Wozu sie dient
Die Analyse mit römischen Ziffern beschreibt jeden Akkord nach der Stufe der Tonleiter, auf der er aufgebaut ist, und damit nach seiner Funktion in der Tonart (zu den Schreibkonventionen siehe „Römische Ziffern in der Analyse“). Dieser Beitrag ist eine praktische Methode, die für einen Choral, eine Sonate oder einen Popsong gilt.
Konvention des Archivs: In Moll beziehen sich die römischen Ziffern auf natürlich Moll (in a-Moll: i, ii°, III, iv, v, VI, VII); die Dur-Dominante mit erhöhtem Leitton wird V (oder V7) geschrieben und als Entlehnung aus harmonisch Moll gekennzeichnet.
Schritt 1: Finde die Tonart
- Sieh dir die Vorzeichen und die Kadenzen an (vor allem die letzte).
- In Moll suche den alterierten Leitton (in a-Moll G♯), der auf den Dominanten erscheint.
- Im Pop: der Akkord, auf dem das Stück „ruht“, und der Ton, auf dem die Refrainphrasen enden.
Schritt 2: Bestimme jeden Akkord
- Sammle alle Töne eines Abschnitts mit gleicher Harmonie (oft ein Schlag oder ein Takt).
- Streiche die akkordfremden Töne (Durchgänge, Wechselnoten, Vorhalte, Appoggiaturen): Sie stehen meist auf kurzen Noten, stufenweise, auf unbetonten Zeiten oder lösen sich auf.
- Ordne die übrigen Töne in Terzen, um den Grundton zu finden.
- Bestimme die Qualität (Dur, Moll, vermindert, übermäßig, Septakkorde).
Schritt 3: Schreibe Ziffer und Umkehrung
- Römische Ziffer der Stufe des Grundtons, groß oder klein je nach Qualität.
- Umkehrung mit den Ziffern (6, 6/4, 6/5, 4/3, 4/2), wobei man auf den tiefsten Ton achtet, nicht auf den Grundton.
- Im Pop kannst du die Slash-Notation (I/3, V/7) oder römische Ziffern mit Bass (I6 = C/E) verwenden.
Schritt 4: Erkenne die besonderen Funktionen
- Zwischendominanten: ein Dur- oder Septakkord der Dominante auf einer Stufe, die normalerweise Moll ist (in C: E7 = V7/vi, A7 = V7/ii, D7 = V7/V).
- Entlehnte Akkorde (Modal Interchange): Akkorde der parallelen Tonart (in C: Fm = iv, A♭ = ♭VI, B♭ = ♭VII).
- Chromatische Akkorde: neapolitanischer Sextakkord (♭II6), übermäßige Sextakkorde, verminderte Septakkorde.
- Kadenzquartsextakkord: I6/4, gefolgt von V auf demselben Basston (oft als V6/4–5/3 geschrieben).
Schritt 5: Markiere Kadenzen und Modulationen
- Kadenzen: authentische Ganzschlusskadenz (PAC), unvollkommene authentische Kadenz (IAC), Halbschluss (HC), Trugschluss (DC), plagale Kadenz.
- Modulation: wenn ein neues Zentrum durch eine Kadenz bestätigt wird. Finde den Pivot-Akkord (Umdeutungsakkord), der beiden Tonarten angehört, und schreibe ihn mit doppelter Analyse (zum Beispiel C-Dur → G-Dur: Am = vi in C = ii in G).
Schritt 6: Betrachte die Struktur
Gruppiere die Akkorde zu Phrasen (wo liegen die Kadenzen?) und zu Funktionen (T – SD – D – T). Eine klassische Phrase verläuft so: Tonikaprolongation → Subdominante → Dominante → Tonika.
Beispiel 1 (C-Dur, 4/4, ein Akkord pro Takt)
| T. | Akkord | Analyse | Kommentar |
|---|---|---|---|
| 1 | C | I | Tonika |
| 2 | Am | vi | Tonikaprolongation |
| 3 | Dm7 | ii7 | Subdominante |
| 4 | G7 | V7 | Dominante, Halbschluss oder Fortsetzung |
| 5 | C | I | |
| 6 | E7/G♯ | V6/5/vi | Zwischendominante des vi |
| 7 | Am | vi | |
| 8 | A7 | V7/ii | Zwischendominante des ii |
| 9 | Dm | ii | |
| 10 | Fm/A♭ | iv6 | Entlehnung aus der parallelen Molltonart (Bass A♭) |
| 11 | C/G – G7 | I6/4 – V7 | Kadenzquartsextakkord |
| 12 | C | I | authentische Kadenz |
Beispiel 2 (a-Moll, Ziffern bezogen auf natürlich Moll)
Am – G – F – E7 – Am: i – VII – VI – V7 – i. Das VII (G) und das VI (F) sind leitereigen in natürlich Moll; E7 ist die Dominante mit dem Leitton G♯ aus harmonisch Moll. Es ist die Andalusische Kadenz, auf der Tonika geschlossen.
Beispiel 3 (Pop, G-Dur)
G – D/F♯ – Em – C – G/B – Am7 – D: I – V6 – vi – IV – I6 – ii7 – V. Der Bass fällt stufenweise G–F♯–E–C–B–A–D: Die Umkehrungen ergeben sich aus der Basslinie.
Häufige Fehler
- Durchgangsnoten als Akkorde analysieren (zu viele römische Ziffern).
- Den Bass mit dem Grundton verwechseln (Am/C ist kein „III“, sondern i6 in a-Moll oder vi6 in C).
- Die Tonikalisierung nicht erkennen: ein E7, das nach Am geht, in C „III“ nennen (es ist V7/vi).
Übung
Analysiere mit römischen Ziffern: einen Bach-Choral (8 Takte), das erste Thema eines Mozart-Menuetts und die Akkordfolge eines deiner Lieblingsstücke. Schreibe unter jeden Akkord auch die Funktion (T, SD, D).
Verweise
Römische Ziffern in der Analyse, Umkehrungsbezifferung in der harmonischen Analyse, Diatonische Funktionen, Kadenzen, Zwischendominanten, Modal Interchange, Modulationstechniken, Analyse eines Jazzstücks anhand eines Lead Sheets.