Arrangement und OrchestrierungExperte3 Min. Lesezeit

Harfe: Pedale, Tonumfang und Schreibweise

Das Instrument

Die Pedalharfe für Konzertzwecke hat 47 Saiten und einen Tonumfang von Ces1 bis Gis7. Die Saiten sind diatonisch gestimmt (grundsätzlich in Ces-Dur); 7 Pedale, eines für jeden Tonnamen, erhöhen alle Saiten mit diesem Namen um einen Halbton oder zwei. Jedes Pedal hat drei Stellungen: b (oben), Naturton (Mitte), Kreuz (unten). Die C-Saiten sind rot, die F-Saiten schwarz oder blau, zur Orientierung.

Anordnung der Pedale

  • Linker Fuß: D, C, H
  • Rechter Fuß: E, F, G, A

Das Pedaldiagramm schreibt man so: D C H | E F G A, mit angegebenen Stellungen. Beispiel für C-Dur: alle Naturtöne. Für Es-Dur: B, Es, As, die übrigen Naturtöne.

Folgen für den Komponisten

  • Begrenzte Chromatik: Jeder Pedalwechsel braucht Zeit; schnelle chromatische Passagen sind schwierig oder unmöglich.
  • Enharmonik als Ressource: Zwei Saiten können denselben Ton erzeugen (z. B. His und C); das erlaubt repetierte Akkorde und „getrickste“ Glissandi.
  • Höchstens 4 Finger pro Hand (der kleine Finger wird nicht benutzt): Akkorde aus 4 Tönen pro Hand, Spannweite der Hand etwa eine Dezime.

Glissandi

Das Glissando erklingt über alle Saiten im Bereich, das Ergebnis hängt also von den Pedalen ab:

  • bei allen Pedalen auf Naturton: C-Dur-Tonleiter;
  • C-Pentatonik (C D E G A): F auf Fes (= E) und H auf His (= C) stellen;
  • verminderter Septakkord auf C (C Es Fis A): Dis, Es, Fis, Ges, A, His, C. Jeder Ton des Glissandos ist ein Akkordton.

Glissandi sind typische Effekte für Magie, Traum, Übergänge (viel verwendet in Disney-Filmen und in Traumszenen).

Flageoletts

Das Oktavflageolett erhält man, indem man die Saite in der Mitte mit dem Handballen berührt; zarter, glockenartiger Klang. Man schreibt es gewöhnlich auf dem Ton der Saite mit einem kleinen Kreis, und es klingt eine Oktave höher (die Konventionen variieren: in der Partitur angeben). Es funktioniert am besten im mittleren Register (C3–C5).

Weitere Techniken

  • Près de la table: nahe am Resonanzboden, metallischer, gitarrenhafter Klang.
  • Xylophonic / sons étouffés: abgedämpfte Saiten, trockener Klang.
  • Bisbigliando: sehr schnelles, leichtes Tremolo zwischen zwei auf denselben Ton gestimmten Saiten.
  • Arpeggien in allen Registern: die natürlichste Schreibweise; die Harfe ist vor allem ein Instrument gebrochener Akkorde.

Register und Charakter

  • Tiefe (Ces1–C3): resonant, tief, aber wenig definiert; nützlich für einzelne Basstöne.
  • Mitte (C3–C5): das Herz des Instruments, warm und sanglich.
  • Höhe (C5–Gis7): brillant, kurz, glockenartig; verklingt schnell.

Die Harfe im Orchester und im Pop

  • Im Orchester verdoppelt sie die Celesta oder die Pizzicati, begleitet solistische Holzbläser mit Arpeggien und färbt die Schlüsse.
  • Im Pop: Balladen (Björk — Vespertine, 2001, mit Harfe von Zeena Parkins), Dream Pop, Soundtracks; im R&B und Hip-Hop als Sample (viele Beats von Kanye West und von Trap-Produzenten verwenden gesampelte Harfen).
  • In virtuellen Bibliotheken existiert das Pedalproblem nicht, aber für eine glaubwürdige Harfe schreibt man am besten so, als gäbe es es: keine schnellen Chromatiken, Glissandi im Einklang mit einer Pedalstellung.

Praktische Übung

Schreibe eine Harfenbegleitung von 8 Takten in Es-Dur (Eb–Cm–Ab–Bb) in Arpeggien über 2 Oktaven, linke Hand im Register C2–C3. Schreibe das Pedaldiagramm. Füge ein pentatonisches Glissando zum nächsten Abschnitt hinzu und gib die nötigen Pedale an.

Verweise

Orchestrierung: Familien, Tonumfänge und Mischungen, Tasteninstrumente im Orchester, Verdopplungen und orchestrale Mischklänge, Begleitmuster am Klavier.

Quellen

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