Definition
Der Dominantseptakkord (V7) ist der Durdreiklang auf der V. Stufe mit hinzugefügter kleiner Septime: in C-Dur G–H–D–F. Er enthält den Tritonus H–F zwischen Leitton und IV. Stufe, der verlangt, sich zur Tonika aufzulösen: Deshalb ist er der zielgerichtetste Akkord der Tonart. Derselbe Akkord existiert identisch in c-Moll, wo er mit dem Leitton des harmonischen Moll entsteht.
Die Töne mit Tendenz
| Ton des V7 | In C | Regelmäßige Bewegung |
|---|---|---|
| Grundton | G | nach C (Bass) oder bleibt G (Mittelstimmen) |
| Terz (Leitton) | H | steigt nach C |
| Quinte | D | fällt nach C oder steigt nach E |
| Septime | F | fällt nach E |
Grundstellung: vollständig und unvollständig
- Vollständiges V7 → unvollständiges I: Hat das V7 alle vier Töne, hat die Tonika bei regelmäßiger Auflösung den verdreifachten Grundton und die Terz, ohne Quinte (C–C–C–E).
- Unvollständiges V7 → vollständiges I: Lässt man die Quinte des V7 weg und verdoppelt den Grundton (G–G–H–F), erhält man eine vollständige Tonika.
- In den Mittelstimmen kann der Leitton zur Quinte der Tonika fallen (H → G), um den Akkord zu vervollständigen; im Sopran muss er steigen.
Die Umkehrungen
| Umkehrung | Bezifferung | Bass in C | Typische Auflösung |
|---|---|---|---|
| Erste | V6/5 | H | → I (der Bass steigt nach C) |
| Zweite | V4/3 | D | → I (Bass D → C) oder I6 (Bass D → E) |
| Dritte | V4/2 | F | → I6 (der Bass fällt nach E) |
Die Umkehrungen werden vollständig verwendet, mit allen vier Tönen.
Zulässige Ausnahme: Beim Übergang V4/3 → I6, wobei der Bass D → E steigt, darf die Septime F → G steigen, weil sie sich in Parallelzehnten mit dem Bass bewegt und die Verdopplung der Terz vermeidet.
Praktische Regeln
- Die Septime wird vorbereitet (derselbe Ton im vorhergehenden Akkord, typisch für den Barockstil) oder tritt stufenweise oder als Durchgangsnote ein (G–F im Sopran über dem V).
- Die Septime im Bass (V4/2) zwingt den Bass zu fallen: Nach einem V4/2 folgt fast immer ein I6.
- In Moll muss der Leitton alteriert sein (H mit Auflösungszeichen in c-Moll, Gis in a-Moll).
- Wenn eine andere Stimme den Auflösungston der Septime übernimmt (zum Beispiel geht der Bass in V7 → I6 zum E), darf die Septime steigen.
Typische Fehler
- Die Septime in Grundstellung steigen lassen.
- Den Leitton oder die Septime verdoppeln.
- Auf die Septime von oben mit großem Sprung ohne Vorbereitung springen.
- Ein vollständiges V7 schreiben, das sich auf eine vollständige Tonika auflöst: Zwangsläufig macht eine Stimme einen falschen Sprung, oder es entstehen Quintparallelen.
Beispiele
- Bach, Präludium in C-Dur (Wohltemperiertes Klavier I): Im dritten Takt löst sich ein G7 in erster Umkehrung (V6/5, H im Bass) auf das C des nächsten Takts auf.
- Mozart, „Eine kleine Nachtmusik“: Das Eröffnungsthema arpeggiert den Tonikaakkord und dann den Dominantseptakkord.
- Strauss, „An der schönen blauen Donau“: Das Walzerthema wechselt zwischen Tonika und Dominantseptakkord.
- Folk und Country: Sehr viele Songs stützen sich nur auf I, IV und V7.
Anwendung beim Komponieren
- Die Umkehrungen des V7 erlauben stufenweise Basslinien (C–H–C mit V6/5, C–D–E mit V4/3, F–E mit V4/2): Verwende sie, um Sprünge im Bass zu vermeiden.
- Für einen starken Schluss verwende das V7 in Grundstellung, wobei die Septime zur Terz der Tonika fällt.
- In Pads und Pop-Arrangements ist der Abstieg F → E (Septime → Terz) die wirksamste Verbindung zwischen Dominante und Tonika.
Übung
- Schreibe in A-Dur: I – V6/5 – I – V4/3 – I6 – IV – V4/2 – I6 – V7 – I.
- Löse ein vollständiges und ein unvollständiges V7 vierstimmig in Es-Dur auf.
- Schreibe in d-Moll die vier Umkehrungen des V7 mit ihren Auflösungen.
Verweise
Septakkorde; Die Qualitäten der Septakkorde; Vollkommene und unvollkommene authentische Kadenz; Unregelmäßige Auflösungen der Dominante; Zwischendominanten; Das ii–V–I im Jazz.