Drei Tonleitern, eine Tonart
In Moll verwendet man die drei Formen der Tonleiter gemeinsam, und jede liefert andere Akkorde. In a-Moll:
- Natürlich: Am7 Hm7b5 Cmaj7 Dm7 Em7 Fmaj7 G7 (i7 iiø7 IIImaj7 iv7 v7 VImaj7 VII7).
- Harmonisch: E7 (V7) und Gis°7 (vii°7), dazu Am(maj7) und Cmaj7#5.
- Melodisch: D7 (IV7, dorische Farbe), Fism7b5 (viø7), Hm7 (ii7).
Die Komponistin oder der Komponist wählt jeweils: natürliches v für einen modalen Klang, harmonisches V für eine klare Kadenz.
Typische Progressionen
- i – iv – V7 – i: Am Dm E7 Am (klassische Kadenz).
- i – VI – III – VII: Am F C G (Pop und Trap).
- Andalusische Kadenz i – VII – VI – V: Am G F E.
- i – iiø – V – i: Am Hm7b5 E7 Am (Jazz-Moll-ii–V–i).
- i – IV – i: Am D Am (dorisch, Funk).
- Pikardische Terz: Schluss auf A-Dur statt Am, hellt den letzten Takt auf.
Melodie in Moll
Über E7 verwendet die Melodie Gis (nicht G); über Am kann sie G natürlich verwenden. Der Übergang F–Gis (übermäßige Sekunde) ist charakteristisch, sollte aber mit Absicht eingesetzt werden; um sanft aufzusteigen, verwendet man Fis–Gis (melodisch).
Beispiel aus der Praxis
„Hit the Road Jack“ (Ray Charles, 1961) läuft ganz über die andalusische Kadenz; „Losing My Religion“ (R.E.M., 1991) wechselt dagegen zwischen Am und Em, also dem Moll-v der natürlichen Tonleiter, und vermeidet bewusst die Durdominante: Das Stück bleibt schwebend und modal.