Überblick
Die Zeit ist nur die halbe Miete beim Delay: Die andere Hälfte ist, wie die Wiederholungen klingen. Jede Technologie und jede Konfiguration hat einen eigenen Charakter und eine eigene Rolle im Mix.
Tape-Delay (Bandecho)
- Funktionsweise: Eine Bandschleife läuft an einem Aufnahmekopf und einem oder mehreren Wiedergabeköpfen vorbei; die Zeit hängt vom Abstand der Köpfe und von der Geschwindigkeit ab. Referenzen: Echoplex (1959, Zeit durch Verschieben des Kopfes veränderbar), Roland Space Echo RE-201 (Mitte der 1970er, mehrere Wiedergabeköpfe und Federhall), Binson Echorec (Magnettrommel), Watkins Copicat.
- Charakter: Wiederholungen, die bei jedem Durchlauf Höhen verlieren, weiche Sättigung, Wow und Flutter (schwankende Tonhöhe), Rauschen. Ändert man die Zeit bei laufendem Delay, gleitet die Tonhöhe (der „Band“-Effekt im Dub).
- Einsatz: Gesang (Soul, Rock, Indie), Gitarren, Dub und Reggae (hohes Feedback und Selbstoszillation), Vintage-Synths und -Pads.
- Plugins: Arturia Delay Tape-201, UAD Galaxy Tape Echo (RE-201), Soundtoys EchoBoy (Space-Echo- und Echoplex-Stile), Valhalla Delay (Modus Tape), Waves Abbey Road Reel ADT/J37 Tape Delay. In FL: Fruity Delay 3 mit Modulation auf Time (Rate 0,3–2 Hz, geringe Tiefe), LP-Filter im Feedback (3–5 kHz), Feedback Distortion Sat und Smoothing (bei ausgeschaltetem Keep Pitch) für das Tonhöhengleiten beim Verändern der Zeit.
BBD (Bucket Brigade Device, analog)
- Funktionsweise: Eine Kette von Kondensatoren reicht den analogen Abtastwert wie Wassereimer von Stufe zu Stufe weiter; 1969 von Philips entwickelt. Referenzen: Electro-Harmonix Memory Man (1976), Boss DM-2 (1981), Roland Dimension und die Chorus-Schaltungen der Synths (gleiche Technologie).
- Charakter: dunkle Wiederholungen (Durchlassbereich durch interne Anti-Aliasing-Filter begrenzt), etwas Rauschen und „Schmutz“, warme Modulation. Maximale Zeiten meist 300–600 ms.
- Einsatz: Gitarren, Synths, Lo-Fi-Gesang, Chorus und Flanger.
- Plugins: Arturia Delay Memory-Brigade, Soundtoys EchoBoy (BBD-Stile), Valhalla Delay (BBD), Universal Audio Brigade, TAL-Dub-X. In FL: Fruity Delay 3 mit LP im Feedback bei 2–4 kHz, leichter Modulation, Bits/Samp Rate für ein Minimum an Schmutz.
Digital
- Funktionsweise: tastet das Signal in einen Buffer ab und gibt es nach der eingestellten Zeit wieder aus. Referenzen: Rack-Delays der 1980er (Lexicon PCM 42, TC 2290), Boss DD-2 (1984, das erste digitale Pedal).
- Charakter: saubere, dem Original identische Wiederholungen (wenn nicht gefiltert), lange Zeiten, Präzision, kein Rauschen.
- Einsatz: moderner Pop, EDM, präzise Rhythmen, lange Ambient-Delays (auch mit Filtern und Modulation, damit sie weniger aufdringlich sind).
- Plugins: Fruity Delay 3 (mit ausgeschalteten Filtern), FabFilter Timeless 3, Waves H-Delay, Valhalla Delay (Digital), Ableton Echo/Delay.
Ping-Pong
- Funktionsweise: Die Wiederholungen wechseln zwischen links und rechts. Varianten: Start auf einer Seite (Offset), Ping-Pong mit unterschiedlichen Zeiten L/R (z. B. 1/8 links, 1/4 rechts).
- Einsatz: Plucks, Leads, Gitarren, Ad-libs, Effekte; schafft Breite und Bewegung, ohne die Mitte zuzudecken.
- Einstellung: 1/8 oder 3/16, Feedback 25–40 %, HP 200–300 Hz, Pegel −10/−15 dB.
- In FL: Fruity Delay 3, Modell Ping Pong; Stereo Spread für die Breite.
- Achtung: In Mono wird das Ping-Pong zu einem normalen Delay: Prüfe, dass es in der Summe nicht zu laut wird.
Multitap
- Funktionsweise: Mehrere „Köpfe“ lesen mit unterschiedlichen Zeiten aus demselben Buffer, jeder mit eigenem Pegel, Pan und manchmal eigenem Filter. Es lassen sich rhythmische Muster erzeugen (1/16, punktiertes 1/8, 1/4 …) oder, mit vielen eng beieinanderliegenden Köpfen, hallähnliche Texturen.
- Einsatz: Rhythmen auf Gitarren und Synths („The Edge“-Stil), Übergangseffekte, Muster auf Percussion.
- Plugins: Fruity Delay Bank (FL, mehrere Delays mit Filtern und Routing), Multiband Delay (FL, 16 Bänder mit Zeit, Lautstärke und Pan je Band: unterschiedliche Delays je Frequenz, Resonanzeffekte mit Harmonic Scale), Soundtoys PrimalTap und EchoBoy (Modus Rhythm), Valhalla Delay (Multi-Head-Modus), Waves SuperTap.
Slapback
- Funktionsweise: eine einzige kurze Wiederholung (etwa 60–150 ms, bis 250 ms) mit Feedback 0–10 %. Berühmt geworden durch Sam Phillips in den Sun Studios bei Elvis Presley (1950er), erzeugt mit der Bandmaschine.
- Charakter: verdoppelt und gibt Präsenz, ein Vintage-„Raum“ ohne Hall.
- Einsatz: Rockabilly-, Country-, Rock-, Indie-Gesang, Rap-Gesang (Slap 80–120 ms ganz leicht), Gitarren, Snare.
- Einstellung: 90–130 ms (oder 1/16–1/32 im Tempo), Feedback 0–5 %, LP 4–6 kHz, Pegel −8/−14 dB, Mono oder leicht aus der Mitte verschoben.
Throw (Wurf-Delay)
- Funktionsweise: Es ist kein Gerätetyp, sondern eine Technik: Man schickt nur ein Wort, eine Silbe oder einen Schlag (das letzte Wort einer Phrase, ein Ad-lib, eine Snare) ins Delay, und die Wiederholungen füllen die folgende Pause.
- So geht es in FL: Automation des Send-Reglers zur Delay-Spur (Automation Clip auf dem Send oder Fruity Send mit automatisierter Lautstärke) oder die Clip des Wortes auf eine separate Spur duplizieren, die nur ins Delay geschickt wird. 1/4- oder 1/2-Delay, Feedback 30–50 %, Filter und oft ein Hall nach dem Delay.
- Einsatz: Pop, Hip-Hop, Trap, R&B, Reggae (Dub-Throw auf Snare und Gesang), EDM (Ende des Build-ups).
Weitere kurze Zeiten
- Doubling: 30–50 ms mit leichter Modulation: „verdoppelter“ Gesang oder verdoppelte Gitarre (ADT). Unter 30 ms bewegt man sich im Haas-/Flanger-/Chorus-Bereich.
- Haas: 1–35 ms nur auf einer Seite: verbreitert (siehe Guide „Haas-Effekt“).
Schneller Vergleich
| Typ | Charakter | Haupteinsatz | Typische Zeit |
|---|---|---|---|
| Tape | warm, dunkel, moduliert, gesättigt | Gesang, Dub, Gitarren | 1/8–1/4, 300–600 ms |
| BBD | dunkel, schmutzig, moduliert | Gitarren, Synths | 200–500 ms |
| Digital | sauber, präzise | Pop, EDM, Ambient | beliebig |
| Ping-Pong | breit, Bewegung | Plucks, Leads, Ad-libs | 1/8, 3/16 |
| Multitap | rhythmisch, komplex | Gitarren, Synths, Effekte | Muster |
| Slapback | Vintage-Präsenz | Gesang, Rockabilly-Gitarren | 60–150 ms |
| Throw | punktueller Effekt | Phrasenenden, Snares | 1/4–1/2 |
Häufige Fehler
- Saubere, laute digitale Delays unter dem Gesang: Sie konkurrieren; filtere sie oder nimm ein Tape/BBD.
- Zu langer Slap (über 150–200 ms) bei schnellen Tempi: klingt wie ein Echo außerhalb des Tempos.
- Zu lautes Ping-Pong: In Mono verdoppelt sich der Pegel der Wiederholungen.
- Throw ohne Hall oder Filter: „klebriger“, trockener Klang.
So hörst du es
- Derselbe Gesang mit Tape, BBD und Digital bei gleichem Pegel: Vergleiche, wie weit die Wiederholungen „hinten“ stehen.
- Slap: Starte bei 200 ms und gehe herunter bis 90 ms: Du hörst, wie sich das Echo in Präsenz verwandelt.
Ausgangseinstellungen
| Parameter | Wert | Warum |
|---|---|---|
| Slapback | 60–150 ms, Feedback 0–10 % | Vintage-Präsenz ohne Echo. |
| Tape: Modulation | Rate 0,3–2 Hz, geringe Tiefe | Wow/Flutter. |
| BBD: LP im Feedback | 2–4 kHz | Dunkle Wiederholungen. |
| Ping-Pong | 1/8 oder 3/16, Feedback 25–40 % | Breite und Bewegung. |
| Throw | 1/4–1/2, Feedback 30–50 %, Send-Automation | Effekt nur dort, wo er gebraucht wird. |
| Doubling | 30–50 ms mit Modulation | Künstliche Verdopplung. |
Frequenzen im Blick
| Bereich | Was zu tun ist |
|---|---|
| Unter 200–300 Hz | Ping-Pong und Multitap: HP auf dem Return, um das Low End nicht zu füllen. |
| 2–5 kHz | Tape und BBD schneiden schon hier ab: Wiederholungen stehen natürlicherweise weiter hinten. |
| Über 6 kHz | Saubere digitale Delays: LP, um wiederholte Zischlaute zu vermeiden. |
Beispiel-Signalkette
| Schritt | Werkzeug | Einstellungen | Warum |
|---|---|---|---|
| Quellspur | EQ, Kompression, De-Esser | — | Sauberes Signal ins Delay. |
| Automatisierter Send (Throw) | Automation Clip auf dem Send / Fruity Send | Nur auf ausgewählten Wörtern/Schlägen | Punktueller Effekt. |
| Delay des gewählten Typs | Fruity Delay 3 / Fruity Delay Bank / Multiband Delay / EchoBoy / Delay Tape-201 / Memory-Brigade / Valhalla Delay | Siehe Tabelle | Charakter der Wiederholungen. |
| EQ auf dem Return | Fruity Parametric EQ 2 | HP 200–400 Hz, LP 4–8 kHz | Einbindung in den Mix. |
| Hall danach | Fruity Reeverb 2 / LuxeVerb | Send vom Delay | In den Raum eingebettete Fahnen. |
So prüfst du das Ergebnis
- Slapback: ein einziges Echo im Oszilloskop, 60–150 ms nach dem Schlag.
- Ping-Pong: Eine auch negative Korrelation des Returns ist normal, aber der Gesamtmix bleibt über +0,2; in Mono werden die Wiederholungen nicht lauter als die Quelle.
- Throw: Das Echo fällt in die folgende Pause und klingt vor der nächsten Phrase ab (oder wird per Ducking abgesenkt).