HarmonielehreFortgeschritten3 Min. Lesezeit

Harmonik im Metal: Powerchord, Chromatik, Tritonus und dunkle Modi

Der Powerchord und die Verzerrung

Der Powerchord (C5) besteht aus Grundton und Quinte (C – G), oft mit der Oktave (C – G – C). Er hat keine Terz: Er ist weder Dur noch Moll. Der Grund ist akustisch: Bei starker Verzerrung erzeugen die Intervalle Intermodulationsprodukte (Summen- und Differenzfrequenzen). Bei einer reinen Quinte (Verhältnis 3:2) ist die Differenzfrequenz die Hälfte des Grundtons, also eine Oktave tiefer: Das verstärkt den Bass und klingt „kraftvoll“. Bei einer großen Terz (etwa 5:4, und in der gleichstufigen Stimmung leicht erhöht) häufen sich Produkte höherer Ordnung dicht beieinander und schweben wegen der temperierten Stimmung: Der Klang wird schmutzig und verwaschen. Deshalb verwendet man im Metal Terzen vor allem in cleanen Arpeggien, Harmonien von Sologitarren und Keyboards/Orchester.

Stimmungen und Frequenzen (tiefste Saite)

StimmungTonFrequenz
StandardE282,4 Hz
Drop DD273,4 Hz
Drop CC265,4 Hz
H-Standard (oder 7-Saiter)H161,7 Hz
8-Saiter (Fis)Fis146,2 Hz

Tiefere Stimmungen = Powerchords mit einem Finger, Riffs auf der leeren Saite, Sub-Bass-Energie (Vorsicht beim Zusammenspiel mit E-Bass und Bassdrum).

Der Tritonus

Der Tritonus (diabolus in musica) ist das Symbol des Metal: Das Riff des Stücks Black Sabbath (Black Sabbath, 1970) ist auf G – G (Oktave) – Cis/Des aufgebaut, also auf einem Tritonus. Der Tritonus erscheint als b5 über der Tonika in Riffs (E – B), in Gitarrenharmonisierungen und in verminderten Arpeggien.

Modi und Skalen

SkalaCharakteristischer TonVerwendung im Metal
Äolischb6klassischer Heavy Metal, Melodic Death
Phrygischb2Thrash, Death: Riffs auf E – F
Phrygisch dominantb2 und große 3neoklassisch, Oriental Metal
Harmonisch Mollgroße 7 (Leitton)neoklassisch (Malmsteen), Power Metal
Lokrischb5sehr dissonante Riffs
Vermindert / GanztonleiterSymmetrien„gruselige“ Arpeggien und Läufe
ChromatischHalbtöne„Chug“-Riffs und Death Metal

Typische Progressionen (E)

ProgressionAkkordeFarbe
i – bVI – bVIIE5 – C5 – D5episch (äolisch)
i – bIIE5 – F5phrygisch, Bedrohung
i – bVE5 – B5Tritonus, Horror
i – bVI – bIII – bVIIEm – C – G – DPower-/Melodic Metal
i – iv – V (harmonisch Moll)Em – Am – Hneoklassisch
chromatischE5 – F5 – Fis5 – G5Thrash, Stoner
OrgelpunktE – (Melodie über der leeren Saite)Thrash, Djent

Harmonisierungen

  • Twin-Gitarren in Terzen (Iron Maiden, Thin Lizzy): zwei Gitarren, in diatonischen Terzen der Mollskala harmonisiert.
  • Parallele Quarten und Quinten: archaischerer, „massiverer“ Klang.
  • Oktaven: Klarheit in den Themen.
  • Black Metal: offene Akkorde mit Dissonanzen (Sekunden und Nonen), im Tremolo-Picking gespielt.
  • Djent/Progressive: erweiterte Akkorde (add9, maj7) und cleane Cluster im Wechsel mit rhythmischen Riffs in Polyrhythmik.

Tipps für Produzenten

  • Je tiefer die Stimmung, desto einfacher müssen die Akkorde darunter sein: Unter 100 Hz spielt nur der Grundton (und höchstens die Quinte).
  • Der E-Bass verdoppelt den Grundton des Powerchords, oft eine Oktave tiefer; verzahne ihn mit der Bassdrum (Doppelbassdrum in Sechzehnteln bei 180 BPM = 12 Schläge pro Sekunde).
  • Akkorde mit Terz gehören in Keyboards, Orchester oder cleane Gitarren.

Übung

  1. Riff in Drop D bei 140 BPM: D5 (leere Saite) in Sechzehnteln mit Akzenten, dann Es5 (b2) und As5 (b5): Phrygisch + Tritonus.
  2. Zweite Gitarre: Harmonisiere die Refrainmelodie in Terzen in der natürlichen d-Moll-Skala.
  3. Bridge: Dm – Bb – C (i – bVI – bVII) mit Orchester-Keyboards, die die Terzen spielen.

Verweise

Phrygisch im Flamenco und Metal, Äolisch und Lokrisch, Mixolydisch im Rock, die Obertonreihe und das Timbre, Andalusische Kadenz.

Quellen

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