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Undezim- und Tredezimakkorde der Dominante in der tonalen Harmonik

Definition

Schichtet man weiter Terzen über die None, erhält man die Undezime (G–H–D–F–A–C) und die Tredezime (G–H–D–F–A–C–E). Auf der Dominante enthalten sie alle sieben Töne der Tonleiter: Deshalb spielt man sie in der Praxis nie vollständig, und viele Theoretiker betrachten sie als Septim- oder Nonakkorde mit unaufgelösten Appoggiaturen oder Vorhalten. In der Harmonik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und später im Jazz werden sie zu eigenständigen Akkorden.

Die Undezime der Dominante

  • Die Undezime (C) liegt einen Halbton über der Terz (H) im Abstand einer kleinen None: eine sehr starke Reibung. Deshalb lässt man fast immer die Terz weg.
  • Typische Anordnung: G (Bass) – F – A – C, also ein F-Dur-Dreiklang über dem G: F/G (IV/V).
  • Die Wirkung ist eine schwebende Dominante, weich, ohne Leitton: Die Dominantfunktion kommt vom Bass, die Farbe von der Subdominante darüber.
  • Im klassischen Stil erklärt man die Undezime als verlängerten 4-3-Vorhalt über der Dominante (das C, das nach H fallen müsste).

Die Tredezime der Dominante

  • In vier Stimmen behält man Grundton, Terz, Septime und Tredezime: G – H – F – E (Tredezime im Sopran).
  • Die Tredezime (E) kann:
  • als gemeinsamer Ton liegen bleiben: Das E wird zur Terz der Tonika (G13 → C), die flüssigste Lösung;
  • eine Terz fallen zur Tonika (E → C), eine typische melodische Geste der Oberstimme;
  • stufenweise fallen nach D vor dem Akkordwechsel: Sie verhält sich wie eine Appoggiatura der Quinte, und der Akkord wird zu einem V7.
  • Die kleine Tredezime (Es) verwendet man vor einer Molltonika.

Tredezime und hinzugefügte Sexte unterscheiden

Ein G–H–E–F im Bass mit E oben ist eine Tredezime, wenn die Septime (F) vorhanden ist; ohne Septime (G–H–D–E) ist es ein Sextakkord (G6) mit anderer Funktion und Farbe.

Praktische Regeln

  • Lass bei der Undezime die Terz weg; lass bei der Tredezime Quinte, None und Undezime weg.
  • Lege die Spannung (11 oder 13) in die Oberstimme, wo sie als Farbe und nicht als Fehler wahrgenommen wird.
  • Verwende diese Akkorde nicht in Umkehrung: Man verliert ihre Identität.
  • Im Jazz ersetzt man die natürliche Undezime auf der Dominante oft durch die übermäßige Undezime (#11), die nicht an der Terz reibt.

Typische Fehler

  • Die Undezime mit der Terz in mittlerer Lage zu spielen: Es klingt wie ein Fehler.
  • Die Tredezime in tiefer Lage zu verdoppeln: Der Akkord wird trüb.
  • Jeden Akkord mit einer Sexte als Tredezime zu analysieren: Prüfe, ob die Septime vorhanden ist.

Beispiele

  • Debussy, Prélude à l'après-midi d'un faune: Es erscheint ein Dominanttredezimakkord, verwendet wegen seiner Farbe mehr als wegen seiner Funktion.
  • Ravel und Debussy: oft schwebende Undezimen und Tredezimen, die sich parallel bewegen, ohne aufzulösen.
  • Soul, Gospel und Pop-Balladen: Der Akkord IV/V (F/G in C) vor der Tonika ist die Dominantundezime ohne Terz; er ist auch eine der meistverwendeten Dominanten in der Videospielmusik und im J-Pop.
  • Jazz: Das Symbol G13 bezeichnet genau die Dominanttredezime mit Terz, Septime und Tredezime.

Anwendung beim Komponieren

  • Ersetze ein V7 durch IV/V für eine weichere, modernere Kadenz.
  • Verwende die Tredezime mit dem E in der Oberstimme, wenn die Melodie auf der Terz der Tonika ankommt: Das E ist schon in der Dominante vorhanden, und die Auflösung wird flüssig.
  • In einem Pad ist das Schichten eines Dreiklangs über dem Dominantbass (F/G, e-Moll/G, d-Moll/G) der einfachste Weg zu gut klingenden Undezimen und Tredezimen.

Übung

  1. Schreibe in B-Dur die Kadenz ii – V11 (Es/F) – I.
  2. Schreibe vierstimmig V13 – I in C, mit der Tredezime, die als Terz der Tonika liegen bleibt.
  3. Programmiere drei verschiedene Dominanten vor derselben Tonika (V7, IV/V, V13) und vergleiche sie.

Verweise

Erweiterungen und Spannungstöne (9, 11, 13); Sus-, Add-, Slash- und Hybridakkorde; Upper Structure Triads; Dominantnonakkord; Impressionistische Harmonik; Vorhalte.

Quellen

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