Die vier Stimmen und ihre Ambitus
- Sopran: C4–G5 (bis A5)
- Alt: G3–D5 (bequem bis C5)
- Tenor: C3–G4 (bis A4), im Violinschlüssel eine Oktave höher notiert
- Bass: E2–C4 (bis D4)
Verdopplungen
Ein Dreiklang hat drei Töne, es gibt vier Stimmen: Ein Ton wird verdoppelt.
- Grundstellung: verdopple den Grundton.
- Erste Umkehrung: verdopple in der Regel den Sopran oder einen stabilen Ton, nie den Leitton.
- 6/4: verdopple den Bass (die Quinte).
- Verminderter Dreiklang (vii° in erster Umkehrung): verdopple die Terz (den Bass).
- Verdopple nie den Leitton und nie die Septime des Akkords.
- In der Kadenz V7 – I ist es normal, dass einer der beiden Akkorde unvollständig ist (ohne Quinte, mit verdreifachtem Grundton).
Vorgehen
- Schreibe zuerst den Bass, dann den Sopran (die Außenstimmen müssen einen guten Zweiersatz bilden).
- Fülle Alt und Tenor auf, indem du gemeinsame Töne und Stufenbewegungen suchst.
- Kontrolliere Quinten und Oktaven zwischen allen sechs Stimmpaaren.
Beispiel: I – IV – V7 – I in C (von unten nach oben)
- I: B C3, T G3, A E4, S C5
- IV: B F2, T A3, A F4, S C5
- V7: B G2, T D4, A F4, S H4
- I: B C3, T C4, A E4, S C5
Der Sopran C–C–H–C und der Alt E–F–F–E bewegen sich kaum; die Septime F (Alt) fällt nach E, der Leitton H (Sopran) steigt nach C.
Enge und weite Lage
Eng: die drei Oberstimmen innerhalb einer Oktave (kompakter Klang, klaviertypisch). Weit: mehr Raum zwischen Tenor und Alt (breiter Chorklang).
Beispiel aus der Praxis
Der Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“, den Bach in der Matthäus-Passion (1727) mehrfach harmonisiert, ist der klassische Text, um Verdopplungen und vierstimmige Stimmführung zu studieren; dieselben Prinzipien tragen die Gospel-Vokalarrangements und die Mehrspur-Popchöre.