Formel
- Stufen: 1 b2 3 4 5 b6 7.
- Schritte: H 1½ H G H 1½ H (1 3 1 2 1 3 1 Halbtöne).
- Auf C: C Des E F G As H. Auf E: E F Gis A H C Dis. Auf D: D Es Fis G A B Cis.
Sie besteht aus zwei harmonischen Tetrachorden (C Des E F + G As H C), die durch einen Ganzton getrennt sind, und ist symmetrisch um die Tonika (rückwärts gelesen hat sie dieselben Schritte). Sie heißt „doppelt harmonisch“, weil sie zwei übermäßige Sekunden enthält (Des – E und As – H).
Alternative Namen: byzantinisch, arabisch, Gypsy Major, doppelt harmonisch Dur. Sie entspricht (in gleichstufiger Temperierung) dem Raga Bhairav der hindustanischen Musik und, annähernd, dem Maqam Hijaz Kar.
Charakteristischer Ton und Klangfarbe
b2 + große 3 + b6 + große 7: Die Tonika ist von zwei Halbtönen umgeben (H – C – Des) und die Quinte hat einen Halbton über sich (G – As). Die Klangfarbe ist die unmittelbarste „orientalische“ des temperierten Systems: exotisch, feierlich, hypnotisch.
Hauptakkorde (C doppelt harmonisch)
| Stufe | Dreiklang | Septakkord |
|---|---|---|
| I | C | Cmaj7 |
| bII | Db | Dbmaj7 |
| iii | Em | Em6 (E G H Des) |
| iv | Fm | Fm(maj7) |
| V(b5) | G B Db | G7b5 |
| bVI+ | Ab+ | Abmaj7#5 |
| vii | B Db F | mehrdeutiger Akkord (vermindert mit verminderter Terz) |
Der V-Akkord des Modus hat die verminderte Quinte: Es gibt keine „normale“ Dominante. Die typische Harmonik ist statisch: Orgelpunkt auf der Tonika, Wechsel I – bII – I (C – Db – C) oder I – iv – I.
Die sieben Modi
| Modus | Formel | Auf C / Familie |
|---|---|---|
| 1. Doppelt harmonisch Dur | 1 b2 3 4 5 b6 7 | C Db E F G Ab B |
| 2. Lydisch #2 #6 | 1 #2 3 #4 5 #6 7 | Db E F G Ab B C |
| 3. Ultraphrygisch | 1 b2 b3 b4 5 b6 bb7 | E F G Ab B C Db |
| 4. Ungarisch Moll | 1 2 b3 #4 5 b6 7 | F G Ab B C Db E |
| 5. Orientalisch | 1 b2 3 4 b5 6 b7 | G Ab B C Db E F |
| 6. Ionisch #2 #5 | 1 #2 3 4 #5 6 7 | Ab B C Db E F G |
| 7. Lokrisch bb3 bb7 | 1 b2 bb3 4 b5 b6 bb7 | B C Db E F G Ab |
Der 4. Modus, Ungarisch Moll, hat ein eigenes Kapitel.
Einsatz in den Genres
- Surf Rock: „Misirlou“ (Dick Dale, 1962), in E: manche Versionen verwenden die doppelt harmonische Skala, andere das phrygische Dominant-Modus.
- Klassik: Saint-Saëns, Bacchanale aus Samson et Dalila; Debussy, „Soirée dans Grenade“, „La Puerta del Vino“.
- Hard Rock: Ritchie Blackmore (Rainbow, „Gates of Babylon“, „Stargazer“).
- Musical: „Tradition“ (Fiddler on the Roof).
- Jazz: „Nardis“ (Miles Davis), sowohl als doppelt harmonisch als auch als phrygisch dominant zitiert.
- Metal und Soundtracks: Opeth („Bleak“), Hans Zimmer (Dune): die „Wüstenklangfarbe“.
- Indische Musik: Raga Bhairav (früher Morgen).
Melodien
- Die Phrasen kreisen um 7 – 1 – b2 – 1 und b6 – 5: Die beiden Halbtöne „ziehen“ Tonika und Quinte an.
- Der offen gespielte Sprung b2 – 3 (Des – E) ist das klangliche Markenzeichen.
- Verzierungen (Glissandi, Triller, weites Vibrato) vervollständigen den Stil, aber Vorsicht: In den ursprünglichen Traditionen ist die Intonation nicht temperiert.
Häufige Fehler
- Eine Dominante V7 – I zu suchen: Der Modus funktioniert besser mit Orgelpunkt und modalen Wechseln.
- Sie mit dem phrygischen Dominant-Modus zu verwechseln (der die kleine 7 hat).
- Sie als allgemeinen „Exotik-Effekt“ zu verwenden, ohne die Traditionen zu kennen: Arabische und indische Musik verwenden spezifische Intonationen und melodische Verläufe (siehe Maqam und Raga).
Übung
- E-Orgelpunkt (808 oder Cello-Drone) mit Wechsel E – F und einer Melodie in E doppelt harmonisch bei 90 BPM.
- Schreibe dieselbe Melodie in E-Phrygisch dominant (D statt Dis) um und vergleiche.
- Berechne die Modi der doppelt harmonischen Skala von D und finde den, der bei G beginnt (G-Ungarisch Moll).
Verwandte Themen
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