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Einfache und zusammengesetzte Intervalle

Definition

Ein einfaches Intervall liegt innerhalb der Oktave (vom Einklang bis zur Oktave). Ein zusammengesetztes Intervall überschreitet die Oktave: None (9), Dezime (10), Undezime (11), Duodezime (12), Tredezime (13), Quartdezime (14), Doppeloktave (15) und darüber hinaus. Jedes zusammengesetzte Intervall ist ein einfaches plus eine oder mehrere Oktaven und behält dieselbe Qualität (groß, klein, rein, übermäßig, vermindert).

Umrechnungsregel: zusammengesetzt = einfach + 7 (nicht +8, weil der Zielton der Oktave doppelt gezählt wird). Also Sekunde + Oktave = None, Terz + Oktave = Dezime, Terz + zwei Oktaven = 17.

Vollständige Tabelle

ZusammengesetztEinfachHalbtöne (Standardqualität)Beispiel von C4
Kleine NoneKleine Sekunde13C4–Db5
Große NoneGroße Sekunde14C4–D5
Übermäßige NoneÜbermäßige Sekunde15C4–D#5
Kleine DezimeKleine Terz15C4–Eb5
Große DezimeGroße Terz16C4–E5
Reine UndezimeReine Quarte17C4–F5
Übermäßige UndezimeÜbermäßige Quarte18C4–F#5
Reine DuodezimeReine Quinte19C4–G5
Kleine TredezimeKleine Sexte20C4–Ab5
Große TredezimeGroße Sexte21C4–A5
Kleine QuartdezimeKleine Septime22C4–Bb5
Große QuartdezimeGroße Septime23C4–B5
Reine Doppeloktave (15)Oktave24C4–C6

Hinweis: Übermäßige None und kleine Dezime haben dieselbe Halbtonzahl, aber verschiedene Namen (Enharmonik): In C7#9 ist der Ton D# (übermäßige None), nicht Eb.

Warum man die zusammengesetzten Namen verwendet

  • In Akkordsymbolen: 9, 11, 13 bezeichnen Tensions über dem Septakkord. C9 ist nicht „C mit irgendeinem D“, sondern ein Septakkord mit None. Ein „add2“ und ein „add9“ enthalten dieselbe Tonklasse; das erste legt ein enges Voicing nahe (D nahe am C), das zweite ein D über dem Akkord.
  • Im Generalbass und im Kontrapunkt: Man unterscheidet die None (Dissonanz, die sich in die Oktave auflöst, Vorhalt 9–8) von der Sekunde (die sich in den Einklang oder die Terz auflöst).
  • In der Obertonreihe: Die Intervalle vom Grundton aus sind zusammengesetzt: Der 3. Oberton ist eine Duodezime, der 5. eine 17. (große Septdezime, zwei Oktaven + Terz), der 7. etwa eine kleine 21. (zwei Oktaven + zu tiefe kleine Septime).

Zusammengesetzte Intervalle und Register: das „Low Interval Limit“

Enge Intervalle in der tiefen Lage werden matschig, weil die Obertöne der beiden Töne im selben kritischen Band des Ohrs kollidieren. Die Tabellen des Berklee-Programms (Low Interval Limits) geben grob an: große Terz nicht unter etwa Bb2, kleine Terz nicht unter etwa C3, reine Quinte brauchbar bis etwa Bb1, kleine None nicht unter etwa E2. Die Werte variieren etwas zwischen den Lehrwerken, aber das Prinzip ist klar: In der Tiefe weit setzen (Quinte, Oktave, Dezime), in der Höhe kann man enger setzen. Deshalb lautet das klassische Klaviervoicing „Oktave oder Quinte unten, Terzen und Septimen oben“, und die Dezime (C–E eine Oktave höher) ist das typische Intervall der linken Hand im Stride und in Balladen.

Umkehrung zusammengesetzter Intervalle

Um ein zusammengesetztes Intervall umzukehren, reduziere es zuerst auf ein einfaches: Die große Dezime wird zur großen Terz, deren Umkehrung die kleine Sexte ist. Summe der Umkehrungen einfacher Intervalle = 9.

Beispiele in Stücken

  • Die Melodie von „Somewhere Over the Rainbow“ (Harold Arlen) beginnt mit einem Oktavsprung; viele Filmthemen verwenden Sprünge über eine None oder Dezime, um Schwung zu geben.
  • Die linke Hand des Stride-Pianos (Fats Waller, Art Tatum) wechselt zwischen Bass und Akkord und nutzt in der Tiefe oft weite Dezimen.
  • Der „Hendrix-Akkord“ (E7#9, in „Purple Haze“) enthält das G als übermäßige None, über dem G# der Terz.

Übung für Produzenten

  1. Spiele auf einem Pad in C-Dur C3–E3–G3 und dann C2–G2–E3: Vergleiche die Klarheit des Basses. Wiederhole das in einem Mix mit Kick und Bass.
  2. Schreibe eine Progression mit Bass in Oktaven und rechter Hand mit Dezimen und Tredezimen: Höre die Öffnung.
  3. Trainiere das Gehör: Singe C und dann D eine Oktave höher (große None); mache dasselbe mit Dezimen und Duodezimen.

Verweise

Intervalle und ihre Umkehrungen; None-Akkorde; Erweiterungen und Tensions; Voicing: eng, weit, Drop 2, Shell; Die Obertonreihe.

Quellen

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