Formel
- Stufen: 1 2 b3 4 5 6 7.
- Schritte: G H G G G G H (2 1 2 2 2 2 1 Halbtöne).
- Auf C: C D Eb F G A H. Auf A: A H C D E F# G#. Auf D: D E F G A H C#.
Trick: Sie ist die Durtonleiter mit erniedrigter Terz oder natürlich Moll mit erhöhter 6. und 7. Stufe.
„Klassisch“ und „Jazz“ melodisch
- In der klassischen Theorie ist melodisch Moll aufwärts und abwärts verschieden: Aufwärts mit erhöhter 6. und 7. Stufe (A H C D E F# G# A), um die übermäßige Sekunde des harmonischen Molls zu vermeiden und mit dem Leitton zur Tonika zu gelangen; abwärts wie natürlich Moll (A G F E D C H A), weil die erhöhten Töne nicht mehr aufwärts streben müssen.
- Im Jazz (Melodic Minor ascending, „Jazz Minor“) verwendet man die aufsteigende Form in beide Richtungen, als eigene Skala mit sieben viel genutzten Modi.
Charakteristische Note und Farbe
Die Kombination aus b3 + großer Sexte + großer Septime: ein Moll mit „Dur“-Oberteil. Farbe: raffiniertes, geheimnisvolles, filmisches Moll, weniger dunkel als das Äolische. Der Tonikaakkord ist m(maj7) oder m6, nie m7.
Diatonische Akkorde (C melodisch Moll)
| Stufe | Dreiklang | Septakkord |
|---|---|---|
| i | Cm | Cm(maj7) |
| ii | Dm | Dm7 |
| bIII+ | Eb+ | Ebmaj7#5 |
| IV | F | F7 |
| V | G | G7 |
| vi° | A° | Aø7 |
| vii° | B° | Bø7 |
Besonderheiten: zwei Dominantakkorde (IV7 und V7), zwei halbverminderte (vi und vii), ein maj7#5. Es gibt keine starken Avoid Notes: Jeder Skalenton kann über seinem eigenen Akkord stehen, weshalb Jazzer sie lieben.
Die sieben Modi
| Modus | Formel | Auf C | Hauptverwendung |
|---|---|---|---|
| 1. Melodisch Moll | 1 2 b3 4 5 6 7 | C D Eb F G A H | Molltonika m(maj7), m6 |
| 2. Dorisch b2 | 1 b2 b3 4 5 6 b7 | C Db Eb F G A Bb | sus4(b9), „Phrygisch ♮6“ |
| 3. Lydisch übermäßig | 1 2 3 #4 #5 6 7 | C D E F# G# A H | maj7#5 |
| 4. Lydisch dominant | 1 2 3 #4 5 6 b7 | C D E F# G A Bb | 7#11, nicht auflösende Dominanten |
| 5. Mixolydisch b6 | 1 2 3 4 5 b6 b7 | C D E F G Ab Bb | 7(b13) mit natürlicher 9 |
| 6. Lokrisch #2 | 1 2 b3 4 b5 b6 b7 | C D Eb F Gb Ab Bb | ø7 (halbvermindert) |
| 7. Superlokrisch (alteriert) | 1 b2 #2 3 b5 b6 b7 | C Db D# E Gb Ab Bb | 7alt |
In der Familie: C melodisch Moll enthält D-Dorisch b2, Es-Lydisch übermäßig, F-Lydisch dominant, G-Mixolydisch b6, A-Lokrisch #2, H-alteriert. Jeder hat ein eigenes Kapitel.
Einsatz in den Genres
- Klassik: aufsteigende Skalen in Passagen in Moll (Bach, Mozart, Beethoven) und melodische Linien, die mit erhöhter 6 und 7 zur Tonika aufsteigen.
- Jazz: Molltonika (Cm6, Cm(maj7)), abgeleitete Modi auf fast allen alterierten Akkorden und auf den ø7.
- Pop und Rock: Der Moll-Line-Cliché (Am – Am(maj7) – Am7 – Am6) lässt eine Stimme von 1 über 7 und b7 nach 6 fallen: Die ersten beiden Stationen sind „melodisch“.
- Film: Die Farbe m(maj7) ist mit Spionage und Mysterium verbunden (der „Bond Chord“).
Beispielstücke
- „My Funny Valentine“ (Rodgers und Hart): Cm – Cm(maj7) – Cm7 – Cm6, Line-Cliché, der durch das melodische Moll läuft.
- „Stairway to Heaven“ (Led Zeppelin), Intro: der chromatische Abstieg A – G# – G – F# unter Am, wobei G# und F# an das melodische Moll erinnern.
- James-Bond-Thema (Monty Norman / John Barry): die chromatische Stimme H – C – C# – C über Em und der Schluss Em(maj9).
Häufige Fehler
- Melodisch Moll über einem m7-Akkord einer tonalen Progression spielen (Dm7 in C-Dur): Die große Septime (C#) reibt sich am C des Akkords.
- Die klassische Form (abwärts natürlich) mit der Jazz-Form verwechseln.
- Den V7 mit der großen 13 verwenden, weil man an das melodische Moll der Tonika denkt: Das ist in Ordnung, aber bedenke auch harmonisch Moll (b13) für eine dunklere Farbe.
Übung
- Spiele Cm(maj7) – F7 – Cm6 – G7 und improvisiere nur mit C D Eb F G A H.
- Schreibe einen Line-Cliché in d-Moll (Dm – Dm(maj7) – Dm7 – Dm6) auf einem Pad, mit der chromatischen Stimme im Vordergrund.
- Komponiere eine Phrase, die in der melodischen Form aufsteigt und in der natürlichen abfällt, nach klassischer Art.
Verweise
Dur- und Molltonleitern; Dorisch b2; Lydisch übermäßig; Lydisch dominant; Mixolydisch b6; Lokrisch #2; Superlokrisch (alteriert); Chord-Scale-Theorie.