Geschichte und Charakter
Variante, die Mitte der 2010er-Jahre aufkam: Der Begriff wird dem Franzosen Tchami zugeschrieben, der ihn um 2014 zur Beschreibung seines eigenen Sounds verwendet; Oliver Heldens (Gecko, 2013, auf Spinnin'/Musical Freedom), Don Diablo (Cutting Shapes, 2016), Malaa, Curbi, Mesto und Brooks sind die wichtigsten Namen. Sie verbindet Struktur und Groove der Deep House mit UK Garage („hüpfende“ Basslines und geschnittene Vocals) und der Festival-EDM, mit metallischen Basslines mit bewegtem Pitch, brillanten Klangfarben und Drops, die statt auf dem Lead auf dem Bass aufgebaut sind.
Zwischen 2014 und 2017 dominiert sie die Beatport-Charts und die europäischen Dance-Radios; danach fließt sie teilweise in die Bass House (aggressiver) und die Slap House (langsamer und poppiger) ein und hinterlässt die Idee des „Bass-Drops“ als Markenzeichen der kommerziellen House.
Ästhetik: energisch und sauber, für Festivals und Radio gedacht; House-Groove mit der Bassline als Protagonisten und Pop- oder R&B-Vocals.
Tonleitern und Tonarten
Konvention: Die römischen Ziffern beziehen sich auf die Dur-Tonleiter desselben Grundtons (Großbuchstaben = Dur, Kleinbuchstaben = Moll, ° vermindert, ø halbvermindert, + übermäßig; b/# = gegenüber Dur erniedrigte/erhöhte Stufe: in a-Moll ist F = bVI, G = bVII). Töne und Akkorde unten sind exakt nach der Formel berechnet.
Äolisch
- Formel: 1 2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: GT HT GT GT HT GT GT
- Auf F: F G Ab Bb C Db Eb (F G As B C Des Es)
- Diatonische Dreiklänge: Fm i · Gdim ii° · Ab bIII · Bbm iv · Cm v · Db bVI · Eb bVII
- Vierklänge: Fm7 i7 · Gm7b5 iiø7 · Abmaj7 bIIImaj7 · Bbm7 iv7 · Cm7 v7 · Dbmaj7 bVImaj7 · Eb7 bVII7
- Charakteristischer Ton: die b6 (Des): emotionale, aber radiotaugliche Verläufe i–bVI–bIII–bVII.
- Einsatz: Pads und Plucks in der Strophe, Bassline des Drops, die mit Glide zwischen Grundton, b7 und b3 springt.
- Häufige Fehler: Bassline ohne Pitch-Variation: Der Future-House-Charakter kommt von der Bewegung des Basses.
Dorisch
- Formel: 1 2 b3 4 5 6 b7 — Schritte: GT HT GT GT GT HT GT
- Auf G: G A Bb C D E F (G A B C D E F)
- Diatonische Dreiklänge: Gm i · Am ii · Bb bIII · C IV · Dm v · Edim vi° · F bVII
- Vierklänge: Gm7 i7 · Am7 ii7 · Bbmaj7 bIIImaj7 · C7 IV7 · Dm7 v7 · Em7b5 viø7 · Fmaj7 bVIImaj7
- Charakteristischer Ton: die große Sexte (E): Garage-/Deep-Farbe in den Strophen.
- Einsatz: Vamp i7–IV9 mit R&B-Stimme, Organ Bass.
- Häufige Fehler: Pads mit Es über dem C9.
Moll-Pentatonik
- Formel: 1 b3 4 5 b7 — Schritte: GT+HT GT GT GT+HT GT
- Auf A: A C D E G (A C D E G)
- Charakteristischer Ton: keine Halbtöne: Alle Töne der Bassline „klingen“.
- Einsatz: Riff des Drops (A–C–D–E–G mit Oktaven und Glide), Vocal-Chops.
- Häufige Fehler: zu viele gehaltene Töne: Der Bass muss kurz und hüpfend sein.
Phrygisch (dunklere Drops)
- Formel: 1 b2 b3 4 5 b6 b7 — Schritte: HT GT GT GT HT GT GT
- Auf E: E F G A B C D (E F G A H C D)
- Diatonische Dreiklänge: Em i · F bII · G bIII · Am iv · Bdim v° · C bVI · Dm bvii
- Vierklänge: Em7 i7 · Fmaj7 bIImaj7 · G7 bIII7 · Am7 iv7 · Bm7b5 vø7 · Cmaj7 bVImaj7 · Dm7 bvii7
- Charakteristischer Ton: die b2 (F): ein „Biss“ in den aggressiveren Basslines.
- Einsatz: Bassline, die im Glide E–F–E rutscht.
- Häufige Fehler: sie mit leuchtenden Pop-Stimmen verwenden.
Welche Skala wählen
Harmonische Strophen/Breaks: Äolisch oder Dorisch. Drop: Moll-Pentatonik für die Bassline (Glide zwischen Oktaven und b7/b3), Phrygisch für dunkle Varianten. Behalte denselben Grundton bei und prüfe, ob der Bass zwischen 50 und 100 Hz gut klingt (bequeme Tonarten: F, Fis, G, A).
Harmonik
Funktion
Zwei Ebenen: Breaks und Strophen mit Pop-Verläufen aus 4 Akkorden (Pad, Klavier, Pluck), Drop fast ohne Harmonik, aufgebaut auf der Bassline und einem Stab.
Techniken
- Loop i–bVI–bIII–bVII oder i–bVI–bVII–v.
- m7/maj7-Akkorde für einen Deep-/Garage-Geschmack.
- Der Drop greift den Grundton des Verlaufs auf, und die Bassline impliziert die Akkorde (Sprünge zur b6 und zur b7).
- Pitch Bend und Glide als „Bewegungsharmonik“.
Harmonischer Rhythmus
1 Akkord pro Takt in den Breaks; im Drop wechselt die Bassline alle 1/8–1/4 den Ton.
Beispiele
- Fm–Db–Ab–Eb (i–bVI–bIII–bVII).
- Gm7–Ebmaj7–Bb–F.
- Am–F–G–Em (i–bVI–bVII–v).
Typische Akkordfolgen
| Name | Tonart | Akkorde | Stufen | So setzt du es ein |
|---|---|---|---|---|
| Pop-Moll | f-Moll | Fm Db Ab Eb | i bVI bIII bVII | Radiotauglicher Verlauf für Pad und Stimme im Break; im Drop greift die Bassline seine Grundtöne auf. |
| Deep-Moll | g-Moll | Gm7 Ebmaj7 Bb F | i7 bVImaj7 bIII bVII | Version mit Septimen für elegantere Strophen; R&B-Stimme. |
| Moll mit v | a-Moll | Am F G Em | i bVI bVII v | Das Moll-v hält den Loop offen und bereitet den Drop auf dem Grundton vor. |
| Garage-Vamp | g-Moll (dorisch) | Gm7 C9 | i7 IV9 | UK-Garage-/Deep-Farbe für die Strophen. |
| Drop über Orgelpunkt | a-Moll | Am | i | Im Drop ist die Harmonik ein Orgelpunkt: Die Bassline springt mit Glide zwischen A, G, C und E. |
Rhythmus und Groove
- Feel: gerade Four on the Floor mit leichtem Swing auf den Hats (52–55 % MPC); Garage-Einfluss in Percussion und Vocal-Chops.
- Bassline synkopiert in Sechzehnteln, mit Pausen und Sprüngen.
- Build: Snare-Roll in Achteln → Sechzehnteln, HP-Filter, Vocal-Chop; Drop mit Rückkehr von Kick und Bassline.
Schlagzeug
Kick
Kurz und punchy (Decay 150–220 ms), Grundton 50–60 Hz, Klick 3–5 kHz.
Clap und Snare
Geschichteter Clap + Snare auf 2 und 4, brillant; in den Builds Snare-Roll (Achtel → Sechzehntel → 1/32).
Hi-Hat
Open Hat im Offbeat, geschlossene Hats in Garage-Pattern (x.x. mit Ghost Notes), Shaker.
Percussion
Rim, „Click“-Percussion, Übergangs-Toms; wenige.
Dynamik und Ghost Notes
Ghost Notes auf den Hats (40–60 %); minimale Variation.
Zusammenspiel mit Bass und Stimme
Bass in den Lücken zwischen den Kicks; Vocal-Chops, die auf die Bassline antworten.
Abschnitte
DJ-Intro; Strophe mit Stimme und leichtem Groove; Build; Bass-Drop; zweiter Break; zweiter, variierter Drop; Outro.
Fills und Übergänge
Snare-Roll, White Noise, Stop von einem halben Takt vor dem Drop, Impact.
Klangwahl
Saubere moderne Samples (Kick, brillante Claps), klare Hats.
Typische Fehler
Zu lange Kick; zu dunkle Claps; Drop ohne Platz für den Bass.
Bass
- Sound: der „Future-House-Bass“: Rechteck-/Sägezahn- oder FM-Welle (metallisch), mit Pitch-Envelope oder Glide, der die Note „springen“ lässt, Tiefpassfilter mit schneller Envelope, oft ein leichter Formant oder Kamm; separater Sinus-Sub.
- Register: Sub F1–A1, metallischer Anteil 200 Hz–3 kHz.
- Mit der Kick: harter Sidechain (6–10 dB) oder Volume Shaping; Töne auf den Sechzehnteln nach der Kick.
- Töne: Grundton, Oktave, b7, b3, Oktavsprünge mit Glide.
- Rhythmus: synkopierte Sechzehntel, Pattern von 1–2 Takten.
- Beispiele: „Gecko“ (Oliver Heldens); „Cutting Shapes“ (Don Diablo).
Harmonieinstrumente
Klavier, Pad und Pluck in Strophen und Breaks; Organ-Stab mit Garage-Geschmack; im Drop wenig oder nichts (höchstens ein Stab).
Melodie und Gesang
- Stimme: Pop oder R&B (Strophe/Refrain), oft weiblich; im Drop gepitchte, rhythmische Vocal-Chops.
- Chöre: Verdopplungen und Harmonien im Refrain.
- Melodien: Plucks, Vocal-Chops, kleine Leads.
- Effekte: Pitch-Shift, Formant-Shift, punktiertes 1/8-Delay, kurzer Plate-Hall, Sidechain.
Instrumente
Software- und Hardware-Synths (Serum, Sylenth1, FM), moderne Drum-Samples, Vocal-Packs, Klavier, Pads.
Drum-Patterns
Synthesizer und Sounds
- DX7 V — Metallischer FM-Bass: Algorithmus mit einem Modulator mit nicht ganzzahligem Ratio (z. B. 1:3,5) und schnellem Decay: metallisches Timbre; Pitch-Envelope von 1–2 Halbtönen nach oben in 30–60 ms.
- Korg MS-20 V — Bass mit Biss: HP+LP-Filter mit Resonanz und Drive für schneidende Basslines.
- Mini V — Sub und Körper: Sinus oder Dreieck darunter, mono, Glide 30–60 ms.
- Prophet-5 V — Pluck und Pad: Pluck für die Strophen, Pad in den Breaks.
- Piano V — House-Klavier: Akkorde in den Strophen und Breaks.
Songaufbau
| Abschnitt | Takte | Inhalt |
|---|---|---|
| DJ-Intro | 16 | Drums |
| Strophe | 16 | Stimme, leichter Groove, Klavier/Pluck |
| Build | 8 | Snare-Roll, Filter, Riser |
| Drop 1 | 16–32 | Bassline und Vocal-Chops |
| Break | 16 | Stimme, Pad |
| Build | 8 | |
| Drop 2 | 16–32 | Variante der Bassline |
| Outro | 16 | Drums |
Radio Edit 2:45–3:15; Extended 4–5 Minuten.
Mixing und Mastering
Klangziel
Sauber, brillant und kraftvoll: punchy Kick, im Drop der Bass als Protagonist mit solidem Sub und gut hörbarem metallischem Anteil, Pop-Stimme im Vordergrund. Referenzen: Oliver Heldens — Gecko, Don Diablo — Cutting Shapes, Tchami — Promesses.
Kick
HP 25 Hz; +2 dB bei 55 Hz; −4 dB bei 300 Hz; +2 dB bei 4 kHz; Transient Shaper +3 dB; Clipper; mono.
Clap und Snare
HP 200 Hz; +2 dB bei 1,5 kHz; +2 dB bei 8–10 kHz; Kompression 4:1 GR 4 dB; Plate 0,8 s; verbreiterter Layer.
Hi-Hat und Percussion
HP 500 Hz; Dynamic EQ 8 kHz; Panning Hat 15 %, Shaker 40 %; kurzer Room.
Bass
- Sub: Sinus mono, HP 25 Hz, LP 120 Hz, Limiter für konstanten Pegel.
- Metallischer Anteil: HP 120–150 Hz, +2 dB bei 1–2 kHz, LP 6–8 kHz; Verzerrung/Sättigung (Saturn 2, OTT moderat bei 20–40 %).
- Kompression: 4:1, GR 4–6 dB.
- Stereo: Sub mono; oberer Anteil leicht verbreitert (über 300 Hz).
- Sidechain: 6–10 dB auf beiden.
Pads, Klavier, Plucks
HP 200 Hz; −2 dB bei 300–500 Hz; Plate/Hall 1,5–2,5 s; punktiertes 1/8-Delay auf den Plucks; breit; Sidechain 6–8 dB.
Hauptstimme
HP 100 Hz; FET 4:1 (5 dB) + Opto (2 dB); De-Esser; +3 dB bei 3 kHz; Air-Shelf +2 dB bei 12 kHz; Plate 1,2 s + Delay 1/4 als Throw; zentral.
Vocal-Chop und Chöre
HP 200 Hz; Kompression 6 dB; breit; kurzer Hall; Pitch-/Formant-Shift.
FX
Riser und Noise mit HP 300 Hz, Impact auf dem Drop, Downlifter.
Busse und Gruppen
Drum-Bus (Glue 4:1, GR 2–3 dB), Bass-Bus (Sub+Mid, mono unter 120 Hz), Music-Bus, Vocal-Bus.
Sidechain
Bass 6–10 dB, Pads 6–10 dB, FX 6 dB, Hallräume 4–6 dB.
Master
EQ → Kompressor 1–2 dB → Clipper → Limiter. Ziel −7/−6 LUFS integriert (Drop −5/−6 Short-Term), True Peak −1 dBTP (Streaming) / −0,3 (Club), Crest-Faktor 6–8 dB.
Häufige Fehler
Stereo-Sub; Verzerrung auf dem Sub; zu lauter metallischer Bass über 2 kHz (Ermüdung); von Bass zwischen 1 und 3 kHz überdeckte Stimme; Drop ohne Punch wegen unzureichendem Sidechain.
Referenzstücke für den Mix
- Oliver Heldens — Gecko (2013)
- Tchami ft. Kaleem Taylor — Promesses (2014)
- Don Diablo — Cutting Shapes (2016)
Referenz-Hörbeispiele
- Oliver Heldens — Gecko (2013)
- Tchami ft. Kaleem Taylor — Promesses (2014)
- Don Diablo — Cutting Shapes (2016)