Geschichte und Charakter
Bluesrock entsteht in den frühen 60er-Jahren zwischen den USA und Großbritannien, als Rockmusiker den elektrischen Chicago Blues (Muddy Waters, Willie Dixon, Howlin' Wolf, Jimmy Reed) aufgreifen und lauter, schneller und aggressiver spielen. Wegbereiter sind die Bluesmusiker Elmore James, Albert King und Freddie King; die Singles Memphis und Wham! von Lonnie Mack (1963) gelten oft als Beginn des Genres.
In Großbritannien ist der Bluesrock das Labor, aus dem Rolling Stones, Yardbirds, Animals, John Mayall & the Bluesbreakers (1966 mit Eric Clapton), Cream, Fleetwood Mac mit Peter Green, Jeff Beck Group, Free und Led Zeppelin hervorgehen; in den USA Paul Butterfield Blues Band, Canned Heat, Johnny Winter, Allman Brothers Band, ZZ Top und Jimi Hendrix. Ende der 60er verlagert er sich in Richtung Hardrock und Heavy Metal, Anfang der 70er bringt er den Southern Rock hervor.
In den 80ern rücken Stevie Ray Vaughan und Robert Cray den traditionellen Blues wieder in den Vordergrund; es folgen Gary Moore, Jeff Healey, Kenny Wayne Shepherd, dann Joe Bonamassa, Gary Clark Jr., The Black Keys, The White Stripes, Rival Sons. Das Herz: Formen mit 12 und 16 Takten, Bluesskala, gesättigte E-Gitarre mit Bendings und langen improvisierten Soli, Shuffle- oder Straight-Eighth-Groove, laute Verstärkung.
Tonleitern und Tonarten
Moll-Pentatonik (über Dominantseptakkorden)
- Formel: 1 b3 4 5 b7 — Halbtöne 3-2-2-3-2.
- Beispiel in A: A C D E G (typische Tonarten: E, A, G, C, B).
- Charakteristischer Ton: die b3 über einem Dur-/Dominantakkord (C über A7), die die Bluesreibung erzeugt; sie wird mit einem Viertelton-Bending zur 3 „gezogen“.
- Akkorde: Im Blues wird die Skala über I7, IV7, V7 (A7, D7, E7) gespielt, ohne sie zu wechseln.
- Einsatz: 90 % der Soli und Riffs; Position 1 (Box) am 5. Bund für A, „Albert-King“-Position (Box 2) und leere Saiten in E.
- Reales Beispiel: Cream — Crossroads (Clapton, A-Pentatonik); Stevie Ray Vaughan — Pride and Joy (E).
- Häufige Fehler: die Skala spielen, ohne an die Akkorde zu denken. Über D7 ist der Schlüsselton C (b7 von D, schon in der Skala) und das Fis (Terz von D, außerhalb der Skala, als Durchgangston zu berühren); über E7 steuere G# (Terz) und D (b7) an.
Bluesskala
- Formel: 1 b3 4 b5 5 b7 — Halbtöne 3-2-1-1-3-2.
- Beispiel in E: E G A Bb B D.
- Charakteristischer Ton: b5 (Bb), die durchgehende Blue Note zwischen 4 und 5.
- Einsatz: Riffs (Sunshine of Your Love in D: D D C D A Ab G D) und Phrasierungen.
- Häufige Fehler: auf der b5 stehen bleiben.
Dur-Pentatonik und Dur/Moll-„Mix“
- Formel: 1 2 3 5 6 (2-2-3-2-3). In A: A B C# E F#.
- Charakteristischer Ton: die 6 (F#) und die große 3 (C#): „süßer“ Sound à la B.B. King, Freddie King, Duane Allman.
- Einsatz: Bluesrock wechselt je nach Akkord zwischen Moll- und Dur-Pentatonik: Dur über dem I7, Moll über dem IV7 und dem V7 (Ansatz von B.B. King und SRV).
- Reales Beispiel: The Allman Brothers Band — Jessica (A-Dur); B.B. King (Box „B.B.“ um den 10. Bund in A).
Mixolydisch (Dominant-Arpeggios)
- Formel: 1 2 3 4 5 6 b7. In A: A B C# D E F# G.
- Charakteristischer Ton: b7 (G) und 3 (C#): die Töne, die A7 definieren.
- Akkorde: I7 = A7 (A C# E G).
- Einsatz: „über die Akkorde“ improvisieren: über A7 A-Mixolydisch, über D7 D-Mixolydisch, über E7 E-Mixolydisch. Das ist der jazzigste Ansatz (Robben Ford, Larry Carlton).
- Häufige Fehler: A-Mixolydisch über die ganze Folge spielen: Über D7 reibt sich das C# (3 von A) am C (b7 von D).
Dorisch (Moll-Blues)
- Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7. In A: A B C D E F# G.
- Einsatz: Moll-Blues (Am7–Dm7–Em7) und modale Stücke (Santana — Black Magic Woman steht in d-Moll mit dorischen und äolischen Farben; The Thrill Is Gone von B.B. King in h-Moll nutzt Äolisch mit der VI G).
- Charakteristischer Ton: große 6 (F#) über dem Moll-i.
Wie man wählt
- „Harter“ Solo-Sound: Moll-Pentatonik/Blues. Süßes, melodisches Solo: Dur-Pentatonik über der I.
- Solo, das den Akkorden folgt: für jede Dominante ein anderes Mixolydisch oder Moll-Pentatonik + Zieltöne (die Terz jedes Akkords).
- Moll-Blues: Moll-Pentatonik + 9 und 6 (Dorisch) über dem i, Äolisch, wenn eine Dur-VI vorkommt.
Harmonik
Die 12-taktige Form
- Grundform in A: | A7 | A7 | A7 | A7 | D7 | D7 | A7 | A7 | E7 | D7 | A7 | E7 | (I7–IV7–I7–V7–IV7–I7–V7-Turnaround).
- Quick Change: IV7 im Takt 2 (| A7 | D7 | A7 | A7 | …).
- Turnaround: Takte 11–12 mit chromatischen Abstiegen (A7–A7/G–D/F#–F7–E7 oder Linien auf der G-Saite).
- Alle Akkorde sind Dominanten (Septakkorde): eine „Regel“, die die klassische Tonalität verletzt und die Bluesfarbe erzeugt.
16 Takte und modale Formen
- 16-taktiger Blues (8 Takte auf der I), modale Stücke über einem Akkord (Boom Boom, Spoonful von Howlin' Wolf über nur einem Akkord).
Moll-Blues
- | Am7 | Am7 | Am7 | Am7 | Dm7 | Dm7 | Am7 | Am7 | F7 | E7 | Am7 | E7 |; das VI7 (F7) vor dem V7 ist typisch.
Riffs und Powerchords
- Im Bluesrock werden die Akkorde oft durch das Boogie-Riff (A5–A6–A5–A6: der Zweisaiten-„Boogie-Shuffle“) oder durch Powerchords ersetzt.
Voicings
- 7er-, 9er-, 13er-Akkorde (A9 Funk, A13 mit der 6), Dreiklänge auf den mittleren Saiten, Doppelgriffe in Terzen und Sexten (Stil von Hendrix und SRV), Slide in offener Stimmung (Open E: E B E G# B E; Open G: D G D G B D).
Typische Akkordfolgen
| Name | Tonart | Akkorde | Stufen | So setzt du es ein |
|---|---|---|---|---|
| 12-Takte-Form | A-Dur | A7 A7 A7 A7 D7 D7 A7 A7 E7 D7 A7 E7 | I7 I7 I7 I7 IV7 IV7 I7 I7 V7 IV7 I7 V7 | Die Urform von Blues und Rock: Jeder Akkord ist ein Dominantseptakkord. |
| Quick Change | E-Dur | E7 A7 E7 E7 A7 A7 E7 E7 B7 A7 E7 B7 | I7 IV7 I7 I7 IV7 IV7 I7 I7 V7 IV7 I7 V7 | Die IV im zweiten Takt bringt Bewegung (SRV, Texas Blues). |
| Moll-Blues | a-Moll | Am7 Dm7 Am7 F7 E7 Am7 | i7 iv7 i7 VI7 V7 i7 | Kurzfassung des Moll-Blues mit VI7–V7 (The Thrill Is Gone nutzt eine Variante). |
| Chromatischer Turnaround | A-Dur | A7 A7/G D/F# F7 E7 | I7 I7/b7 IV6 bVI7 V7 | Die letzten zwei Takte mit dem Bass, der A–G–F#–F–E absteigt. |
| Boogie-Riff | A-Dur | A5 A6 A5 A6 | I5 I6 I5 I6 | Der klassische Zweisaiten-„Chug“ des Boogie: Quinte und Sexte im Shuffle abwechselnd. |
| Modal über einem Akkord | E-Dur | E7 E7 E7 E7 | I7 I7 I7 I7 | Nur ein Akkord mit Riff (Howlin' Wolf, John Lee Hooker, Canned Heat). |
| Southern-Rock-Blues | G-Dur | G F C G | I bVII IV I | Der Übergang vom Blues zum Southern Rock: Mixolydisch mit geraden Achteln. |
Rhythmus und Groove
Zwei grundlegende Feels: der Shuffle (Triolenraster, „dum-da dum-da“: erste und dritte Triole jedes Viertels) und die geraden Achtel des Rock. Der Slow Blues steht in 12/8 (oder 4/4 mit Triolen) bei 55–75 BPM. Viele Bluesrock-Stücke wandeln den Shuffle in schnelle gerade Achtel um (Wikipedia merkt an, dass Bluesrock oft gerade Achtel statt der Blues-Triole verwendet). Der Groove ist laid-back: Snare hinter dem Beat, Rhythmusgitarre, die „zieht“. In Jams kann das Tempo leicht anziehen.
Schlagzeug
Rolle
Der Bluesrock-Schlagzeuger hält den Groove und begleitet das Solo dynamisch: Er steigert sich mit dem Solisten und nimmt sich in den Gesangsstrophen zurück. Vorbilder: Chris Layton (SRV, Texas Shuffle), Mitch Mitchell, Ginger Baker, Butch Trucks und Jaimoe (Allman Brothers, zwei Schlagzeuge), Patrick Carney (Black Keys, minimalistisch).
Bassdrum
- Shuffle: 1 und 3 (Step 1 und 7 im 12er-Raster), manchmal mit der dritten Triole von 2 und 4 als Vorwegnahme.
- Gerade Achtel: 1 und 3 mit „2&“.
- Runder Sound, wenig Ausklang.
Snare
- Backbeat auf 2 und 4; im Texas Shuffle spielt die Snare auch die dritte Triole jedes Viertels (Ghost) und erzeugt so den Zweihand-Shuffle.
- Häufige Ghost Notes in den funkigeren Grooves; Rimshot in den Refrains.
Hi-Hat und Ride
- Shuffle auf dem Ride oder der halboffenen Hi-Hat (erste und dritte Triole); Slow Blues mit allen Triolen auf dem Ride oder der Hi-Hat.
- Crash zum Beginn des Durchgangs (alle 12 Takte) und auf den Akzenten der Stopps.
Dynamik und Microtiming
- „Schwerer“ Triolen-Swing (dritte Triole leicht verzögert); Snare 10–20 ms hinter dem Beat.
- Große Dynamik: leise Strophe, Solo, das bis zum Maximum anwächst.
Interaktion
- Bass und Bassdrum im Walking Shuffle; das Schlagzeug folgt den Stop-Times (die ganze Band spielt nur die 1 jedes Taktes, während der Gesang singt: Hoochie Coochie Man).
Abschnitte
- Gesangsstrophe: leichter Groove. Instrumentaler Durchgang/Solo: Ride und Crash, mehr Energie, eventuell doppeltes Tempo. Letzter Durchgang: Stopp und Schluss mit dem klassischen „Blues-Ende“ (Wirbel und gehaltener V7–I7-Akkord).
Fills
- Triolen auf Snare und Toms, kurze Fills am Ende jedes Durchgangs (Takt 12).
Sounds
- Vintage-Kit mit warmen Fellen, Snare mit weichem Teppich, dunkles Ride (20"–22").
Typische Fehler
- Den Shuffle in geraden Sechzehnteln mit falschem Swing programmieren (nutze ein Triolenraster oder 66 % Swing auf den Achteln).
- Zu lautes und flaches Schlagzeug während der gesungenen Strophen.
Bass
Sound
Precision oder Jazz Bass mit den Fingern, Röhrenverstärker; warmer, runder Sound.
Rolle und Töne
- Walking Shuffle: Grundton–Terz–Quinte–Sexte–Septime–Sexte–Quinte–Terz (A–C#–E–F#–G–F#–E–C#) auf den Triolen.
- Boogie: Grundton und Quinte in geraden Achteln; Verdopplung des Riffs eine Oktave tiefer (Sunshine of Your Love).
- Im Moll-Blues: Grundton–b3–4–5.
Verhältnis zur Bassdrum
Bass und Bassdrum spielen die 1 und die 3 zusammen; der Bass füllt die Triolen dazwischen.
Beispiele
- Stevie Ray Vaughan — Pride and Joy (Tommy Shannon); Cream — Sunshine of Your Love (Jack Bruce); The Allman Brothers Band — Whipping Post (Berry Oakley, Riff in 11/8).
Harmonieinstrumente
Gitarren
- Stratocaster (SRV, Clapton ab '70, Hendrix) oder Les Paul (Clapton 1966 mit dem „Beano“-Bluesbreakers-Album, Peter Green, Gary Moore) in Marshall Bluesbreaker/JTM45, Fender Bassman/Super Reverb/Twin, Dumble (Robben Ford).
- Overdrive: Tube Screamer (SRV), Treble Booster (Clapton in den 60ern), Fuzz (Hendrix); dicke Saiten (SRV nutzte eine .013 für die hohe E-Saite) und eine halbe Stufe tiefer gestimmt.
- Techniken: Bendings um einen Ganzton und anderthalb Töne, breites Vibrato, Doppelgriffe, Slide (Duane Allman, Derek Trucks in offener Stimmung), „Rake“ (gedämpfter Anschlag vor dem Ton).
- Layering: Powertrio (eine Gitarre in der Mitte oder leicht außermittig, selten überlagerte Soli) oder zwei Gitarren in Harmonie (Allman Brothers: Duane Allman und Dickey Betts in Terzharmonien, L/R gepannt).
Tasteninstrumente
- Hammond B-3 (Gregg Allman, Steve Winwood), Blues-Klavier (Boogie mit der linken Hand in Oktaven), Wurlitzer, Mundharmonika.
Voicings
- 7er- und 9er-Akkorde in enger Lage, „Hendrix-Voicing“ mit dem Daumen auf dem Grundton und Verzierungen in Terz und Sexte (Little Wing).
Melodie und Gesang
Gesang
- Volle, raue und intensive Stimmen (Paul Rodgers, Janis Joplin, Gregg Allman, Joe Cocker, Robert Plant), Phrasierungen von 4 Takten mit Call and Response: Die Stimme singt 2 Takte, die Gitarre antwortet 2 Takte lang.
- Typische Blues-Textform AAB (Vers, Wiederholung, Antwort).
- Gesangliche Blue Notes (b3, b5, b7), Melismen.
Backings
- Selten; Gospel-Backings in den soulbetonteren Stücken (Joe Cocker, Tedeschi Trucks Band).
Effekte
- Plate oder Raum, Slapback; wenig Korrektur: Der Blues lebt von ausdrucksvoller Intonation.
Instrumente
- E-Gitarre (Stratocaster, Les Paul, ES-335), Slide.
- E-Bass.
- Akustisches Schlagzeug.
- Gesang.
- Hammond-Orgel mit Leslie, Klavier, Wurlitzer.
- Mundharmonika (verstärkt mit „Bullet“-Mikrofon), Bläsersatz in den soulbetonteren Stücken.
Drum-Patterns
Synthesizer und Sounds
- B-3 V — Hammond-Orgel: Blues-Begleitung: Zugriegel 888000000 oder 838000000, leichte Percussion, langsames Leslie, das in den Soli beschleunigt, sanfter Drive.
- Piano V — Blues-Klavier: Boogie-Woogie und Slow Blues: Piano oder Flügel, linke Hand in Oktaven und Triolen, Tremolos in der Rechten.
- Wurli V — E-Piano: Soul-Blues und Bluesrock der 70er mit Amp-Drive.
- Stage-73 V — Rhodes: Jazziger und moderner Blues (Robben Ford, John Mayer): leichtes Tremolo.
- Clavinet V — Clavinet: Funk-Blues (Stevie Wonder, Gary Clark Jr.): Riffs in Sechzehnteln mit Wah.
Songaufbau
Form (4:00–8:00)
| Abschnitt | Takte | Was passiert |
|---|---|---|
| Intro | 4 oder 12 | Turnaround oder ein kompletter Gitarrendurchgang |
| Strophe 1 | 12 | Gesang + Gitarrenantworten, leichter Groove |
| Strophe 2 | 12 | Wie die erste, eventuell Stop-Time |
| Solo 1 | 12–36 | 1–3 Solodurchgänge, die an Intensität zunehmen |
| Strophe 3 | 12 | Dynamische Rückkehr auf niedriges Niveau |
| Solo 2 / Jam | 12–48 | Orgel, Gitarre, Dialog |
| Schluss-Strophe | 12 | |
| Schluss | 2–4 | Turnaround, Stopp, gehaltener V7–I7- oder I9-Akkord |
Bluesrock wird in Durchgängen aufgebaut: Jeder 12-taktige Durchgang ist eine Einheit; die Intensität wächst von Durchgang zu Durchgang während des Solos.
Mixing und Mastering
Klangziel
Warm, dynamisch und „live“: Die Gitarre ist die Protagonistin, aber der Gesang muss sich in den Strophen durchsetzen; Schlagzeug mit Raum, Orgel, die füllt. Referenzen: Stevie Ray Vaughan — Texas Flood (1983), Cream — Disraeli Gears (1967), Gary Clark Jr. — Bright Lights (2012), The Black Keys — Brothers (2010).
Bassdrum
- EQ: HP 35 Hz; +2 dB bei 70 Hz; −3 dB bei 350 Hz; +1/+2 dB bei 2–3 kHz.
- Leichte Kompression 3:1, Attack 20–30 ms, 2–3 dB.
Snare
- EQ: +2 dB bei 200 Hz; −2 dB bei 600 Hz; +2 dB bei 4 kHz.
- Kompression 3–4 dB; Plate 1,5–2 s oder natürlicher Raum. Ghost Notes gut hörbar (Kompression, damit sie hervortreten).
Overheads und Raum
- Das Kit lebt in den Overheads und den Raummikrofonen (Live-Aufnahme im Studio); leichte Kompression.
- Drum-Bus: 2:1–3:1, 2 dB, Bandsättigung.
Bass
- EQ: HP 35 Hz; +2 dB bei 80–100 Hz; −2 dB bei 250 Hz; +2 dB bei 700 Hz.
- Opto-Kompression (LA-2A) 3–5 dB; Amp abgenommen.
Gitarre
- Rhythmus- und Solo-Gitarre oft auf derselben Spur (Powertrio): in der Mitte oder L20 mit Stereoraum; bei zwei Gitarren L70/R70.
- EQ: HP 80 Hz; Körper 200 Hz (kontrollieren); +2 dB bei 800 Hz–1,5 kHz (dort liegt die „Stimme“ des Tube Screamer); +1 dB bei 3 kHz; LP 9–10 kHz.
- Mikrofone: SM57 + Ribbon oder Kondensator in Distanz; Amp in einem lebendigen Raum.
- Kompression: keine oder 1–2 dB; die Dynamik gehört zum Ausdruck.
- Raum: Federhall (des Amps) oder Plate 1,5 s; Slapback-Delay 100–130 ms in den Soli.
- Automation: +1/+2 dB zu Beginn der Soli, danach die natürliche Dynamik belassen.
Orgel und Klavier
- Hammond L50/R50 (Stereo-Leslie), HP 60 Hz, −2 dB bei 250 Hz; Klavier L30/R30.
Gesang
- Kette: EQ (HP 80 Hz, −2 dB bei 300 Hz, +2 dB bei 3 kHz) → 1176 (4–6 dB) → LA-2A (2–3 dB) → De-Esser.
- Raum: Plate 1,5–2 s, Slapback 120 ms.
- Lautstärkeautomation Phrase für Phrase (Blues-Stimmen haben viel Dynamik).
Mundharmonika
- Mono, HP 200 Hz, Kompression 4 dB, Sättigung (Amp oder Decapitator), Feder.
FX
- Feder (Spring), Plate, Slapback; sonst wenig.
Busse und Gruppen
- Bandsättigung auf allem; leichter Glue 2:1.
Sidechain
- Nicht nötig.
Master
- Ziel: −12/−9 LUFS integriert; True Peak −1 dBTP. Behalte die Dynamik zwischen Strophe und Solo.
Häufige Fehler
- Gitarre mit zu viel Gain und ausgehöhlt; Gesang von den Soli überdeckt (senke die Gitarre ab, wenn gesungen wird, per Automation).
- Schlecht quantisierter Shuffle.
Referenzstücke für den Mix
- Cream — Crossroads (live, 1968); The Allman Brothers Band — Statesboro Blues (live, 1971); Stevie Ray Vaughan — Pride and Joy (1983); Gary Moore — Still Got the Blues (1990); The Black Keys — Lonely Boy (2011); Gary Clark Jr. — Bright Lights (2012).
Referenz-Hörbeispiele
- Lonnie Mack — Wham! (1963)
- John Mayall & the Bluesbreakers — All Your Love (1966)
- Cream — Sunshine of Your Love (1967)
- The Jimi Hendrix Experience — Red House (1967)
- The Allman Brothers Band — Whipping Post (1969)
- ZZ Top — La Grange (1973)
- Stevie Ray Vaughan — Pride and Joy (1983)
- The Black Keys — Lonely Boy (2011)
- Gary Clark Jr. — Bright Lights (2012)