House118–126 BPM6 Akkordfolgen

Chicago house

Geschichte und Charakter

Der ursprüngliche House, produziert in Chicago zwischen 1984 und dem Ende der 80er. Er entsteht aus den DJs der schwarzen und schwulen Clubs der Stadt — Frankie Knuckles im Warehouse, Ron Hardy in der Music Box — und aus dem Radiosender WBMX mit seinen Hot Mix 5 (ab 1981). Die DJs verlängerten Disco- und Italo-Platten mit Drum Machines und Tonbandgeräten; die lokalen Produzenten beginnen, mit billigen Maschinen eigene Platten zu machen. Jesse Saunders — On and On (1984), gespielt mit einem Korg Poly-61 und einer Drum Machine, gilt als die erste; dann Chip E. („Jack Trax“-EP, 1985), Farley „Jackmaster“ Funk („Love Can't Turn Around“, UK-Top-10 1986), Steve „Silk“ Hurley („Jack Your Body“, Nr. 1 im Vereinigten Königreich 1987), Marshall Jefferson („Move Your Body“, 1986), Larry Heard/Mr. Fingers („Mystery of Love“, 1985; „Can You Feel It“, 1986), Jamie Principle und Frankie Knuckles („Your Love“).

Die Labels Trax Records (Larry Sherman) und DJ International (Rocky Jones) pressen Hunderte von 12"-Platten, oft mit ärmlichsten Mitteln; die Plattenläden Importes Etc., State Street, JR's und Gramaphone dienen als Vertriebskanal. Der Sound ist roh: von Hand programmierte Roland-Drum-Machines TR-808, TR-909, TR-707 und TR-727, Juno, TB-303, kurze Samples, eine oft gesprochene oder geschriene Stimme („jack your body“). Schon innerhalb des Chicago House existieren die Strömungen Deep, Acid und das rhythmischere, minimalistischere „Jacking“, das sich dann im Ghetto House der 90er (Dance Mania) weiterentwickelt.

Ästhetik: körperlicher, hypnotischer Groove, wenige, im Loop gespielte Elemente, direkte Energie, Club-Spiritualität („house music is a feeling“), Lo-Fi-Produktion, die heute eine gesuchte Ästhetik ist.

Tonleitern und Tonarten

Konvention: Die römischen Ziffern beziehen sich auf die Dur-Tonleiter derselben Tonika (Großbuchstabe = Dur, Kleinbuchstabe = Moll, ° vermindert, ø halbvermindert, + übermäßig; b/# = gegenüber Dur erniedrigte/erhöhte Stufe: in a-Moll F = bVI, G = bVII). Töne und Akkorde unten sind exakt aus der Formel berechnet.

Dorisch

  • Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — Schritte: GT HT GT GT GT HT GT
  • Auf G: G A B C D E F (G A B C D E F)
  • Diatonische Dreiklänge: Gm i · Am ii · Bb bIII · C IV · Dm v · Edim vi° · F bVII
  • Vierklänge: Gm7 i7 · Am7 ii7 · Bbmaj7 bIIImaj7 · C7 IV7 · Dm7 v7 · Em7b5 viø7 · Fmaj7 bVIImaj7
  • Charakteristischer Ton: die große Sexte (E in G-Dorisch): macht das IV zu Dur (C, C7, C9).
  • Einsatz: die i–IV-Vamps (Gm7–C9) und die gehaltenen Sept-/Nonakkorde des Deep und Soul House aus Chicago; die Bässe spielen Tonika, Quinte und b7 mit Oktavsprüngen.
  • Häufige Fehler: Es (b6) in der Melodie über dem C-Dur-Akkord verwenden.

Äolisch

  • Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: GT HT GT GT HT GT GT
  • Auf C: C D Es F G As B (C D Es F G As B)
  • Diatonische Dreiklänge: Cm i · Ddim ii° · Eb bIII · Fm iv · Gm v · Ab bVI · Bb bVII
  • Vierklänge: Cm7 i7 · Dm7b5 iiø7 · Ebmaj7 bIIImaj7 · Fm7 iv7 · Gm7 v7 · Abmaj7 bVImaj7 · Bb7 bVII7
  • Charakteristischer Ton: die b6 (As): dunklere Loops, typisch für viele Jacking-Tracks und die frühen Produktionen mit 303-/SH-101-Basslines.
  • Einsatz: Bassriffs über i–bVII–bVI (C–Bb–Ab), wiederholte Moll-Stabs, m7-Akkorde in Chord Memory.
  • Häufige Fehler: zu viele Akkorde: Jacking House verwendet oft nur einen oder gar keinen.

Moll-Pentatonik

  • Formel: 1 b3 4 5 b7 — Schritte: GT+HT GT GT GT+HT GT
  • Auf E: E G A H D (E G A H D)
  • Charakteristischer Ton: fünf Töne ohne Halbtöne, perfekt für Bassriffs und Stabs über einem einzigen Akkord.
  • Einsatz: wiederholte Basslines von einem Takt (E–G–A–H–D mit Oktaven), gesprochene oder geschriene Stimmen, monophone Synth-Riffs.
  • Häufige Fehler: zu lange und melodische Linien: Im Chicago Jacking ist der Bass ein kurzes, fast perkussives Pattern.

Dur mit Septimen (Soul und Gospel)

  • Formel: 1 2 3 4 5 6 7 — Schritte: GT GT HT GT GT GT HT
  • Auf F: F G A B C D E (F G A B C D E)
  • Diatonische Dreiklänge: F I · Gm ii · Am iii · Bb IV · C V · Dm vi · Edim vii°
  • Vierklänge: Fmaj7 Imaj7 · Gm7 ii7 · Am7 iii7 · Bbmaj7 IVmaj7 · C7 V7 · Dm7 vi7 · Em7b5 viiø7
  • Charakteristischer Ton: die große Septime (E) in den maj7- und maj9-Akkorden: Soul-Farbe der Vocal-Tracks (Marshall Jefferson, Ten City).
  • Einsatz: Piano House mit Verläufen IV–V–iii–vi und ii–V–I, Klavier-Stabs von Prophet oder gesampelt.
  • Häufige Fehler: nackte Dreiklänge im hohen Register, die nach Pop klingen.

Wie man zwischen den Skalen wählt

  • Jacking / DJ-Tool: ein einziger Moll-Modus (Äolisch oder Pentatonik) über einem Akkord oder keinem; es zählt das Bassriff.
  • Deep und Vocal: Dorisch oder Dur mit Erweiterungen (m9, maj9, 9sus4).
  • Piano-Anthem: Dur mit 7/9 und absteigende Verläufe.

Beginne mit dem pentatonischen Bassriff und entscheide danach, ob der Akkord darüber die große Sexte (Dorisch) oder die kleine (Äolisch) haben soll.

Harmonik

Funktion

Zwei Seelen. Im Jacking House existiert die Harmonik fast nicht: ein Basspedal und ein wiederholter Stab, oft nur ein Akkord im ganzen Song; der tonale Sinn kommt vom Riff. Im Chicago Deep/Vocal (Larry Heard, Marshall Jefferson, Ten City) ist die Harmonik Soul/Jazz: Sept-, Non- und Undezimakkorde in Loops von 2–4 Akkorden.

Typische Techniken

  • Chord Memory / Planing: ein auf einem Synth (Juno, Poly-61, Prophet) gespeichertes m7- oder m9-Voicing, das durch Spielen eines einzigen Tons transponiert wird: Die Akkorde bewegen sich parallel und können aus der Skala fallen (typische „Deep“-Farbe).
  • Pedal: wiederholte Tonika im Bass, während der Stab wechselt.
  • Dorischer i–IV-Vamp und Wechsel zweier Moll-Akkorde im Ganztonabstand (i7–bVII7 oder i7–ii7).
  • Sehr wenige V–I-Kadenzen; die Dominante, falls vorhanden, ist ein 9sus4.

Harmonischer Rhythmus und Voicing

Ein Akkord alle 1–2 Takte; synkopierte 1/16-Stabs. Enge Voicings im Register C3–C5, Bass unter C2.

Beispiele

  • Gm7 über 16 Takte, wobei der Stab alle 8 den Rhythmus wechselt (Jacking).
  • Fm9–Ebmaj7 im Planing (Chicago Deep).
  • Bbmaj7–Am7–Gm7–C9sus4 (Vocal House à la Ten City).

Typische Akkordfolgen

NameTonartAkkordeStufenSo setzt du es ein
Ein Akkord, der ganze Songg-MollGm7i7Jacking House lebt von einem einzigen Akkord (oder einem Stab) und einem Bassriff; die Bewegung ist rhythmisch, nicht harmonisch.
Dorischer Vampg-Moll (dorisch)Gm7 C9i7 IV9Zwei Takte pro Akkord mit Juno- oder Rhodes-Stab; das C9 enthält die dorische Sexte E.
Deep-Planingf-MollFm9 Ebm9 Dbmaj9 Ebm9i9 bvii9 bVImaj9 bvii9Verschobenes Nonen-Voicing (Chord Memory): Das Ebm9 fällt aus dem äolischen Modus (Ges statt G) und gibt die nächtliche Farbe des Chicago Deep.
Soul HouseF-DurBbmaj7 Am7 Gm7 C9sus4IVmaj7 iii7 ii7 V9sus4Abstieg über Stufen zur schwebenden Dominante: der Verlauf der Vocal-House-Stücke der späten 80er, unter männlicher Soul-Stimme.
Dreiakkord-Moll-Riffc-MollCm Bb Ab Bbi bVII bVI bVIIÄolische Bewegung von Bass und Stab, typisch für Tracks mit SH-101 oder nicht-acidem 303; jeder Akkord ein Takt.
Chicago-Piano-AnthemEs-DurAbmaj7 Bb6 Gm7 Cm7IVmaj7 V6 iii7 vi7Der absteigende Piano-House-Verlauf mit synkopierten Stabs; entstanden in der Vocal-Szene der späten 80er und vom europäischen Piano House übernommen.

Rhythmus und Groove

  • Feel: der „Jack“: mechanischer, aber geswingter Groove, programmiert auf dem internen Sequenzer der Drum Machine mit aktivem Shuffle (TR-909/707): die geraden Sechzehntel verzögert, entsprechend etwa 56–62 % im MPC-Stil (FL Studio: 25–40 am Swing-Regler des Channel Rack).
  • Raster: Sechzehntel; Bassdrum in Vierteln, Hat in Sechzehnteln mit Akzenten, Clap auf 2 und 4. Patterns von 1 Takt, wiederholt, mit von Hand in Echtzeit vorgenommenem Mute/Unmute.
  • Akzente: Accent der Drum Machine auf den geraden Sechzehnteln der Hats und im Offbeat; Bassline mit Accent auf dem zweiten Sechzehntel.
  • Microtiming: Das Timing der Maschinen ist starr; das Feel kommt von Shuffle und Akzenten, nicht von Mikroverschiebungen.

Schlagzeug

Bassdrum

In Vierteln (Step 1, 5, 9, 13), länger und „boomiger“ als im modernen House: 808 mit mittlerem bis langem Decay oder 909 mit wenig Klick. Oft leicht von Tape oder Mischpult gesättigt. In den Stücken näher am Electro und Ghetto House: Varianten mit 3 Schlägen (1, 4, 7) oder verdoppelte Bassdrum auf dem 4-und (Step 15).

Clap und Snare

808-/909-Clap auf 2 und 4; 909-Snare mit viel „Snap“ und hoher Stimmung. Snare-Wirbel in Sechzehnteln (und 1/32 mit dem Flam der 909) in den letzten 1–2 Takten der Phrasen, oft mit steigenden Accents.

Hi-Hat

Closed Hat in vollen Sechzehnteln mit wechselnden Akzenten (stark-schwach), trockener 909-Open-Hat im Offbeat. Im Jacking: Open Hat auch auf dem zweiten Sechzehntel (Step 2, 6) für einen Galopp.

Percussion

TR-727 (Congas, Bongo, Timbales, Agogo), 808-Cowbell und -Clave, 909-Rim synkopiert. Kurze Patterns, hartes Panning.

Dynamik und Ghost Notes

Die Drum Machines haben nur „Accent an/aus“: Die Dynamik entsteht durch den globalen Accent und durch die Pegel der einzelnen Instrumente. Bilde es in der DAW mit zwei Velocitys nach (100 und 60–70).

Zusammenspiel mit Bass und Gesang

Der Bass ist oft eine Zeile synkopierter Sechzehntel, die die Lücken zwischen den Bassdrums füllt; die gesprochene Stimme („jack your body“, „house music“) wird zwischen die Clap-Schläge gesetzt.

Abschnitte

Es gibt keine echten Strophen und Refrains: Die „Abschnitte“ sind Mute/Unmute von 8 oder 16 Takten. Break: Bassdrum für 4–8 Takte weg, Hat und Stimme bleiben; Wiedereinstieg mit 909-Crash.

Klangauswahl

Originale 808 und 909 oder unbearbeitete Samples, 707 für „plastischere“ Hats und Claps, Hintergrundrauschen und Mischpult-Sättigung. Stimmung der 808-Bassdrum auf die Tonika.

Typische Fehler

Quantisieren ohne Shuffle; zu brillante moderne Hats verwenden; übermäßiges Layering; komplexe Fills im Pop-Stil.

Bass

  • Klang: Roland SH-101, Juno-106 in mono, unverzerrte TB-303, Korg Poly-61; Organ Bass vom Korg M1 in den Tracks der späten 80er; synthetischer Bass mit einem Sägezahn- oder Rechteckoszillator, halb geöffnetem Filter, kurzer Hüllkurve.
  • Register: C1–C3. In den Originalproduktionen ist der Sub weniger tief als heute: Die Linie hört man zwischen 80 und 300 Hz.
  • Mit der Bassdrum: Der Bass spielt auf den Sechzehnteln zwischen den Bassdrums (Step 3, 4, 7, 8 …) und lässt den Downbeat frei; bei der 808 mit langem Ausklang müssen Bassdrum und Bass auf denselben Ton gestimmt werden.
  • Töne: Tonika, Oktave, b7, Quinte, b3; Ein-Takt-Riffs mit Oktavsprüngen und Tonwiederholungen (z. B. in E: E1 E2 E1 D2 E1 G1 A1 E2).
  • Rhythmus: Sechzehntel mit Pausen, Akzente auf dem zweiten Sechzehntel jedes Viertels.
  • Beispiele: das Oktavriff von „Move Your Body“, die wiederholten Bässe der Trax-Tracks.

Harmonieinstrumente

  • Klavier: gesampelter Klavier-Stab oder von Korg M1/Prophet (Piano House von Marshall Jefferson), im Offbeat.
  • Synth-Stabs: Juno-106 oder Poly-61 mit Chord Memory (parallele Akkorde).
  • Pads und Streicher: Juno, Solina, Korg Poly-800; lange Teppiche in den Deep-Stücken (Larry Heard).
  • Rhodes/Orgel: in den Soul- und Gospel-Tracks.

Mittleres Register, enge Voicings, wenig Hall oder billiger Digitalhall (er gehört zum Sound).

Melodie und Gesang

  • Gesang: Spoken Word und Tanzbefehle (Chip E., Fingers) oder Soul-Stimme (Robert Owens, Jamie Principle, Daryl Pandy) mit langen Phrasen und Falsett.
  • Hook: kurze, wiederholte Phrasen, oft gesampelt und im Loop geschnitten („Stutter“).
  • Backing Vocals: wenige; Doppelungen im Einklang oder in der Oktave, Gospel-Chöre in den Vocal-Tracks.
  • Instrumentale Melodien: monophone Synth-Riffs, einhändige Klavierlinien, Glöckchen.
  • Effekte: billiger Digitalhall und -delay, Tape-Echo, Filter; natürliche Verzerrung durch die Aufnahme auf Kassette/Tonband.

Instrumente

Roland TR-808, TR-909, TR-707, TR-727, Roland TB-303, SH-101, Juno-60/106, Korg Poly-61, Korg M1 (ab 1988), Casio CZ, Yamaha DX100/DX7, Sampler Ensoniq Mirage, Akai S900, E-mu SP-1200; billige Mischpulte, Bandmaschinen und Kassettenrekorder; Stimme, gesampeltes Klavier.

Drum-Patterns

Synthesizer und Sounds

  • Jun-6 V — Stab, Chord Memory, Bass: Simuliert den Juno-60/106: Für die Stabs ein m7-/m9-Voicing auf mehreren Tasten verwenden und transponieren (oder die Chord Memory des FL-Sequenzers nutzen); Attack 0, VCF-Decay 200–300 ms, Chorus I. Für den Bass Sägezahn + Sub, Filter 35 %, kurze Hüllkurve.
  • Prophet-5 V — Synthetischer Klavier-Stab und Brass: Zwei Oszillatoren, Sägezahn und schmales Rechteck, Filter mit kurzer Hüllkurve: brillante Stabs der späten 80er.
  • Mini V — Bassline: Ein Rechteck- oder Sägezahnoszillator, Filter zu 40 % geschlossen, moderate Env Amount, Decay 150 ms: kurzer, runder Bass in Sechzehnteln.
  • DX7 V — FM-Bass und Glocken: FM-Bass-Preset („Bass 1“) und Glocken für synthetische Riffs, typisch für die billigen Produktionen jener Zeit.
  • Piano V — Piano House: Brillantes Upright-Klavier, HP bei 150 Hz und schnelle Kompression für den Stab.
  • Stage-73 V — Deep-Akkorde: Rhodes für Stücke à la Larry Heard, mit langsamem Tremolo und Chorus.

Songaufbau

„Tool“-Form für DJs, Phrasen von 8 Takten, Dauer 5–8 Minuten; keine Radioversion in den Originalpressungen (oft eine Vocal-Version, eine „Dub“ und eine „Acapella“/„Bonus Beats“ auf derselben 12").

AbschnittTakteInhalt
Intro8–16nur Schlagzeug, alle 4–8 setzt ein Element ein
Groove16–32Bass + Schlagzeug, gesprochene Stimme
Voller Teil32Stabs, Klavier, Stimme, Perc
Break8–16Bassdrum raus, Hat und Stimme oder Pad
Wiedereinstieg32voller Groove mit Mute-Variationen
Outro16Schlagzeug

„Live“-Arrangement: Viele Tracks wurden direkt auf Band aufgenommen, indem man die Fader hoch- und herunterzog und Parts stummschaltete; bilde das nach, indem du Mute-Automationen in Echtzeit aufnimmst.

Mixing und Mastering

Klangziel

Roh, warm und mono-zentriert: große Bassdrum, Clap und Hat im Vordergrund, trockene Stimme oder mit billigem Echo, wenig Stereoraum. Der Charakter kommt von Tape-/Mischpult-Sättigung, begrenzter Bandbreite (über 12 kHz wenig Inhalt) und Rauschen. Referenzen: Marshall Jefferson — Move Your Body, Steve „Silk“ Hurley — Jack Your Body, Mr. Fingers — Can You Feel It (instrumentale Version).

Bassdrum

  • EQ: HP 30 Hz; Betonung 55–70 Hz +2 dB (808) oder 60–80 Hz (909); Absenkung −3 dB bei 300 Hz Q 2; wenig Klick (+1 dB bei 2 kHz).
  • Kompression: VCA 4:1, Attack 20 ms, Release 80 ms, GR 2–3 dB, oder gar nichts.
  • Sättigung: Tape (Saturn 2 „Tape“, Decapitator „A“ mit Drive 2–3), um den Ausklang der 808 abzurunden.
  • Raum: trocken. Stereo: mono.

Clap und Snare

  • EQ: HP 180 Hz, +2 dB bei 1 kHz für den „Snap“ der 909, LP bei 10 kHz für Vintage-Geschmack.
  • Kompression: schneller FET 4:1, Attack 3 ms, Release 80 ms, GR 3–5 dB.
  • Raum: kurzer Digitalhall im Stil der 80er (Plate 0,8–1 s, Pre-Delay 0–10 ms) oder Gated Reverb auf dem Clap.
  • Stereo: zentral.

Hi-Hat und Percussion

  • EQ: HP 400 Hz; die 6-Bit-Sounds der 909 haben schon wenig Höhen: Shelf +1 dB bei 8 kHz nur wenn nötig; LP bei 14 kHz.
  • Sättigung: leichter Bitcrusher oder Tape für den Vintage-Effekt.
  • Panning: Hat 10–15 % L, 727-Perc seitlich (L40/R40), Cowbell 20 % R.
  • Raum: kurzer Room oder keiner.

Bass

  • EQ: HP 35 Hz, Körper 80–150 Hz, Obertöne 600 Hz–1 kHz +2 dB, LP 4 kHz.
  • Kompression: Opto 3:1, GR 3 dB. Sättigung: leichte Röhre.
  • Stereo: mono. Sidechain: leicht (2 dB) oder keiner: Im Originalsound gab es ihn nicht, die Verzahnung war rhythmisch.

Synth, Klavier, Stabs

  • EQ: HP 150 Hz, Absenkung 300 Hz −2 dB, Präsenz 2–3 kHz.
  • Raum: Tape- oder Digitaldelay mit punktierter 1/8 (≈ 370 ms bei 122 BPM) mit Feedback 30 %; Digitalhall 1,2 s.
  • Stereo: Stabs in der Mitte oder leicht verbreitert; Pads mit Chorus.

Hauptstimme

  • Kette: HP 90 Hz, FET-Kompression 4:1 (4–6 dB GR), EQ +2 dB bei 2–3 kHz, De-Esser.
  • Raum: kurzes Tape-Echo (Slapback 80–120 ms) oder Delay 1/4 mit Feedback 20 %, kurzer Plate.
  • Spoken Word: trockener und im Vordergrund, stärkere Kompression (6–8 dB GR).

Backing Vocals

Doppelungen auf L/R 50 %, Kompression 6 dB, Hall 2 s, 6 dB unter dem Solisten.

FX

Sehr wenige moderne FX: keine langen Riser; 909-Crash, Reverse der Stimmen, Filter verwenden.

Busse und Gruppen

Drumbus mit Tape und Glue-Kompression 2:1 (GR 2 dB); „Mixer-Bus“ mit leichter Sättigung, um ein billiges Pult zu simulieren; Music-Bus mit Gruppen-EQ.

Sidechain

Minimal oder nicht vorhanden; falls verwendet, 1–3 dB nur auf Pads. Der Groove entsteht aus der rhythmischen Verzahnung.

Master

Kette: EQ (HP 25 Hz, eventuell LP 16–18 kHz für Vintage) → Tape → Kompressor 2:1 (1–2 dB GR) → Limiter. Ziel: −10/−8 LUFS integriert, um den Punch der 808 zu erhalten (die Originalpressungen waren deutlich dynamischer); True Peak −1 dBTP; Crest-Faktor 9–12 dB.

Häufige Fehler

Den Sound zu sauber und breit machen; modernen Sub hinzufügen, der die 808-Bassdrum überdeckt; starker Sidechain; lange moderne Hallräume; das Schlagzeug zu stark limitieren.

Referenzsongs für den Mix

  • Marshall Jefferson — Move Your Body (1986)
  • Steve "Silk" Hurley — Jack Your Body (1986)
  • Frankie Knuckles & Jamie Principle — Your Love (1986–87)
  • Mr. Fingers — Can You Feel It (1986)

Referenz-Hörbeispiele

  • Jesse Saunders — On and On (1984)
  • Chip E. — Time to Jack (Jack Trax EP, 1985)
  • Mr. Fingers — Mystery of Love (1985)
  • Farley "Jackmaster" Funk & Jesse Saunders — Love Can't Turn Around (1986)
  • Steve "Silk" Hurley — Jack Your Body (1986)
  • Marshall Jefferson — Move Your Body (1986)
  • Mr. Fingers — Can You Feel It (1986)
  • Frankie Knuckles & Jamie Principle — Your Love (1986–87)

Quellen

Weitere Genres: House