad-libs.
  • Typische Fehler: zu komplexe Leads: Er muss beim ersten Hören singbar sein.

Dorisch

  • Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — Schritte: T S T T T S T
  • Auf A: A B C D E F# G (A H C D E Fis G)
  • Diatonische Dreiklänge: Am i · Bm ii · C bIII · D IV · Em v · F#dim vi° · G bVII
  • Vierklänge: Am7 i7 · Bm7 ii7 · Cmaj7 bIIImaj7 · D7 IV7 · Em7 v7 · F#m7b5 viø7 · Gmaj7 bVIImaj7
  • Charakteristischer Ton: die große Sexte (F#): wärmere Deep-/Brazilian-Bass-Farbe.
  • Einsatz: Vamp i–IV in einigen brasilianischen Produktionen.
  • Typische Fehler: F und F# zwischen Bass und Lead zu mischen.

Dur (Pop-Remixe)

  • Formel: 1 2 3 4 5 6 7 — Schritte: T T S T T T S
  • Auf C: C D E F G A B (C D E F G A H)
  • Diatonische Dreiklänge: C I · Dm ii · Em iii · F IV · G V · Am vi · Bdim vii°
  • Vierklänge: Cmaj7 Imaj7 · Dm7 ii7 · Em7 iii7 · Fmaj7 IVmaj7 · G7 V7 · Am7 vi7 · Bm7b5 viiø7
  • Charakteristischer Ton: der Leitton und die Dur-Dreiklänge: Viele Remixe gehen von Pop-Songs in Dur aus.
  • Einsatz: vi–IV–I–V (Am–F–C–G) als Dur-Version der Mollfolge.
  • Typische Fehler: zu vergessen, dass der Drop auf dem vi (Am) überzeugender bleibt: Lass den Loop auf der Moll-Parallele beginnen.

Wie man zwischen den Tonleitern wählt

90 % des Slap House verwenden eine Folge aus 4 Akkorden in natürlichem Moll (oder das Dur-vi–IV–I–V, das derselbe Zyklus von der Parallele aus gesehen ist); Lead und Chops liegen in der Moll-Pentatonik. Bei Remixen ist die Tonart die des Originalstücks, oft abgesenkt, damit der Bass zwischen 45 und 60 Hz gut klingt.

Harmonik

Funktion

Pop: eine Folge aus 4 Akkorden, die den ganzen Track über wiederholt wird (Strophe, Break und Drop), wobei die Bassline die Grundtöne im Offbeat spielt. Keine Modulationen.

Techniken

  • i–bVI–bIII–bVII oder i–bVI–bVII–i.
  • Akkorde als Dreiklang oder Add9; Klavier oder Pad im Break, im Drop fast nichts (nur Bass und Lead).
  • Umkehrungen selten: Der Bass muss den Grundton klar spielen.

Harmonischer Rhythmus

1 Akkord pro Takt (Loop von 4 Takten) oder 2 Takte pro Akkord.

Beispiele

  • Gm–Eb–Bb–F.
  • Am–F–C–G (vi–IV–I–V in C-Dur oder i–bVI–bIII–bVII in a-Moll).
  • Fm–Db–Eb–Fm.

Typische Akkordfolgen

NameTonartAkkordeStufenSo setzt du es ein
Slap-Folgeg-MollGm Eb Bb Fi bVI bIII bVIIDie meistverwendete Folge: Im Drop spielt der „Slap“-Bass G, Eb, Bb, F im Offbeat mit Pickup.
Pop-DurC-DurAm F C Gvi IV I VDerselbe Zyklus aus der Dur-Sicht: ideal für Remixe von Pop-Songs; im Drop beginnt er auf dem Am.
Schluss auf dem Grundtonf-MollFm Db Eb Fmi bVI bVII iDie Rückkehr zum Grundton im vierten Takt macht den Drop „kantiger“ und hämmernder.
Moll mit va-MollAm F G Emi bVI bVII vDas melancholische Moll-v, bevor es von vorn losgeht.
Brasilianisches Dorischa-Moll (Dorisch)Am7 Di7 IVWärmere Brazilian-Bass-Farbe, Bass im Wechsel zwischen A und D.

Rhythmus und Groove

  • Feel: Four on the floor mit Bass im Offbeat, der federt; leichter Swing (52–56 %) auf Shaker und Hats.
  • Pickup: Der Bass schließt den Takt mit zwei Sechzehnteln, die zur nächsten Kick führen.
  • Build: Snare-Roll (auch in Triolen), HP-Filter, Gesang allein; Drop mit Kick + Bass + Lead.

Schlagzeug

Kick

Kurz, punchy, im 808/909-Stil mit Klick (Decay 150–200 ms), Grundton 50–60 Hz.

Clap und Snare

Geschichtete Clap und Snare auf 2 und 4, brillant, kurzer Ausklang.

Hi-Hat

Open Hat im Offbeat (oft genau über dem Bass), spärliche geschlossene Hats, geswingter Shaker.

Percussion

Wenig: Rim, Snap, Tamburin.

Dynamik und Ghost Notes

Minimal; der Groove kommt von Bass und Sidechain.

Zusammenspiel mit Bass und Gesang

Kick auf dem Downbeat, Bass im Offbeat: Das ist die Definition des Genres. Gesang in den Strophen und Breaks, Chops im Drop.

Abschnitte

Kurzes Intro (4–8 Takte); Strophe mit Gesang, Klavier und leichten Drums; Build; Drop; Strophe 2; Drop 2; kurzes Outro.

Fills und Übergänge

Snare-Roll in Triolen, Stopp von 1 Takt mit Gesang, kurze Riser.

Klangauswahl

Moderne, einfache Samples.

Typische Fehler

Lange Kick, die mit dem Bass kollidiert; zu viele rhythmische Elemente.

Bass

  • Sound: der „Slap Bass“: Synth mit Rechteck- oder Sägezahnwelle (oft beides) durch einen Tiefpass mit sehr kurzer Filterhüllkurve (Decay 80–150 ms) und einer leicht fallenden Pitch-Hüllkurve (1–3 Halbtöne in 20–50 ms), plus leichte Verzerrung; manchmal ein gebundener „Reese“ (zwei verstimmte Sägezähne) in den dunkleren Versionen. Sinus-Sub darunter oder integriert.
  • Register: Sub G1–A1 (49–55 Hz); „Klick“ und Obertöne 200 Hz–2 kHz.
  • Mit der Kick: Bass im Offbeat (Step 3, 7, 11) mit Pickup (Step 14–15); tiefer Sidechain (6–10 dB) auf allem Übrigen.
  • Töne: Grundtöne der Akkorde, Oktavsprünge auf dem Pickup.
  • Rhythmus: siehe r-slap-house; Varianten mit Triolen im letzten Takt.
  • Beispiele: „In My Mind“ (Dynoro), der Remix von „Roses“ (Imanbek).

Harmonieinstrumente

Klavier (oft sehr einfach) und Pad in den Strophen und Breaks; im Drop Pluck oder kein Akkord; akustische Gitarre in einigen Remixen.

Melodie und Gesang

  • Gesang: Pop, oft gepitcht (+/− Halbtöne) oder mit Formant-Shift, der ihn robotisch macht; berühmte Stimmen, gesampelt aus alten Erfolgen.
  • Chöre: wenige, Doppelungen.
  • Lead: pentatonische Plucks oder Vocal Chops im Drop; manchmal gepfiffene oder Flötenmelodie.
  • Effekte: Pitch-/Formant-Shift, Plate-Hall, punktiertes 1/8-Delay, Sidechain.

Instrumente

Software-Synths (Serum, Sylenth1, Spire), moderne Drum-Samples, Klavier, Pads, Vocal Packs oder Samples bekannter Songs.

Drum-Patterns

Synthesizer und Sounds

  • Mini V — Slap Bass: Oszillator 1 Rechteck + 2 Sägezahn, 24-dB-Filter bei 25–30 %, Env Amount 60–70 %, Decay 100 ms, Sustain 0; leichte Pitch-Hüllkurve nach unten (nutze die Modulation des Mini V oder ein automatisiertes Pitch Bend); moderater Drive.
  • Korg MS-20 V — Aggressiver Slap: Der resonante Filter des MS-20 mit kurzer Hüllkurve ergibt einen schärferen „Slap“.
  • Piano V — Klavier der Strophen: Einfaches, brillantes Klavier; HP 150 Hz.
  • Prophet-5 V — Drop-Pluck: Kurzer Pluck mit geschlossenem Filter, Decay 200 ms.
  • Jun-6 V — Pad: Weiches Pad mit Chorus I im Break.

Songaufbau

AbschnittTakteInhalt
Intro4–8Klavier/Gesang oder angedeuteter Drop
Strophe8–16Gesang, Klavier, leichte Drums
Build4–8Snare-Roll, Filter
Drop 116Kick, Slap Bass, Lead/Chop
Strophe 28–16
Build4–8
Drop 216
Outro4–8

Radio Edit 2:20–3:00: kompakte Pop-Form.

Mixing und Mastering

Klangziel

Enormer Bass im Offbeat, punchy Kick, klarer Gesang; einfacher Mix mit wenigen, sehr starken Elementen. Hohe Lautheit. Referenzen: Dynoro & Gigi D'Agostino — In My Mind, SAINt JHN — Roses (Imanbek Remix).

Kick

HP 25 Hz; +2 dB 55 Hz; −4 dB 300 Hz; +2 dB 4 kHz; Transienten +3 dB; Clipper; Mono.

Clap und Snare

HP 200 Hz; +2 dB 2 kHz; +2 dB 10 kHz; 4:1 GR 4 dB; Plate 0,6 s.

Hi-Hat und Shaker

HP 500 Hz; Dynamic EQ 8 kHz; Panning 15–40 %.

Slap Bass

  • EQ: HP 25 Hz; Grundton 45–65 Hz +2 dB; −3 dB bei 250–350 Hz; +2 dB bei 800 Hz–1,5 kHz für den „Klick“; LP 5 kHz.
  • Kompression: 4:1, Attack 5 ms, GR 4–6 dB; Limiter für konstanten Sub-Pegel.
  • Sättigung: moderat (Röhre/Band), bei Multiband nur oberhalb von 150 Hz.
  • Stereo: Mono unter 150 Hz.
  • Automationen: Cutoff und Decay, um Drop 2 zu variieren.

Klavier, Pad, Pluck

HP 200 Hz; −2 dB 300–500 Hz; Plate/Hall 1,5–2 s; breit; Sidechain 8–10 dB (deutliches Pumpen).

Gesang

HP 100 Hz; FET 4:1 (6 dB) + Opto (2 dB); De-Esser; +3 dB 3 kHz; Shelf +2 dB 12 kHz; Plate 1 s + punktiertes 1/8-Delay; zentral. Pitch-/Formant-Shift vor der Kette.

FX

Kurze Riser, Impact, Reverse.

Busse und Gruppen

Drum-Bus (Glue + Clipper), Bass-Bus (Limiter), Music-Bus mit Sidechain, Vocal-Bus.

Sidechain

Alles, was nicht Kick und Bass ist: 6–10 dB, Release ~150 ms bei 124 BPM.

Master

EQ → Kompressor 1–2 dB → Clipper → Limiter. Ziel −7/−6 LUFS integriert (Drop −5/−6 Short-Term), True Peak −1 dBTP, Crest-Faktor 6–7 dB.

Typische Fehler

Zu langer Bass, der sich mit der nächsten Kick überlappt; Stereo-Sub; vom Bass zwischen 800 Hz und 2 kHz überdeckter Gesang; Bass-Pickup, der die Kick „verschmutzt“.

Referenztracks für den Mix

  • Dynoro & Gigi D'Agostino — In My Mind (2018)
  • SAINt JHN — Roses (Imanbek Remix) (2019)
  • Topic & A7S — Breaking Me (2019)

Referenz-Hörbeispiele

  • Alok, Bruno Martini & Zeeba — Hear Me Now (2017)
  • Dynoro & Gigi D'Agostino — In My Mind (2018)
  • SAINt JHN — Roses (Imanbek remix) (2019)
  • Topic & A7S — Breaking Me (2019)
  • Vize — Stars (2019)

Quellen

Weitere Genres: House