Geschichte und Charakter
MPB (Música Popular Brasileira) bezeichnet die Strömung der urbanen brasilianischen Musik nach der Bossa Nova, entstanden Mitte der 1960er-Jahre, die Samba, Samba-canção, Baião, Frevo, Toada und Marcha mit Einflüssen aus Jazz, Rock, Pop und Kunstmusik verarbeitet und Texte von hohem poetischem Wert hat. Der Begriff setzt sich um 1965–1966 durch dank der Fernseh-Festivals des Liedes (TV Excelsior, TV Record), die in den 1960er-Jahren enorme Wirkung haben: Der Beginn der MPB wird oft mit der Interpretation von „Arrastão“ (Edu Lobo und Vinicius de Moraes) durch Elis Regina beim Festival 1965 verbunden, deren Single die bis dahin meistverkaufte der brasilianischen Musik wird. Sendungen wie O Fino da Bossa (Elis und Jair Rodrigues) und Jovem Guarda (der Pop-Rock von Roberto Carlos) spalten das Publikum.
Zur Festival-Generation gehören Chico Buarque, Caetano Veloso, Gilberto Gil, Gal Costa, Maria Bethânia, Milton Nascimento, Edu Lobo, Jorge Ben (Jor), Elis Regina, Nara Leão, Geraldo Vandré. 1967–1968 verbindet der Tropicalismo (Caetano, Gil, Gal, Tom Zé, Os Mutantes, mit dem Arrangeur Rogério Duprat; Kollektivalbum Tropicália ou Panis et Circencis, 1968) E-Gitarren, Avantgarde, Psychedelia und Volkskultur und provoziert die Puristen. Während der Militärdiktatur (1964–1985) trifft die Zensur die Künstler: Chico Buarque benutzt Metaphern wie in „Apesar de Você“ (1970); Caetano und Gil gehen ins Exil nach London (1969–1972). In den 1970er-Jahren gewinnt die MPB als Hörmusik an Prestige: der Clube da Esquina von Milton Nascimento und Lô Borges (Minas Gerais, 1972), die Novos Baianos (Acabou Chorare, 1972), Djavan, Ivan Lins, João Bosco und Aldir Blanc, Belchior, Fagner, Elis & Tom (1974, mit „Águas de Março“); die Soundtracks der Telenovelas tragen sie in die Wohnzimmer. Ab den 1980er–1990er-Jahren und darüber hinaus: Marisa Monte, Adriana Calcanhotto, Lenine, Seu Jorge, Maria Rita, bis zu Céu, Tim Bernardes, Liniker und Anavitória.
Merkmale: harmonische Komplexität (Erbe von Bossa und Jazz), ausgefeilte Texte in der Tradition der brasilianischen Dichtung, Themen und Rhythmen der Folklore, große Vielfalt der Arrangements (von Stimme und Gitarre bis zum Orchester, vom E-Rock bis zum Samba), ausdrucksstarke und persönliche Stimmen.
Tonleitern und Tonarten
Dur (Ionisch)
- Formel: 1 2 3 4 5 6 7 — GT GT HT GT GT GT HT (Halbtonschritte 2 2 1 2 2 2 1)
- Beispiel in D: D E F# G A B C#
- Charakteristischer Ton: die 7 (Leitton) und die große 3: Helligkeit und starke Auflösung V–I
- Diatonische Dreiklänge: D (I) – Em (ii) – F#m (iii) – G (IV) – A (V) – Bm (vi) – C#dim (vii°)
- Vierklänge: Dmaj7 (Imaj7) – Em7 (ii7) – F#m7 (iii7) – Gmaj7 (IVmaj7) – A7 (V7) – Bm7 (vi7) – C#m7b5 (viiø7)
- Einsatz im Genre: Basis eines Großteils des Repertoires, mit erweiterter Harmonik (maj7, 9, 13) und Modulationen; weite, sangliche Melodien mit expressiven Sprüngen.
- Praxisbeispiel: Chico Buarque — A Banda (1966) und viele Festival-Lieder in Dur mit funktionaler Harmonik.
- Häufige Fehler: dürftige Harmonisierungen: Die MPB verlangt Akkorde mit Erweiterungen und sorgfältige Basslinien.
Dorisch
- Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — GT HT GT GT GT HT GT (Halbtonschritte 2 1 2 2 2 1 2)
- Beispiel in E: E F# G A B C# D
- Charakteristischer Ton: die große 6 auf Moll-Basis: „offenes“, weniger trauriges Moll, das die Dur-IV ergibt
- Diatonische Dreiklänge: Em (i) – F#m (ii) – G (III) – A (IV) – Bm (v) – C#dim (vi°) – D (VII)
- Vierklänge: Em7 (i7) – F#m7 (ii7) – Gmaj7 (IIImaj7) – A7 (IV7) – Bm7 (v7) – C#m7b5 (viø7) – Dmaj7 (VIImaj7)
- Einsatz im Genre: sehr häufig im Clube da Esquina und bei Milton Nascimento, Lô Borges und Toninho Horta: Mollakkorde mit großer 6, Vamps i–IV, modale Suspensionen.
- Praxisbeispiel: Die Harmonik des Clube da Esquina (1972) und von Milton Nascimento ist voller dorischer und mixolydischer Modalfarben.
- Häufige Fehler: immer tonal auflösen: Viele Lieder bleiben in der Schwebe.
Mixolydisch
- Formel: 1 2 3 4 5 6 b7 — GT GT HT GT GT HT GT (Halbtonschritte 2 2 1 2 2 1 2)
- Beispiel in A: A B C# D E F# G
- Charakteristischer Ton: die b7 auf Dur-Basis: „erdiges“, festliches Dur ohne Leitton
- Diatonische Dreiklänge: A (I) – Bm (ii) – C#dim (iii°) – D (IV) – Em (v) – F#m (vi) – G (VII)
- Vierklänge: A7 (I7) – Bm7 (ii7) – C#m7b5 (iiiø7) – Dmaj7 (IVmaj7) – Em7 (v7) – F#m7 (vi7) – Gmaj7 (VIImaj7)
- Einsatz im Genre: in Stücken mit Nordeste-Einfluss (Gilberto Gil, Alceu Valença, Elba Ramalho) und in den Funk-Samba-Vamps von Jorge Ben: die b7 als Tonikafarbe.
- Praxisbeispiel: Jorge Ben — País Tropical (1969) und viele Stücke von Gilberto Gil über Dominant-Vamps.
- Häufige Fehler: das I7 als aufzulösende Dominante behandeln.
Lydisch
- Formel: 1 2 3 #4 5 6 7 — GT GT GT HT GT GT HT (Halbtonschritte 2 2 2 1 2 2 1)
- Beispiel in F: F G A B C D E
- Charakteristischer Ton: die #4: schwebendes, verträumtes, „fließendes“ Dur
- Diatonische Dreiklänge: F (I) – G (II) – Am (iii) – Bdim (iv°) – C (V) – Dm (vi) – Em (vii)
- Vierklänge: Fmaj7 (Imaj7) – G7 (II7) – Am7 (iii7) – Bm7b5 (ivø7) – Cmaj7 (Vmaj7) – Dm7 (vi7) – Em7 (vii7)
- Einsatz im Genre: „verträumte“ Farbe, häufig in der Harmonik von Milton Nascimento, Toninho Horta und Ivan Lins (maj7#11-Akkorde).
- Praxisbeispiel: Die offenen Harmonien von Milton Nascimento und Toninho Horta nutzen oft maj7#11 und übereinandergeschichtete Quarten.
- Häufige Fehler: die natürliche 4 über einem maj7#11 verwenden.
Melodisches Moll (Jazz)
- Formel: 1 2 b3 4 5 6 7 — GT HT GT GT GT GT HT (Halbtonschritte 2 1 2 2 2 2 1)
- Beispiel in G: G A Bb C D E F#
- Charakteristischer Ton: große 6 und 7 über kleiner Terz: elegantes, jazziges, aufsteigendes Moll
- Diatonische Dreiklänge: Gm (i) – Am (ii) – Bbaug (III+) – C (IV) – D (V) – Edim (vi°) – F#dim (vii°)
- Vierklänge: Gm(maj7) (i(maj7)) – Am7 (ii7) – Bbmaj7#5 (III+maj7) – C7 (IV7) – D7 (V7) – Em7b5 (viø7) – F#m7b5 (viiø7)
- Einsatz im Genre: für die anspruchsvollen Moll-Lieder (Chico Buarque, Edu Lobo): i6, i(maj7), alterierte Dominanten.
- Praxisbeispiel: Chico Buarque — Construção (1971): Moll-Harmonik mit zyklischen Progressionen und orchestralem Crescendo (Rogério Duprat).
- Häufige Fehler: sie ohne den passenden Akkord darunter zu verwenden (m6 oder m(maj7)).
Wie man zwischen den Skalen des Genres wählt
- Tonales Liedermacher-Lied → Dur und Moll mit Erweiterungen.
- Clube da Esquina / Minas → Dorisch, Lydisch, übereinandergeschichtete Quarten, Orgelpunkte.
- Nordeste, Jorge Ben, Tropicália-Groove → Mixolydisch.
- Anspruchsvolles Moll-Lied → Melodisches Moll.
- Die MPB ist eine Autorensprache: Die Skala hängt vom Künstler und vom Grundrhythmus ab (Samba, Baião, Bossa, Rock).
Harmonik
Harmonische Funktion
Eklektisch, aber im Allgemeinen reich: funktionale Harmonik mit Erweiterungen und Substitutionen (Erbe der Bossa), häufige und auch entfernte Modulationen, Modalfarben (Dorisch, Mixolydisch, Lydisch) im Clube da Esquina, Orgelpunkte und Ostinati (Construção), chromatische Progressionen, Akkorde aus übereinandergeschichteten Quarten. In Tropicália- und Rock-Stücken einfachere Harmonik mit E-Gitarren.
Elemente
- Chromatische oder diatonisch absteigende Basslinien unter stehenden Akkorden.
- Slash-Akkorde (C/E, D/F#, Bb/C).
- Suspensionen (sus2, sus4, add9) und Quarten (Milton).
- Terzmodulationen (Es → G) und Moduswechsel zwischen Strophe und Refrain.
Voicing
- Gitarre mit offenen Akkorden und leeren Saiten (Minas), Jazz-Voicings (Djavan, João Bosco).
- Klavier und Rhodes mit erweiterten Akkorden; Orchester mit Streichern und Bläsern (Arrangements von Rogério Duprat, Wagner Tiso, Eumir Deodato).
Typische Akkordfolgen
| Name | Tonart | Akkorde | Stufen | So setzt du es ein |
|---|---|---|---|---|
| Modal Minas | e-Moll (dorisch) | Em7 A7sus4 A7 Em7 | i7 IV7sus4 IV7 i7 | Farbe des Clube da Esquina: schwebendes IV7 und offenes Moll. |
| Lydisch | F-Dur | Fmaj7#11 Gmaj7#11/F Fmaj7#11 | Imaj7#11 II/I Imaj7#11 | Lydischer Akkord mit der Dreiklang-II über dem Orgelpunkt auf I: verträumt (Milton, Toninho Horta). |
| Absteigender Bass | C-Dur | C C/B Am7 Am7/G F F/E Dm7 G7 | I I/7 vi7 vi7/5 IV IV/3 ii7 V7 | Diatonisch absteigender Bass C–B–A–G–F–E–D–G unter einfachen Harmonien: typisch für das Liedermacher-Lied. |
| Mixolydischer Vamp | A-Dur | A7 G/A A7 D/A | I7 bVII/I I7 IV/I | Groove à la Jorge Ben / Gilberto Gil. |
| Moll mit ii–V | g-Moll | Gm6 Am7b5 D7b9 Gm6 | i6 iiø7 V7b9 i6 | Anspruchsvolles Moll-Lied à la Chico Buarque / Edu Lobo. |
| Terzmodulation | Es → G-Dur | Ebmaj7 Bb7 Am7 D7 Gmaj7 | I V7 | ii7 V7 I (in Sol) | Tonartwechsel um eine große Terz für den Refrain: häufig bei Ivan Lins und Djavan. |
Rhythmus und Groove
Feel
Die MPB hat keinen einheitlichen Rhythmus: Sie stützt sich auf die brasilianischen Rhythmen — Samba, Bossa, Baião, Xote, Frevo, Maracatu, Ijexá, Toada, Marcha-rancho — oder auf Rock, Funk und Pop. Viele Stücke mischen: eine Strophe im Bossa, ein Refrain im Samba; eine Baião-Basis mit Rockgitarren.
Typische Elemente
- Brasilianischer Swing auf den Sechzehnteln (5–15 %), wenn die Basis Samba oder Bossa ist.
- Ijexá (afro-bahianisch, Gilberto Gil, Caetano): Figur aus Agogô und Atabaques.
- Baião (Gil, Alceu Valença): Zabumba und Triangel.
- Balladen in freiem 4/4 oder in 6/8 (Milton Nascimento).
Schlagzeug
Konzeption
Das Schlagzeug (und die Perkussion) dienen dem Lied: oft ein Jazz-/Pop-Schlagzeug, das einen brasilianischen Rhythmus stilisiert, mit hinzugefügter Perkussion (Pandeiro, Ganzá, Agogô, Congas, Triangel).
Typische Patterns
- Samba/Bossa: Bassdrum in der Surdo-Figur (1 und 2& im 2/4), Cross-Stick in der Bossa-Clave, Hi-Hat oder Besen in Sechzehnteln.
- Baião: Bassdrum, die die Zabumba imitiert (1 und 1a, gedämpfter Schlag auf der 2), Hi-Hat/Triangel in Sechzehnteln (siehe r-baiao).
- Ijexá: Agogô in synkopierter Figur, weiche Bassdrum auf 1 und 3&, Toms für die Atabaques.
- Ballade: Bassdrum auf 1 und 3, Snare auf 2 und 4 leicht, Besen oder Mallets.
- Rock/Tropicalismo: Rock-Schlagzeug mit brasilianischen Farben.
Dynamik
Sehr variabel: vom Intimen (Stimme und Gitarre) bis zum orchestralen Crescendo (Construção).
Zusammenspiel mit Bass und Stimme
Der Bass (oft E-Bass fretless oder mit melodischen Linien, z. B. Arthur Maia, Nico Assumpção) tritt in Dialog mit der Stimme; die Perkussion bleibt „Farbe“.
Typische Fehler
- Einen Pop-Loop verwenden, der den brasilianischen Grundrhythmus auslöscht.
- Zu laute Perkussion in Liedermacher-Stücken.
Bass
- Klang: E-Bass (auch fretless) oder Kontrabass; warmer, runder Klang; Register E1–G3.
- Rolle: melodische und kontrapunktische Linien (weit mehr als bloße Grundtöne), absteigende Linien unter stehenden Akkorden, Surdo-Figuren in Samba-Stücken, Zabumba-Figuren in Baiões.
- Töne: Grundtöne, Terzen und Septimen für die Umkehrungen, Chromatik.
Harmonieinstrumente
- Violão (Nylon oder Stahl) mit offenen Stimmungen im Clube da Esquina.
- Klavier und Rhodes (Elis, Ivan Lins, Djavan).
- E-Gitarre (Tropicália, Os Mutantes, Novos Baianos mit Pepeu Gomes).
- Streicher und Bläser (Arrangements von Rogério Duprat, Wagner Tiso, Eumir Deodato).
- Cavaquinho, Sanfona (Akkordeon), Viola caipira in regionalen Stücken.
Melodie und Gesang
Stimme
- Große Vielfalt: kraftvolle und technisch perfekte Stimme (Elis Regina), intime und gesprochene Stimme (Chico Buarque), Falsett und „instrumentale“ Stimme (Milton Nascimento), helle Stimmen (Gal Costa, Marisa Monte), Scat und Melismen (Djavan).
- Melodien oft weit (über eineinhalb Oktaven), mit expressiven Sprüngen und Chromatik.
- Poetische, politische, metaphorische Texte (Zensur).
Chöre
Sorgfältige Vokalharmonien (Clube da Esquina, MPB4, Quarteto em Cy), Chöre im Crescendo in den Finalen.
Instrumente
- Violão (Nylon und Stahl), E-Gitarre, Viola caipira, Cavaquinho
- Klavier, Rhodes, Orgel, Synth (1980er-Jahre)
- E-Bass/Fretless, Kontrabass
- Schlagzeug, Pandeiro, Ganzá, Agogô, Congas, Triangel, Zabumba, Atabaques
- Streicher, Bläser, Sanfona
- Solostimme, Chöre
Drum-Patterns
Synthesizer und Sounds
- Stage-73 V — MPB-Rhodes der 1970er-Jahre: Erweiterte Akkorde von Ivan Lins, Djavan, Elis Regina: leichtes Tremolo.
- Piano V — Liedermacher-Klavier: Flügel für Balladen und orchestrale Lieder.
- Augmented Strings — Streicher à la Rogério Duprat / Wagner Tiso: Orchestrale Streicher für Crescendi und Balladen.
- Mini V — Synth-Leads und -Bässe der 1970er-Jahre: Für die synthetischen Farben des Clube da Esquina und der MPB der 1970er–1980er-Jahre.
- Jup-8 V — Pads der 1980er-Jahre: Pads für den MPB-Pop der 1980er-Jahre (Djavan, Marina Lima).
- Mellotron V — Tropicália-Flöten und -Streicher: Für die psychedelischen Farben der Tropicália.
Songaufbau
Typische Formen (≈ 3:00–5:00)
- Strophe–Refrain mit Bridge; AABA; „Autoren“-Formen mit freien Abschnitten, Crescendi und Modulationen.
| Abschnitt | Takte | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Intro | 4–8 | Gitarre/Klavier oder Orchester |
| Strophe | 16 | |
| Refrain | 8–16 | |
| Strophe 2 | 16 | |
| Bridge / Modulation | 8 | |
| Schluss-Refrain | 16 | Crescendo |
| Coda | 4–8 |
Arrangement
Hängt vom Künstler ab: von Stimme und Gitarre (Chico, akustischer Caetano) über das zyklische orchestrale Crescendo (Construção) bis zur Groove-Band (Jorge Ben, Novos Baianos).
Mixing und Mastering
Klangziel
Liedermacher-Lied: Stimme in der Mitte und sehr verständlich (die Texte sind zentral), Arrangement im Dienst der Stimme, natürlicher und warmer Klang; in den Produktionen der 1970er-Jahre analoge Wärme, in den 1980er-Jahren digitale Brillanz. Referenzen: Elis & Tom (1974), Clube da Esquina (1972), Chico Buarque — Construção (1971), Marisa Monte, Djavan.
Stimme
- EQ: HP 70–90 Hz, −2 dB bei 250–300 Hz, +2 dB bei 2–4 kHz (Verständlichkeit), Air +1/+2 dB bei 10–12 kHz.
- Opto-Kompression 3:1 (3–4 dB) + leichter FET bei Bedarf; De-Esser.
- Raum: Plate/Hall 1,5–2,2 s, Pre-Delay 30–50 ms, bei 12–20 %.
Gitarren
- Nylon: HP 70 Hz, −2 dB bei 200 Hz, +1 dB bei 5 kHz. Stahl: HP 90 Hz, −2 dB bei 250 Hz, +2 dB bei 8 kHz. Panning ±20–40.
Klavier / Rhodes
- Klavier: HP 50 Hz, −2 dB bei 300 Hz; natürliches Stereo. Rhodes: HP 70 Hz, +1 dB bei 1,5 kHz, Tremolo.
Bass
- HP 35 Hz, +1/+2 dB bei 80 Hz, Präsenz 800 Hz für die melodischen Linien; Kompression 3:1 (3 dB). Mitte.
Schlagzeug und Perkussion
- Natürliches Schlagzeug (Overheads + Raum), Bassdrum HP 40 Hz, Snare mit kurzem Plate; Perkussion verteilt ±30–60, −8/−12 dB.
Streicher und Bläser
- Streicher: HP 120 Hz, −2 dB bei 2–4 kHz, Hall 2–2,5 s, Breite 100 %. Bläser: HP 120 Hz, Präsenz 2–3 kHz, Plate 1,5 s.
Chöre
HP 150 Hz, Panning ±50–80, gemeinsamer Hall.
Busse und Gruppen
Leichter Rhythm-Bus, Strings-Bus, Vocal-Bus; moderate Mix-Kompression (1–2 dB).
Sidechain
Keiner; bei Bedarf Dynamic EQ auf den harmonischen Instrumenten von der Stimme aus.
Master
- Kette: EQ → Kompression 1,5:1–2:1 (1–2 dB) → Limiter −1 dBTP.
- Ziel: −14/−11 LUFS integriert (moderne Pop-Produktionen −10/−9), True Peak ≤ −1 dBTP; PLR 11–14 dB.
Häufige Fehler
- Schlecht verständliche Stimme: In der MPB ist der Text das Herz.
- „Volles“ Arrangement, das die Harmonien der Gitarre überdeckt.
- Zu stark komprimierter Master.
Referenztitel für den Mix
- Elis Regina & Tom Jobim — Águas de Março (1974)
- Milton Nascimento & Lô Borges — Clube da Esquina (1972, Album)
- Chico Buarque — Construção (1971)
- Jorge Ben — País Tropical (1969)
- Marisa Monte — Ainda Bem (2011)
Referenz-Hörbeispiele
- Elis Regina — Arrastão (1965)
- Chico Buarque — A Banda (1966)
- Caetano Veloso, Gilberto Gil e altri — Tropicália ou Panis et Circencis (1968, album)
- Jorge Ben — País Tropical (1969)
- Chico Buarque — Construção (1971)
- Milton Nascimento & Lô Borges — Clube da Esquina (1972, album)
- Elis Regina & Tom Jobim — Águas de Março (1974)
- Djavan — Oceano (1989)