Geschichte und Charakter
Hardrock ist der schwerere, lautere und stärker verzerrte Rock, der Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre aus dem britischen Bluesrock entstand, auf maximale Lautstärke gedreht: Deep Purple, die frühen Led Zeppelin, Free, Black Sabbath (die später zum Metal führen), dann Bad Company, UFO, Thin Lizzy, Rainbow, Aerosmith, Kiss und vor allem AC/DC (ab 1975 in Australien, dann weltweit). In den 1980ern tragen Van Halen, Whitesnake, Def Leppard und Guns N’ Roses ihn in die Stadien; in den 1990ern lebt er in Bands wie Aerosmith und in alternativeren Spielarten weiter, und in den 2000ern in Bands wie Wolfmother, Airbourne, Rival Sons, Greta Van Fleet.
Im Vergleich zum Classic Rock ist der Hardrock stärker riffzentriert: Das Stück entsteht aus einem Gitarrenriff in Powerchords oder mit leeren Saiten, gespielt mit aufgedrehten Röhrenverstärkern (Marshall Plexi, JCM800), und hat einen soliden, „kantigen“ Midtempo-Groove. Die Soli sind virtuos (Ritchie Blackmore, Eddie Van Halen, Slash) und die Stimmen hoch, rau, an der Grenze zum Schrei.
Das Genre steht zwischen Bluesrock und Heavy Metal: Vom Blues übernimmt es die Pentatonik, den Shuffle und das Call and Response; vom Metal nimmt es Lautstärke, Verzerrung, Palm Mute und szenischen Gigantismus vorweg.
Tonleitern und Tonarten
Moll-Pentatonik (Position „Box“ und leere Saiten)
- Formel: 1 b3 4 5 b7 — Halbtöne 3-2-2-3-2.
- Beispiel in A: A C D E G; in E: E G A B D.
- Charakteristischer Ton: b3 über einem Durakkord und b7; das Bending 4→5 (D→E) ist der „Schrei“ des Hardrock-Solos.
- Akkorde: A5 C5 D5 E5 G5.
- Einsatz: Riffs (AC/DC spielen fast immer in A, E, G mit leeren Saiten), Soli von Angus Young, Slash, Joe Perry.
- Reales Beispiel: AC/DC — Highway to Hell (Riff A–D/F#–G, offene Voicings); Aerosmith — Walk This Way (Riff in C-Moll-Pentatonik mit b5).
- Häufige Fehler: zu viel Gain verwenden und die Noten des Riffs verlieren; nicht intonierte Bendings.
Blues
- Formel: 1 b3 4 b5 5 b7. In E: E G A Bb B D.
- Charakteristischer Ton: b5 (Bb) als chromatischer Durchgang.
- Einsatz: Riffs mit dem Durchgang A5–Bb5–B5 oder Soli mit der b5 in Triolen (Slash, Ritchie Blackmore).
- Reales Beispiel: Deep Purple — Smoke on the Water.
Mixolydisch
- Formel: 1 2 3 4 5 6 b7. In E: E F# G# A B C# D.
- Charakteristischer Ton: b7 (D) → Akkord bVII.
- Akkorde in E: I E, ii F#m, iii° G#dim, IV A, v Bm, vi C#m, bVII D.
- Einsatz: Refrains E–D–A, offene Riffs im Stil von AC/DC und Van Halen.
- Reales Beispiel: AC/DC — You Shook Me All Night Long (G–C–D mit mixolydischer Anlage in den Riffs); Van Halen — Panama.
Äolisch
- Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7. In E: E F# G A B C D.
- Akkorde: i Em, ii° F#dim, III G, iv Am, v Bm, VI C, VII D.
- Einsatz: düsterere Riffs (Rainbow, UFO), Powerballaden in Moll, melodische Soli über VI–VII–i.
Harmonisch Moll und Verminderte (virtuose Soli)
- Harmonisch Moll: 1 2 b3 4 5 b6 7. In A: A B C D E F G#. Die erhöhte 7 ergibt das Dominantarpeggio E–G#–B–D und das verminderte Arpeggio G#–B–D–F (Ersatz für den V7).
- Einsatz: Ritchie Blackmore (Rainbow — Gates of Babylon) und die neoklassischen Gitarristen; im Hardrock nur für Momente der Virtuosität.
- Häufige Fehler: die Skala von Anfang bis Ende rauf und runter spielen; besser sind Arpeggien von Am, Dm, E und verminderte Passagen über der V.
Dur-Pentatonik / Composite
- Formel: 1 2 3 5 6; Composite = Dur + Moll. In A: A B C C# D E F# G.
- Einsatz: Soli über Dur-Progressionen (Slash in Sweet Child O’ Mine, Angus Young in den Boogies), Licks mit b3→3.
Wie man wählt
- Riffs: Moll-Pentatonik/Blues, mit leeren Saiten in den Tonarten A, E, D, G.
- Refrain, der „aufmacht“: mixolydisch. Dunkle Strophe oder Ballade in Moll: äolisch.
- Solo: Pentatonik als Basis, Composite für die Süße, harmonisch Moll/Verminderte für eine virtuose Passage über der V.
Harmonik
Funktion
Die Harmonik des Hardrock ist auf dem Riff aufgebaut: Die Noten des Riffs definieren die impliziten Akkorde, und Powerchords halten die Terz aus dem Klang heraus, sodass dasselbe Stück eine „Moll“-Strophe (Pentatonik) und einen „Dur“-Refrain (mixolydisch) haben kann. Die Kadenzen sind plagal (IV–I, bVII–I), die V–I ist Passagen im Blues-Schema oder den Powerballaden vorbehalten.
Loop und Riff
- Riffs von 1–2 Takten, in der Strophe wiederholt; der Refrain wechselt das Riff oder geht zu vollen Akkorden über.
- Offene Akkorde gegen leere Saite: das Hardrock-Voicing schlechthin im Stil von AC/DC (A5, D/F#, G5, D- und C-förmige Akkorde über der leeren A-Saite).
- Harmonischer Rhythmus: ein Akkord pro halbem Takt in den Riffs, einer pro Takt in den Refrains.
Entlehnungen und Farben
- bIII–IV–I (C–D–A in A) und bVI–bVII–I (F–G–A): die Stufen des Moll innerhalb des Dur.
- Sus4- und add9-Akkorde, die sich auflösen (Dsus4–D).
- In den Bridges Wechsel zur Mollparallele oder zur bVI für einen „epischen Moment“.
Powerballade
- Pop-Progressionen (I–V–vi–IV), saubere Arpeggien mit Chorus, add9-Akkorde, Modulation um einen Ton im letzten Refrain.
Voicings
- Powerchords mit Oktave (A5: A–E–A) auf den Saiten 6-5-4 oder 5-4-3; offene Akkorde; Dreiklänge auf der G-Saite für die zweiten Gitarren. Keine Jazz-Erweiterungen: höchstens Sus2, Sus4, Add9 und Dominantseptakkorde in den Boogie-Stücken.
Typische Akkordfolgen
| Name | Tonart | Akkorde | Stufen | So setzt du es ein |
|---|---|---|---|---|
| Pentatonischer Riff im Stil von AC/DC | a-Moll/A-Dur | A5 C5 D5 A5 | I bIII IV I | Drei Powerchords, Achtel mit Pausen: funktioniert sowohl in Moll als auch in Dur. |
| Mixolydisch fürs Stadion | E-Dur | E D A E | I bVII IV I | Der Refrain, den man mit erhobener Faust mitsingt. |
| Doppelte Plagalkadenz mit leeren Saiten | A-Dur | A D/F# G D/F# | I IV6 bVII IV6 | Voicing mit der leeren fünften Saite und aufsteigendem Bass: der Riff im Stil von Highway to Hell. |
| Boogie mit 12 Takten (Kurzform) | A-Dur | A5 D5 A5 E5 D5 A5 | I IV I V IV I | Schneller Shuffle und Boogie (Status Quo, ZZ Top, AC/DC). |
| Schwerer Blues mit bV | E-Dur | E5 G5 A5 Bb5 A5 | I bIII IV bV IV | Die Blue Note als Powerchord im Durchgang. |
| Powerballade | G-Dur | G D Em C | I V vi IV | Refrain der Powerballaden der 1980er; im Schluss oft einen Ton höher moduliert. |
| Dramatisch Äolisch | e-Moll | Em C D Em | i VI VII i | Epischere Riffs und Soli, Brücke zum Metal. |
| bVI–bVII–I | A-Dur | F G A | bVI bVII I | Triumphaler Aufstieg zum Abschluss von Refrain oder Solo (auch in Sweet Child O’ Mine, Schlussteil Em–C–D). |
Rhythmus und Groove
4/4 mit extrem schwerem Backbeat, gerade Achtel und fast immer Midtempo (90–130). Der Hardrock lebt von einfachen, unerschütterlichen Grooves: Das Vorbild ist Phil Rudd von AC/DC, der Hi-Hat in Achteln, Bassdrum auf 1 und 3 und Snare auf 2 und 4 spielt, fast ohne Variationen. Die Akzente kommen vom Riff, mit Pausen (Stopps) und Synkopen der Gitarre auf „2&“ und „4&“. Viele Stücke haben den Shuffle (Boogie) oder Abschnitte in Halbzeit. Typisches Microtiming: präzise Rhythmusgitarre, Snare leicht hinten, Gesang frei darüber.
Schlagzeug
Rolle
Solides, kraftvolles Schlagzeug ohne Schnörkel: Es ist der „Boden“, auf dem sich das Riff bewegen kann. Weniger Fills als im Classic Rock, mehr Gewicht auf jedem Schlag.
Bassdrum
- Auf 1 und 3 (Step 1 und 9), vom Bass verdoppelt; Varianten mit „2&“ oder „3&“ nur dort, wo das Riff es verlangt.
- Klang: Bassdrum 22"–24" mit Peak bei 60–70 Hz und moderatem Anschlag.
Snare
- 2 und 4 (Step 5 und 13), immer Rimshot, konstante und hohe Velocity (110–127).
- Mittlere bis tiefe Stimmung, mit Ausklang und etwas Hall (Plate oder Room).
- Sehr wenige Ghost Notes (außer in den funkigeren Stücken, z. B. Aerosmith).
Hi-Hat, Ride und Becken
- Halb offene Hi-Hat in Achteln (der AC/DC-Sound) oder geschlossen in der Strophe und offen im Refrain.
- Crash auf der 1 jedes Abschnitts und auf den Akzenten des Riffs, Ride im Solo.
Zusammenspiel mit dem Riff
- Das Schlagzeug spielt die Stopps mit der Band (Akzent + Pause) und lässt Lücken, wo das Riff Pausen hat.
- Der Bass spielt durchgehende Achtel: Bassdrum und Bass bilden einen einzigen Block.
Abschnitte
- Intro: oft nur Gitarre, dann setzt die Band mit Crash ein. Strophe: trockener Groove. Refrain: offene Hi-Hat und Crash alle 2–4 Takte. Solo: Ride oder offene Hi-Hat, präsentere Bassdrum. Schluss: wiederholte Stopps und langer Wirbel.
Fills
- Wenige und kurze: 2–4 Sechzehntel auf der Snare, eine Runde über die Toms vor dem letzten Refrain. Im Hardrock der 1980er (Tommy Lee, Alex Van Halen) spektakulärere Fills mit Doppelbassdrum.
Klänge und Programmierung
- Kits mit sehr präsentem Room (Back in Black ist berühmt für den Schlagzeugklang, der zugleich weit und trocken ist).
- Beim Programmieren: Snare-Velocity 115–127 mit kleinen Variationen (±5), Hi-Hat abwechselnd 100/80, Snare 5–10 ms hinten.
Typische Fehler
- Zu viele Fills; Doppelbassdrum, wo sie nicht nötig ist; „Metal“-Schlagzeug mit Klick und Triggern; Hi-Hat immer geschlossen.
Bass
Klang
Precision Bass mit Plektrum oder Fingern, Ampeg- oder Marshall-Verstärker; runder Klang mit etwas Biss in den Mitten (600 Hz–1 kHz).
Rolle und Noten
- Achtel auf dem Grundton unter dem Riff (Cliff Williams ist das Vorbild: absolute Einfachheit).
- Verdopplung des Riffs eine Oktave tiefer in Stücken im Stil von Deep Purple/Led Zeppelin.
- Kurze Verbindungspassagen (Walk-up aus 2–3 Noten) nur vor den Refrains.
Verhältnis zur Bassdrum
Lange, volle Noten, die zwischen zwei Bassdrum-Schlägen „füllen“; Anschlag auf der 1 und der 3 an der Bassdrum ausgerichtet. Der Bass besetzt das Register 70–120 Hz, die Bassdrum 50–70 Hz.
Beispiele
- AC/DC — Back in Black; Deep Purple — Highway Star; Guns N’ Roses — It’s So Easy (Duff McKagan mit Plektrum und hellem Klang).
Harmonieinstrumente
Gitarren
- Rhythmus: Powerchords, offene Akkorde mit leeren Saiten, Riffs mit Pausen und Akzenten. Malcolm Young (AC/DC) ist das Vorbild: Gretsch mit wenig Gain und viel Lautstärke, kraftvoll gespielte offene Akkorde.
- Solo: Les Paul oder Superstrat (Van Halen, ab den 1980ern), Soli mit Bending, Vibrato, Tapping (Eddie Van Halen), Vibratohebel.
- Verstärker: Marshall Plexi/JMP/JCM800 bei voller Lautstärke; für die 1980er modifizierte Verstärker und die ersten High-Gain-Modelle.
- Stimmung: Standard oder einen Halbton tiefer (Van Halen, Guns N’ Roses, Jimi Hendrix spielen in Es: Eb Ab Db Gb Bb Eb).
- Layering: zwei Gitarristen, einer pro Seite; im Studio verdoppelt jeder seinen eigenen Part.
Keyboards
- Verzerrte Hammond (Deep Purple, Uriah Heep), Synth-Brass der 1980er (Van Halen — Jump mit Oberheim), Klavier in den Balladen.
Voicings
- Vollständige Akkorde (mit Terz) werden in der verzerrten Rhythmusgitarre sparsam eingesetzt: Die große Terz erzeugt bei viel Gain Schwebungen. Besser sind Powerchords oder offene Akkorde mit wenig Gain.
Melodie und Gesang
Gesang
- Hohe, raue Stimmen: Bon Scott und Brian Johnson (AC/DC), Ian Gillan, Robert Plant, Steven Tyler, David Lee Roth, Axl Rose (sehr weiter Umfang, vom Bariton bis zu hohen Schreien), Paul Rodgers (souliger).
- Pentatonische, rhythmische Melodien, in den Strophen oft „gesprochen“ und in den Refrains geschrien.
Chöre
- Gang Vocals in den Refrains (AC/DC, Kiss): 3–6 Männerstimmen im Unisono oder in Quinten, stark komprimiert.
- Terzharmonien und Gegenstimmen in den Powerballaden.
Effekte
- Plate- oder Room-Hall, Slapback-Delay; stark komprimierter und gesättigter Gesang, um sich über den Gitarren zu behaupten.
Instrumente
- Zwei E-Gitarren (Humbucker, Marshall-Verstärker), Akustikgitarre in den Balladen.
- E-Bass mit Plektrum oder Fingern.
- Akustisches Schlagzeug (Bassdrum 22"–24", Metallsnare, Hi-Hat, 2 Crash, Ride, 2–3 Toms).
- Leadgesang und Gruppenchöre.
- Hammond-Orgel, Klavier, Synthesizer der 1980er (optional).
Drum-Patterns
Synthesizer und Sounds
- B-3 V — Verzerrte Orgel: Im Stil von Jon Lord: volle Drawbars, Leslie schnell, hoher Amp-Drive, Quintakkorde im Unisono mit dem Riff.
- OP-Xa V — Synth-Brass der 1980er: Der Synth aus Jump (Van Halen, Oberheim OB-Xa): doppelte, leicht verstimmte Saws, offenes Filter mit kurzer Envelope, dicke Akkorde in enger Lage.
- Piano V — Klavier: Boogie und Powerballade: Flügel, Kompression und Abschneiden der 200 Hz.
- Jup-8 V — Pad der Powerballaden: Weiche, breite Pads unter den sauberen Gitarren mit Chorus; Attack 200–400 ms, Release 1–2 s.
- Mini V — Lead-Synth: Monophone Leads im Stil der 1980er für Intros und Keyboard-Soli.
Songaufbau
Form (3:30–5:00)
| Abschnitt | Takte | Was passiert |
|---|---|---|
| Intro | 4–8 | Gitarrenriff allein, dann setzt die Band ein |
| Strophe 1 | 8–16 | Strophenriff, Gesang, reduziertes Schlagzeug |
| Pre-Refrain | 4 | Aufsteigende Akkorde, Spannung |
| Refrain | 8 | Offene Akkorde, Gang Vocals, Crash |
| Riff | 4 | Rückkehr zum Intro-Riff |
| Strophe 2 + Pre + Refrain | 20–28 | Wie zuvor, dazu die zweite Gitarre |
| Solo | 16 | Über dem Riff oder einer eigenen Progression |
| Bridge / Breakdown | 8 | Stopp, nur Schlagzeug und Gesang, oder Riff in Halbzeit |
| Schlussrefrain | 16 | Doppelt, Ad-libs |
| Outro | 4–8 | Riff und trockener Stopp |
Arrangement
- Das Riff ist der Protagonist: Es setzt allein ein und kehrt zwischen den Abschnitten wieder.
- Das Crescendo kommt von den Chören und den Becken, nicht von neuen Instrumenten.
Mixing und Mastering
Klangziel
Kraftvoll, aber offen: „große“ Gitarren mit ausgeprägten Mitten, Schlagzeug mit viel Room, aggressiver Gesang über allem. Weniger gesättigt und weniger ausgehöhlt als im Metal. Referenzen: AC/DC — Back in Black (1980), Guns N’ Roses — Appetite for Destruction (1987), Van Halen — Van Halen (1978).
Bassdrum
- EQ: HP 30 Hz, +3 dB bei 60–70 Hz, −4 dB bei 350 Hz (Q 2), +2/+3 dB bei 3 kHz.
- Kompression: 4:1, Attack 15–25 ms, Release 80 ms, 3–4 dB.
- Lautstärke: etwas unter der Snare.
Snare
- EQ: +2/+3 dB bei 200 Hz, −3 dB bei 800 Hz, wenn sie „kartonig“ klingt, +3 dB bei 5 kHz.
- Kompression 1176: Attack 5 ms, Release 100 ms, 4–6 dB; Parallel zu 30 % stark komprimiert.
- Hall: Room 0,8–1,2 s oder Plate 1,5 s, Pre-Delay 10–20 ms.
Room und Overheads
- Sehr präsente, komprimierte Room-Mikrofone (bis zu 10 dB Reduktion im Parallelzweig).
- Overheads HP 200 Hz, Shelf +1 dB bei 10 kHz.
- Schlagzeugbus: 4:1, Attack 30 ms, Release Auto, 3 dB; Bandsättigung.
Bass
- EQ: HP 35 Hz; +2 dB bei 80 Hz; −2 dB bei 250 Hz; +2/+3 dB bei 800 Hz–1 kHz (Biss des Plektrums).
- Kompression 1176 4:1 + LA-2A, insgesamt 6–8 dB.
- Drive parallel, mit HP 300 Hz gefiltert.
Gitarren
- Layering: 2 Rhythmusgitarren (eine pro Gitarrist) L100/R100; gibt es nur einen Rhythmusgitarristen, verdopple den Part (zwei verschiedene Takes) L100/R100. In den Refrains eine dritte Spur (offene Akkorde oder derselbe Part mit einem anderen Verstärker) bei L60 oder R60.
- EQ: HP 80–90 Hz; −2/−3 dB bei 250–400 Hz; +2 dB bei 1–1,5 kHz (Körper des Crunch); +1/+2 dB bei 3 kHz; −2 dB bei 6 kHz, wenn es „zischt“; LP 10 kHz.
- Mikrofone: SM57 am Rand des Konus + Bändchenmikrofon in 15–30 cm; Verstärker in einem Raum mit einem Room-Mikrofon für den Raumklang.
- Keine Kompression auf der Rhythmusgitarre; auf der Sologitarre leichte 2–3 dB.
- Solo: Mitte oder leicht aus der Achse, punktiertes Achtel-Delay (Feedback 20 %, mit HP 300 Hz/LP 5 kHz gefiltert, −15 dB) und Plate.
Gesang
- Kette: EQ (HP 100 Hz, −3 dB 300 Hz, +3 dB 3–4 kHz) → 1176 4:1 Fast (5–8 dB) → LA-2A (3 dB) → De-Esser → Sättigung (Decapitator/Saturn 2 leicht).
- Raum: Plate 1,5 s, Slapback 100–120 ms.
- Automation: Schlüsselwörter anheben, Atmer absenken.
Chöre und Gang Vocals
- Stack aus 4–8 Spuren, abwechselnd L/R, starke Kompression, HP 150 Hz, längerer Room oder Plate, 3–6 dB unter dem Hauptgesang.
FX
- Plate (Gesang, Snare), Room (Schlagzeug), Tempo-Delay (Solo und Gesangs-Throws).
Busse und Gruppen
- Gitarrenbus: Kompression 1–2 dB, leichte Sättigung; Mixbus: Glue 2:1.
Sidechain
- Optional: dynamischer EQ −2 dB bei 2–4 kHz auf den Gitarren, wenn die Stimme singt.
Master
- Kette: EQ → Bus-Kompressor (Attack 30 ms, 1–2 dB) → Sättigung → Limiter.
- Ziel: −10/−8 LUFS integriert, Short-Term −8/−7 in den Refrains; True Peak −1 dBTP.
Häufige Fehler
- Zu viel Gain: Das Riff wird zu einem Rauschen.
- Gitarren wie im Metal in den Mitten ausgehöhlt: Der Hardrock lebt zwischen 500 Hz und 2 kHz.
- Getriggertes Schlagzeug ohne Raumklang.
Referenzstücke für die Mischung
- AC/DC — Back in Black (1980); Guns N’ Roses — Welcome to the Jungle (1987); Van Halen — Panama (1984); Aerosmith — Walk This Way (1975); Airbourne — Runnin’ Wild (2007).
Referenz-Hörbeispiele
- Deep Purple — Highway Star (1972)
- Aerosmith — Walk This Way (1975)
- AC/DC — Highway to Hell (1979)
- AC/DC — Back in Black (1980)
- Van Halen — Panama (1984)
- Guns N' Roses — Welcome to the Jungle (1987)
- Guns N' Roses — Sweet Child O' Mine (1987)
- Wolfmother — Woman (2005)