Definition
Die Taktangabe (Time Signature) ist der Bruch am Anfang des Stücks. Die obere Zahl sagt, wie viele Einheiten ein Takt enthält, die untere, welcher Notenwert die Einheit ist (2 = halbe Note, 4 = Viertelnote, 8 = Achtelnote, 16 = Sechzehntelnote). Das Metrum ist die wahrgenommene Organisation der Zählzeiten (Beats) in starke und schwache Gruppen.
Die zwei großen Familien
- Einfache Taktarten: Die Zählzeit teilt sich in zwei Teile. Die Zählzeit ist ein nicht punktierter Notenwert (Viertelnote in 2/4, 3/4, 4/4; halbe Note in 2/2; Achtelnote in 3/8).
- Zusammengesetzte Taktarten: Die Zählzeit teilt sich in drei Teile. Die Zählzeit ist ein punktierter Notenwert (punktierte Viertelnote in 6/8, 9/8, 12/8). Regel: Ist der Zähler 6, 9 oder 12, ist die Zahl der Zählzeiten Zähler ÷ 3.
| Zählzeiten pro Takt | Einfach | Zusammengesetzt |
|---|---|---|
| 2 (zweizeitig) | 2/4, 2/2 (¢, alla breve) | 6/8, 6/4 |
| 3 (dreizeitig) | 3/4, 3/8, 3/2 | 9/8 |
| 4 (vierzeitig) | 4/4 (C), 4/2 | 12/8 |
Das Symbol C bedeutet 4/4 („gewöhnlicher Takt“), ¢ bedeutet 2/2 (alla breve): dieselben Noten wie in einem 4/4, aber in zwei großen Zählzeiten empfunden.
Metrische Akzente
- 2/4: schwer – leicht.
- 3/4: schwer – leicht – leicht.
- 4/4: schwer – leicht – halbschwer – leicht.
- 6/8: schwer (1) – leicht (4), jede Zählzeit in drei Achtel geteilt.
- 12/8: vier punktierte Zählzeiten, das „Feel“ der Blues- und Soul-Balladen.
Das Metrum ist eine Erwartung: Die Synkope funktioniert gerade deshalb, weil sie die erwarteten Akzente verrät.
3/4 oder 6/8? Der am meisten missverstandene Unterschied
Beide enthalten sechs Achtel, aber:
- 3/4 = 3 Zählzeiten zu je 2 Achteln: | 1 & 2 & 3 & |.
- 6/8 = 2 Zählzeiten zu je 3 Achteln: | 1 2 3 4 5 6 | mit Akzenten auf 1 und 4.
Das Abwechseln der beiden Gruppierungen erzeugt die Hemiole (siehe „Polyrhythmik, Hemiole und Polymetrik“). Die Balkung muss die Gruppierung zeigen: In 6/8 werden die Achtel zu dritt verbunden, in 3/4 zu zweit.
Dirigierfiguren
Der Dirigent schlägt 2 (ab–auf), 3 (ab–rechts–auf), 4 (ab–links–rechts–auf). Ein schnelles 6/8 dirigiert man zweizeitig, ein langsames sechszeitig; ein langsames 12/8 viertaktig mit Unterteilung.
Metrum und DAW
- In FL Studio ändert man die Taktangabe in den Song Settings (Time signature) und mit den „Time signature“-Markern in der Playlist. Das Raster folgt dem Nenner: In 6/8 stelle den Snap auf 1/2 Beat ein oder verwende ein Achtelraster, um die Dreiergruppen zu sehen.
- Ein Stück in 12/8 mit 60 punktierten Zählzeiten pro Minute entspricht einem 4/4 mit 60 BPM und vollständig triolischem Swing: Viele Produzenten programmieren in 4/4 mit Triolenraster.
- Das BPM bezieht sich auf die Zählzeit: In 6/8 bedeutet „♩. = 70“ 70 punktierte Zählzeiten, also 210 Achtel pro Minute.
Beispiele in echten Stücken
- 3/4: „An der schönen blauen Donau“ (Johann Strauss Sohn); „Manic Depression“ (Jimi Hendrix), ein schneller 3/4; „Norwegian Wood“ (The Beatles), mal in 3/4, mal in 12/8 transkribiert.
- 6/8: „House of the Rising Sun“ (The Animals), „Nothing Else Matters“ (Metallica), „Perfect“ (Ed Sheeran, oft in 12/8 notiert).
- 12/8: „Everybody Wants to Rule the World“ (Tears for Fears), viele Blues-Balladen („Stormy Monday“ in der Version von T-Bone Walker).
- 2/2: die Märsche von Sousa („The Stars and Stripes Forever“) und viel schnelle Musicalmusik.
Häufige Fehler
- Ein Stück in 3/4 schreiben, das das Ohr in 6/8 hört (oder umgekehrt): Die Musiker lesen die falschen Akzente.
- Metrum und Tempo verwechseln: 6/8 bedeutet nicht „schneller“ als 3/4.
- Einen 12/8 auf einem binären Raster programmieren und dann mit Swing „zurechtrücken“: Besser stellt man gleich das ternäre Raster ein.
Übung
- Klopfe mit dem Fuß die Zählzeiten und zähle die Unterteilungen laut in 2/4, 3/4, 4/4, 6/8, 9/8, 12/8 mit einem Metronom bei 70.
- Programmiere dieselbe Linie aus sechs Achteln mit Akzenten in 3/4 und dann in 6/8: Höre, wie sich der Groove verändert.
- Analysiere drei Stücke deiner Playlist und schreibe Metrum und BPM der Zählzeit auf.
Verweise
Metrum, Unterteilung, Half-Time und Double-Time; Unregelmäßige und asymmetrische Taktarten; Polyrhythmik, Hemiole und Polymetrik; Notenwerte und Pausen.