House110–122 BPM5 Akkordfolgen

Organic house

Geschichte und Charakter

Subgenre, das akustische Instrumente und natürliche Klänge in den Mittelpunkt stellt: Percussion, inspiriert von afrikanischen und nahöstlichen Trommeln (Bongos, Congas, Darbuka, Frame Drum), Gitarren, Violine, Oud, Vibrafon, Kalimba, Flöten, Stimmen, Umgebungsaufnahmen, über einem langsameren und meditativen House-Groove. Musik mit diesen Merkmalen taucht um 2017 auf Festivals und Open-Air-Partys wie Burning Man, Lightning in a Bottle und Desert Hearts auf; sie speist sich aus Deep House, Melodic House, Electronica, Downtempo und Afro House.

Beatport führt im Juni 2020 offiziell die Kategorie „Organic House / Downtempo“ ein, begründet mit dem Trend zu „tieferen, meditativeren und manchmal langsameren“ Schattierungen des House; ähnliche Tracks liefen zuvor unter Electronica, Deep, Melodic oder Afro House. Wichtige Namen: Lee Burridge und sein Label All Day I Dream, Lost Desert, Sébastien Léger, Oliver Koletzki, Roy Rosenfeld, Bedouin, Damian Lazarus, Jean Vayat, Hraach, Blond:ish; Labels wie All Day I Dream, Sol Selectas, Songuara, Cafe De Anatolia, Melody Of The Soul, Hoomidaas, Amulanga. 2024 gewann WhoMadeWho die Kategorie Organic House bei den DJ Awards.

Ästhetik: Tageslicht, Wüste und Natur, Spiritualität, Wärme; sanfte, wiegende Hypnose statt Clubenergie.

Tonleitern und Tonarten

Konvention: Die römischen Ziffern beziehen sich auf die Dur-Tonleiter desselben Grundtons (Großbuchstaben = Dur, Kleinbuchstaben = Moll, ° vermindert, ø halbvermindert, + übermäßig; b/# = gegenüber Dur erniedrigte/erhöhte Stufe: in a-Moll ist F = bVI, G = bVII). Töne und Akkorde unten sind exakt nach der Formel berechnet.

Äolisch

  • Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: T S T T S T T
  • Auf D: D E F G A Bb C (D E F G A B C)
  • Diatonische Dreiklänge: Dm i · Edim ii° · F bIII · Gm iv · Am v · Bb bVI · C bVII
  • Vierklänge: Dm7 i7 · Em7b5 iiø7 · Fmaj7 bIIImaj7 · Gm7 iv7 · Am7 v7 · Bbmaj7 bVImaj7 · C7 bVII7
  • Charakteristischer Ton: die b6 (Bb): warme Melancholie.
  • Einsatz: Loop i–bVI–bVII (Dm–Bb–C), Pads, arpeggierte Gitarren.
  • Typische Fehler: zu „poppige“ Akkorde: besser sus2, add9, leere Quinten.

Phrygisch dominant (nahöstliche Farbe)

  • Formel: 1 b2 3 4 5 b6 b7 — Schritte: S T+S S T S T T
  • Auf E: E F G# A B C D (E F Gis A H C D)
  • Charakteristischer Ton: die b2 (F) zusammen mit der großen Terz (G#): Die übermäßige Sekunde F–G# erzeugt die „orientalische“, wüstenhafte Farbe, typisch für Oud, Violine und Stimmen in vielen Organic-Tracks.
  • Einsatz: Oud- oder Flötenriffs, Gesangsmelodien, Pads auf E mit Wechseln zu F.
  • Wichtigste Akkorde: E (I), F (bII), Am (iv), Dm (bvii) — die auf den anderen Stufen aufgebauten Akkorde werden kaum verwendet.
  • Typische Fehler: im Bass das G natur (kleine Terz) verwenden, während die Melodie G# nutzt; die Farbe mit zu vielen Verzierungen karikieren.

Dorisch

  • Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — Schritte: T S T T T S T
  • Auf A: A B C D E F# G (A H C D E Fis G)
  • Diatonische Dreiklänge: Am i · Bm ii · C bIII · D IV · Em v · F#dim vi° · G bVII
  • Vierklänge: Am7 i7 · Bm7 ii7 · Cmaj7 bIIImaj7 · D7 IV7 · Em7 v7 · F#m7b5 viø7 · Gmaj7 bVIImaj7
  • Charakteristischer Ton: die große Sexte (F#): Licht im Moll.
  • Einsatz: Vamp i–IV (Am–D) mit Gitarren, Kalimba.
  • Typische Fehler: es in derselben Phrase mit F natur zu mischen.

Moll-Pentatonik

  • Formel: 1 b3 4 5 b7 — Schritte: T+S T T T+S T
  • Auf D: D F G A C (D F G A C)
  • Charakteristischer Ton: fünf offene Töne: ideal für Kalimba, Flöten, Stimmen.
  • Einsatz: hypnotische Riffs von 1–2 Takten, Gesangsmelodien.
  • Typische Fehler: zu dichte Phrasen: Lass Raum und Stille.

Harmonisch Moll

  • Formel: 1 2 b3 4 5 b6 7 — Schritte: T S T T S T+S S
  • Auf A: A B C D E F G# (A H C D E F Gis)
  • Diatonische Dreiklänge: Am i · Bdim ii° · Caug bIII+ · Dm iv · E V · F bVI · G#dim vii°
  • Vierklänge: Am(maj7) i(maj7) · Bm7b5 iiø7 · Cmaj7#5 bIII+maj7 · Dm7 iv7 · E7 V7 · Fmaj7 bVImaj7 · G#dim7 vii°7
  • Charakteristischer Ton: der Leitton (G#) und die übermäßige Sekunde F–G#: dramatische/orientalische Farbe in den Kadenzen.
  • Einsatz: Kadenzen i–V (Am–E) in den Breaks, Violinlinien.
  • Typische Fehler: Harmonisch Moll und Phrygisch dominant wie zwei verschiedene Welten zu behandeln: Es ist dieselbe Tonleiter, von der V. Stufe aus betrachtet (E Phrygisch dominant = a-Moll harmonisch ab E).

Wie man zwischen den Tonleitern wählt

  • Warme Melancholie und Pads: Äolisch.
  • Wüste, Orient, Oud und Violine: Phrygisch dominant / Harmonisch Moll.
  • Licht und Weite: Dorisch.
  • Melodische Schlaginstrumente (Kalimba, Marimba, Handpan): Pentatonik.

Ein häufiger Trick: Bass und Pad auf festem Grundton (Orgelpunkt), die Melodie wechselt zwischen Äolisch und Phrygisch dominant für eine Farbe, die „atmet“.

Harmonik

Funktion

Statisch und modal: Orgelpunkte, Loops aus 1–2 Akkorden, leere Quinten, Sus-Akkorde. Der harmonische Sinn entsteht aus den modalen Melodien und den Texturen.

Techniken

  • Grundton-Orgelpunkt (Bass oder Drone) über 16–32 Takte.
  • Sus2-/Sus4- und Add9-Akkorde, leere Quinten, um das Modus nicht festzulegen.
  • Wechsel i–bVII oder i–bII (Phrygisch dominant: E–F).
  • Kadenzen i–V nur in den Breaks (Harmonisch Moll).

Harmonischer Rhythmus

Sehr langsam: ein Akkord alle 2–8 Takte.

Beispiele

  • Dm(add9)-Orgelpunkt mit Gitarre.
  • E–F–E (I–bII–I) in E Phrygisch dominant.
  • Am–G–F–E (i–bVII–bVI–V): „andalusischer“ Abstieg.

Typische Akkordfolgen

NameTonartAkkordeStufenSo setzt du es ein
Modaler Orgelpunktd-MollDmadd9iadd9Ein einziger schwebender Akkord, Gitarre und Pad; die ganze Bewegung steckt in der Percussion und der Melodie.
Wüsten-ZweiklangE (Phrygisch dominant)E FI bIIDer Halbton E–F mit großer Terz auf E: die nahöstliche/Flamenco-Farbe, typisch für Oud und Violine.
Andalusische Kadenza-MollAm G F Ei bVII bVI VAbstieg Stufe für Stufe zur Dur-Dominante: dramatisch und „mediterran“, ausgezeichnet in den Breaks.
Dorischer Vampa-Moll (Dorisch)Am7 D/Ai7 IV/IDas Dur-IV über dem A-Orgelpunkt bringt das Licht der dorischen Sexte.
Leere Quintend-MollD5 C5 Bb5 C5i5 bVII5 bVI5 bVII5Zweiklänge ohne Terz: mehrdeutig und offen, sie überlassen der Melodie die Wahl des Modus.

Rhythmus und Groove

  • Feel: wiegend und entspannt, moderater Swing (54–58 % MPC; FL 15–30) auf Shaker und Percussion.
  • Polyrhythmen: Percussion-Figuren in 3 gegen 4, Pattern von 2 Takten.
  • Microtiming: von Hand gespielte oder humanisierte Percussion, etwas hinter dem Beat.
  • Energie: konstant und sanft; kein heftiger Drop.

Schlagzeug

Kick

In Vierteln, weich und rund (Grundton 45–55 Hz, Klick fast nicht vorhanden), Decay 250–350 ms; manchmal eine Kick aus Frame Drum oder Trommel darunter für Wärme.

Clap und Snare

Leichter Clap oder Snap auf 2 und 4, oft ersetzt durch Holz-Rim, Cajón oder Tamburin; natürlicher Hall.

Hi-Hat

Hats wenig präsent; die Rolle übernehmen Shaker, Maracas, Shekere.

Percussion (das Zentrum)

Bongos, Congas, Darbuka, Frame Drum (Bendir, Riq), Cajón, Udu, Glocken, Handpan; Figuren von 2 Takten, polyrhythmisch, mit vielen Ghost Notes. Jede Percussion hat ihren genauen Platz im Stereobild.

Dynamik und Ghost Notes

Breite Dynamik: Slaps und offene Töne laut, Ghost Notes bei 20–50 %.

Zusammenspiel mit Bass und Gesang

Weicher, langer Bass, manchmal nur ein Drone; die Percussion tritt mit den Melodien in Dialog.

Abschnitte

Intro aus Percussion und Ambiente; Einsatz von Bass und Pad; Melodie; Break mit akustischen Instrumenten ohne Kick; sanfter Wiedereinstieg.

Fills und Übergänge

Fills auf Darbuka oder Frame Drum, mit Schlägeln gespielte Beckenschwells, Ambiences.

Klangauswahl

Aufgenommene akustische Percussion, natürliche Samples; „trockene“ Drum Machines vermeiden.

Typische Fehler

Quantisierte Percussion; zu viele brillante Sounds; Tech-House-Kick.

Bass

  • Sound: weich und warm: Sinus/Dreieck, gefilterter Synth-Bass, Fretless-E-Bass oder Kontrabass; manchmal ein Grundton-Drone.
  • Register: D1–D3.
  • Mit der Kick: lange Töne mit leichtem Sidechain (2–4 dB) oder sparsame Synkopen.
  • Töne: Grundton, Quinte, Oktave; wenige Töne.
  • Rhythmus: Pattern von 2 Takten, viel Raum.

Harmonieinstrumente

  • Akustik-/Klassikgitarre und cleane E-Gitarren mit Delay: Arpeggien.
  • Weiche Pads, Streicher, Drones.
  • Klavier, Rhodes, Vibrafon, Marimba, Kalimba, Handpan.
  • Oud, Saz, Sitar in einigen Produktionen.

Melodie und Gesang

  • Gesang: ätherische Gesänge, Phrasen in verschiedenen Sprachen (Arabisch, Hebräisch, Türkisch, Spanisch, afrikanische Sprachen), Vokalisen ohne Text, oft weit entfernt im Hall.
  • Chöre: Texturen, entfernte Doppelungen.
  • Soloinstrumente: Violine, Flöte (Ney, Duduk, Bansuri), Oud, Gitarre, Sax.
  • Effekte: lange Halls (Hall 3–6 s), Tempo-Delay (1/4, punktierte 1/8) mit moderatem Feedback, leichter Chorus, Bandsättigung.

Instrumente

Akustische Percussion (Bongos, Congas, Darbuka, Frame Drum, Cajón, Udu, Handpan, Shaker), Gitarren, Oud, Violine, ethnische Flöten, Kalimba, Vibrafon, Klavier, Pads, weicher Synth-Bass, Gesang, Umgebungsaufnahmen.

Drum-Patterns

Synthesizer und Sounds

  • Jun-6 V — Warme Pads: Langsame Pads mit Chorus I, Attack 1 s, Filter zu 40 % geschlossen: unsichtbare harmonische Stütze.
  • Augmented Strings — Streicher und Texturen: Lange Streicher und hybride Texturen für die Breaks; HP 200 Hz.
  • Augmented Voices — Ätherische Stimmen: Vokal-Pads und entfernte Chöre für Atmosphäre.
  • Prophet-5 V — Weiche Plucks: Plucks mit geschlossenem Filter und Decay 400 ms, im Tempo-Delay.
  • Mini V — Weicher Bass: Dreieckwelle mit geschlossenem Filter, langem Decay, kein Glide.
  • Buchla Easel V — Organische Texturen: Complex Oscillator und Low Pass Gate für „natürliche“ perkussive Sounds, ähnlich Holz und Glocken.

Songaufbau

AbschnittTakteInhalt
Intro32Ambiences und Percussion
Groove 132Kick, Bass, Pad
Melodie32Soloinstrument oder Gesang
Break16–32akustisch, ohne Kick
Groove 232alles, Gegenmelodien
Outro32Reduktion

Tracks von 6–9 Minuten; alles wächst und schwindet allmählich.

Mixing und Mastering

Klangziel

Warm, natürlich, geräumig: reiche und realistische Percussion, weicher Bass, sanfte Höhen, viel Raum. Dynamik bleibt erhalten. Referenzen: Produktionen von All Day I Dream (Lee Burridge & Lost Desert), Bedouin, Sébastien Léger.

Kick

HP 30 Hz; +1,5 dB bei 50 Hz; −3 dB bei 300 Hz; LP 6–8 kHz (kein Klick); leichte Kompression; Mono.

Clap, Rim, Cajón

HP 200 Hz; −2 dB bei 3–5 kHz, falls schroff; Room/Plate 1,2 s; Rim 20–30 % seitlich.

Percussion

  • EQ: HP 60–100 Hz für die großen Trommeln, 300 Hz für die kleinen; −2 dB bei 400 Hz; Slap +1,5 dB bei 4 kHz; LP 14 kHz.
  • Kompression: Bus 2:1 Attack 20 ms GR 2 dB; leichte Parallelkompression.
  • Sättigung: Band.
  • Raum: ein gemeinsamer natürlicher Raum (0,8–1,5 s) + punktiertes 1/8-Delay auf den vereinzelten Phrasen.
  • Panning: realistisches Ensemble (L20–L60 / R20–R60), Shaker gegenüber den Congas.

Bass

HP 30 Hz; Grundton 45–80 Hz; −2 dB bei 250 Hz; LP 2 kHz; Opto 3:1 GR 3 dB; Mono; Sidechain 2–4 dB.

Gitarren, Oud, Violine, Flöten

  • EQ: HP 100–150 Hz; −2 dB bei 250–400 Hz; Präsenz +1,5 dB bei 2–4 kHz; LP 12–14 kHz.
  • Kompression: Opto 2–3 dB.
  • Raum: Plate 1,5–2 s + Delay 1/4 oder punktierte 1/8 (Feedback 30 %, LP 4 kHz); langer Hall für die Violine.
  • Stereo: Gitarre 30 % L, Oud 30 % R, Violine breit mit Hall, Flöte zentral.

Pads und Texturen

HP 150–200 Hz; LP 8 kHz; Hall 4–6 s; sehr breit; Sidechain 3–5 dB.

Gesang

HP 80 Hz; −2 dB 300 Hz; Opto 3–4 dB; De-Esser; +1,5 dB 3 kHz; langer Hall (3–5 s) mit Pre-Delay 50–80 ms + Delay 1/4; zentral oder leicht entfernt.

FX

Natürliche Ambiences (HP 200 Hz, niedriger Pegel), Beckenschwells, Reverse.

Busse und Gruppen

Perc-Bus, Akustik-Bus (Gitarren/Oud/Violine), Music-Bus, Vocal-Bus; Band auf allen.

Sidechain

Leicht: Bass 2–4 dB, Pad 3–5 dB, Halls 2–3 dB.

Master

EQ (HP 25 Hz, Shelf −0,5/−1 dB oberhalb von 12 kHz, falls zu brillant) → Band → Kompressor 1–2 dB → Limiter. Ziel −11/−9 LUFS integriert, True Peak −1 dBTP, Crest-Faktor 10–13 dB: Die Dynamik gehört zum Genre.

Typische Fehler

Trockene, quantisierte Percussion; unterschiedliche Halls auf jedem Instrument (inkohärenter Raum); harte Höhen; Tech-House-Lautheit, die die akustische Dynamik zerstört.

Referenztracks für den Mix

  • Lee Burridge & Lost Desert — Float On
  • Bedouin — Flight of Birds

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Referenz-Hörbeispiele

  • Lee Burridge & Lost Desert — Float On (All Day I Dream)
  • Lee Burridge & Lost Desert ft. Junior — Lingala (All Day I Dream)
  • Bedouin — Flight of Birds
  • Matthew Dekay & Lee Burridge — Für Die Liebe

Quellen

Weitere Genres: House