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Sus-Akkorde als Dominanten und Polymodalität (Maiden Voyage)

Der Sus-Akkord als „Dominante ohne Tritonus“

Ein 7sus4 (G7sus4 = G C D F) ersetzt die Terz B durch die Quarte C. Der Tritonus B–F fehlt, daher ist die Dominantspannung schwebend: Der Akkord kann nach C auflösen, als modale Farbe stehen bleiben oder sich anderswohin bewegen. Die wichtigsten Formen:

AkkordTöneHybride Entsprechung
G7sus4G C D F—
G9sus4G C D F AF/G, Dm7/G
G13sus4G C D F A Eetwa Fmaj7/G (G F A C E)
Gsus4(b9)G C D F Abschwebendes Phrygisch, Ab/G = „Phrygian Chord“

Im modernen Jazz (seit den 1960ern) und im zeitgenössischen Pop sind F/G und Dm7/G die gängigste Art, eine „weiche“ Dominante zu schreiben.

Maiden Voyage: das Modell

Maiden Voyage von Herbie Hancock (gleichnamiges Album, 1965) hat die AABA-Form mit 32 Takten mit nur einem Akkord alle 4 Takte, alle hybrid/sus:

AbschnittAkkordeLesarten
AAm7/D – Cm7/FD9sus4 (D11), F9sus4 (F11)
AAm7/D – Cm7/Fdito
BBbm7/Eb – Dbm9 (auch als C#m13 oder Abm7/Db gelesen)Eb11, dann Moll
AAm7/D – Cm7/Fdito

Keiner der Akkorde löst auf: Jeder ist ein Modus (D-Mixolydisch sus, F-Mixolydisch sus, Es-Mixolydisch sus, Des/Cis-Dorisch). Das Stück wechselt von einem Modus zum anderen: ein Beispiel für polymodalen modalen Jazz (mehrere Modi nacheinander, ohne gemeinsame Tonart).

Polymodalität: zwei Bedeutungen

  1. Sukzessiv (modaler Jazz): Jeder Akkord oder Abschnitt hat seinen Modus und sein Zentrum (Maiden Voyage, viele Stücke von Wayne Shorter und Chick Corea).
  2. Simultan auf demselben Zentrum (Bartók): zwei verschiedene Modi auf derselben Tonika, gleichzeitig gespielt. Bartók nannte die Verbindung zum Beispiel von C-Lydisch (C D E F# G A B) und C-Phrygisch (C Db Eb F G Ab Bb) „polymodale Chromatik“: Zusammen enthalten sie alle 12 Töne, aber jede Schicht bleibt modal.

Wie man die Skala über einem Sus-Akkord wählt

AkkordSkalaAnmerkungen
G7sus4 / F/GG-Mixolydischdie 3 (B) kann als Durchgangston auftauchen
G9sus4 ohne AuflösungG-Mixolydisch oder G-Dorischdorisch für eine dunklere Farbe
Gsus4(b9)G-Phrygisch oder Phrygisch-Dominant„spanische“ oder dunkle modale Farbe
Dm7/G (ii über dem Bass des V)G-Mixolydischdie Lesart „ii–V in einem Akkord“

Das Sus im Pop und in der Elektronik

  • Sus2 und Sus4 als Ruheakkorde: Cadd9 und Csus2 in den Pads von Coldplay und im Pop der 2000er bis 2020er.
  • Joni Mitchell baute viele Stücke auf offenen Stimmungen und Sus-Akkorden ohne Terz: Dur/Moll-Mehrdeutigkeit.
  • EDM und Future Bass: Sus4 → Dur (Gsus4 → G) für emotionale „Drops“.

Übung für Produzenten

  1. Spiele die Form von Maiden Voyage bei 120 BPM im 4/4-Takt mit einem Straight-Groove nach: Am7/D (4 Takte) – Cm7/F (4 Takte), ×2; Bbm7/Eb (4) – Abm7/Db (4); wieder das A.
  2. Klavier oder Rhodes: wiederholter synkopierter Rhythmus (Akkord auf 1 und auf dem „und“ der 2).
  3. Improvisiere mit dem Modus jedes Akkords: D-Mixolydisch, F-Mixolydisch, Es-Mixolydisch, Des-Dorisch. Höre, wie sich das Licht ohne Kadenzen verändert.

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Quellen

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