Formel
- Stufen: 1 b2 b3 b4 b5 b6 bb7.
- Schritte: H G H G G H 1½ (1 2 1 2 2 1 3 Halbtöne).
- Muttertonleiter: 7. Modus von Harmonisch-Moll. Gis-Superlokrisch bb7 = Töne von a-Moll harmonisch ab Gis: Gis A H C D E F.
- Auf C: C Des Es Fes Ges As Bbb (aus des-Moll harmonisch; in praktischer Schreibweise C Des Es E Ges As A). Auf H: H C D Es F G As (aus c-Moll harmonisch).
Alternative Namen: Ultralokrisch, alterierte Skala bb7, „verminderte Superlokrisch“.
Charakteristischer Ton und Klangfarbe
Es ist die alterierte Skala (Superlokrisch) mit der verminderten Septime (bb7) anstelle der kleinen Septime. Sie enthält einen vollverminderten Septakkord auf der Tonika (1 b3 b5 bb7: Gis H D F) plus drei Spannungstöne (b2, b4 = enharmonisch große Terz, b6). Klangfarbe: düster, gespannt, „einen Schritt vor der Tonika“: Es ist der Leitton, der darauf wartet, aufzusteigen.
Leitereigene Akkorde (Gis-Superlokrisch bb7)
| Stufe | Dreiklang | Septakkord |
|---|---|---|
| i° | G#° | G#°7 |
| bii | Am | Am(maj7) |
| biii° | B° | Bø7 |
| bIV+ | C+ | Cmaj7#5 |
| bv | Dm | Dm7 |
| bVI | E | E7 |
| bbVII | F | Fmaj7 |
(Es sind die Akkorde von a-Moll harmonisch, von Gis aus gesehen.)
Wo es verwendet wird (Chord-Scale)
- vii°7 einer Molltonart: in a-Moll G#°7 → Am. Über G#°7 ist die Tonleiter der Tonart genau Gis-Superlokrisch bb7 (also a-Moll harmonisch): Die Töne A, C und E (b2, b4, b6 bezogen auf Gis) sind die Töne des Zielakkords Am, die bereits als Spannungen vorhanden sind.
- vii°7/V und durchgehende verminderte Akkorde, wenn man in der Molltonart bleiben möchte.
Alternative: Über dem verminderten Septakkord verwenden viele Jazzmusiker die Ganzton-Halbton-verminderte Skala (Gis Ais H Cis D E F G), die symmetrische Spannungen hinzufügt. Superlokrisch bb7 klingt „tonaler“, die verminderte Skala „moderner“.
Einsatz in den Genres
- Barock und Klassik: alle Molkadenzen mit vii°7 – i (Bach, Mozart, Beethoven). Die schnellen Läufe, die in virtuosen Kadenzen vom Leitton ausgehen, sind oft faktisch dieser Modus.
- Neoclassical Metal: Arpeggien des verminderten Septakkords mit durchgehenden Tönen aus Harmonisch-Moll (Yngwie Malmsteen, Jason Becker).
- Filmmusik: Suspense, Erwartung vor der Auflösung auf eine Molltonika.
- Jazz: als „Tonart-Skala“ über dem verminderten Akkord in einem harmonisch-Moll-Kontext.
Melodien
- Die Phrase 1 – b2 – b3 (Gis – A – H) steigt zur Zieltonika auf; bb7 – b6 – b5 – 1 (F – E – D – Gis) ist ein typischer chromatisch-diatonischer Abstieg.
- Die b2 (A) als vorweggenommenen Zielton zu verwenden, ist die „tonalste“ Geste.
Häufige Fehler
- Es über einem ø7-Akkord (mit kleiner Septime) zu verwenden: Dort klingt die bb7 falsch.
- Nicht zu erkennen, dass es einfach Harmonisch-Moll ab dem Leitton ist: So gedacht wird alles einfacher.
- Die Töne mit uneinheitlicher Schreibweise zu notieren: In der Partitur verwende die Buchstaben der Molltonart (Gis A H C D E F in a-Moll).
Übung
- Kadenz Am – Dm – G#°7 – Am: Über G#°7 improvisiere mit den Tönen von a-Moll harmonisch, beginnend auf Gis.
- Vergleiche über demselben G#°7 die verminderte Skala (Gis Ais H Cis D E F G) und Superlokrisch bb7.
- Schreibe ein Arpeggio des verminderten Septakkords mit harmonischen durchgehenden Tönen im neoklassischen Stil, bei 150 BPM in Sechzehnteln.
Verwandte Themen
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