Definition
Eine enharmonische Modulation verwendet einen Akkord, der gleich klingt, aber in den beiden Tonarten anders geschrieben (und gedeutet) wird. Der Pivot-Akkord kommt mit einer Funktion an und geht mit einer anderen weiter. Sie funktioniert nur in der gleichschwebenden Temperatur, wo G# = Ab, C# = Db usw.
1. Verminderter Septakkord
Der verminderte Akkord ist symmetrisch: Seine vier Töne lassen sich als vier verschiedene vii°7-Akkorde lesen.
| Schreibweise | Töne | vii°7 von | Löst auf nach |
|---|---|---|---|
| B°7 | B D F Ab | C / Cm | C oder Cm |
| D°7 | D F Ab Cb | Eb / Ebm | Eb oder Ebm |
| F°7 | F Ab Cb Ebb | Gb / Gbm (= F#) | Gb oder Gbm |
| G#°7 | G# B D F | A / Am | A oder Am |
Somit führt ein einziger verminderter Akkord zu 8 Tonarten (4 Dur- und 4 Molltonarten). Beispiel: In C-Dur scheint B°7 C vorzubereiten; du liest ihn als G#°7 um und löst nach Am auf (nah) oder als D°7 und löst nach Eb auf (fern).
2. Deutsche Sexte ↔ Dominantseptakkord
Die deutsche Sexte in C (Ab – C – Eb – F#) klingt wie Ab7 (Ab C Eb Gb).
- Als deutsche Sexte in C: Ab und F# streben auseinander nach G → geht nach G (V) → C.
- Als Ab7 (V7 von Db): geht nach Db.
Somit: Von C geht man in einem Schritt nach Des (oder umgekehrt). Derselbe Klang verbindet Tonarten im Halbtonabstand.
Beispiel: C – Am – Fm – Ab7 (= Ger+6) – Db.
3. Übermäßiger Dreiklang
C+ = E+ = G#+: drei Lesarten, drei übermäßige Dominanten.
| Lesart | Töne | V+ von | Löst auf nach |
|---|---|---|---|
| C+ | C E G# | F | F oder Fm |
| E+ | E G# B# | A | A oder Am |
| Ab+ | Ab C E | Db | Db oder Dbm (cis-Moll) |
Nützlich, um in großen Terzen zu modulieren (Ganztonsystem).
4. Weitere enharmonische Pivots
- Tristan-Akkord / halbverminderter Akkord: Fø7 (F Ab Cb Eb) = F B D# G# (Lesart „französische Sexte“): Brücke zwischen es-Moll und a-Moll.
- Neapolitaner: In c-Moll ist Db (bII) = Cis-Dur = V von Fis: führt nach Fis (Tritonus).
- Als deutsche Sexte gelesene Dominante: In C wird G7, umgeschrieben als G – B – D – E# (E# = F), zur deutschen Sexte von H: löst nach F# (V von H) auf und führt nach H, einen Halbton unter C.
Wie man es gut schreibt
- Bereite den Akkord in der alten Tonart mit einer glaubwürdigen Funktion vor.
- Halte ihn lange genug, damit man ihn hört (1–2 Takte).
- Löse entschieden in der neuen Tonart auf, möglichst mit einer authentischen Kadenz unmittelbar danach.
- Ändere im Stimmenmaterial die Schreibweise (Ab → G#) an der Stelle, wo die Funktion wechselt.
Beispiele
Der verminderte Akkord als Tor zu entfernten Tonarten ist ein Gemeinplatz der Romantik (Schubert, Chopin, Liszt, Wagner); die als Dominante verwendete deutsche Sexte erscheint oft bei Schubert und Brahms, um in eine Tonart einen Halbton höher zu wechseln. Im Pop findet sich dieselbe Idee in den Tonartwechseln um einen Halbton, die durch einen „doppeldeutigen“ Dominantakkord vorbereitet werden.
Übung für Produzenten
- 4 Takte in C: C – Am – Dm – B°7.
- Statt zu C zurückzukehren, löse B°7 nach Eb auf (als D°7 gelesen): Der letzte Refrain steigt um eine kleine Terz.
- Probiere die Variante mit Ab7: C – F – Ab7 – Db (Refrain einen Halbton höher), nützlich für einen eleganteren Pop-„Key Change“ als der direkte Sprung.
Verwandte Themen
Modulationstechniken, verminderter Septakkord, übermäßige Sextakkorde, übermäßige Akkorde, chromatische und direkte Modulation.