Definition
Ein Dreiklang steht in erster Umkehrung, wenn im Bass seine Terz liegt. Die Intervalle über dem Bass sind eine Terz und eine Sexte, daher heißt er Sextakkord (Bezifferung 6 oder 6/3). In C-Dur: I6 = C/E, IV6 = F/A, V6 = G/H, ii6 = d-Moll/F. Die erste Umkehrung ist weniger stabil als die Grundstellung, aber stabiler als die zweite: Sie ist der ideale Akkord, um den Bass gesanglich zu machen und eine Funktion zu verlängern.
Verdopplungen
| Akkord | Empfohlene Verdopplung | Zu vermeiden |
|---|---|---|
| I6, IV6 | Grundton oder Quinte; die Terz (im Bass) ist möglich | — |
| V6 | Grundton oder Quinte | die Terz (der Leitton, im Bass) |
| ii6 | oft der Bass (die Terz, IV. Stufe): stärkt die Subdominantfunktion | — |
| vii°6 | die Terz (II. Stufe, im Bass) | der Grundton (Leitton) |
Allgemeine Regel: Verdopple keine Töne mit zwingender Tendenz (Leitton, alterierte Töne); in allen anderen Fällen bietet die erste Umkehrung mehr Freiheit als die Grundstellung.
Typische Funktionen
- I6: verlängert die Tonika und erlaubt dem Bass, sich zu bewegen (I–I6–IV, I–V–I6).
- V6: „weiche“ Dominante, mit dem Leitton im Bass, der zur Tonika steigt (V6–I). Häufig zu Beginn von Phrasen.
- ii6: die am häufigsten verwendete Subdominante vor der Kadenz (ii6–V–I), wobei der Bass F nach G steigt.
- IV6: Mit dem A im Bass führt er stufenweise zum V; er ist der typische Akkord des absteigenden Basses C–H–A–G, harmonisiert I–V6–IV6–V.
- vii°6: schwache Dominante, durchgehende Verbindung zwischen I und I6 (C–D–E im Bass).
Sextenketten
Eine Reihe paralleler Sextakkorde, die sich stufenweise bewegen (im Mittelalter und in der Renaissance Fauxbourdon genannt), erzeugt eine fließende Linie ohne Quintparallelen, weil zwischen Bass und Oberstimmen nur Terzen und Sexten liegen. Bei vier Stimmen muss man jedoch die Verdopplungen abwechseln, sonst entstehen Oktav- oder Quintparallelen in den Mittelstimmen. Der sicherste Weg ist, dreistimmig zu schreiben und die vierte Stimme mit bei jedem Akkord unterschiedlichen Verdopplungen hinzuzufügen.
Praktische Regeln
- Verwende die erste Umkehrung, wenn sich der Bass zwischen zwei Akkorden in Grundstellung stufenweise bewegen soll.
- Ein V6 darf sich nicht auf einen Akkord auflösen, bei dem der Bass fällt: Der Leitton im Bass muss steigen.
- Bevorzuge am Ende einer Schlussphrase die Grundstellung: Eine Kadenz auf I6 klingt offen.
Typische Fehler
- Den Leitton im V6 verdoppeln.
- Zu viele aufeinanderfolgende Sextakkorde bei vier Stimmen mit derselben Verdopplung verwenden: verdeckte Parallelen.
- Ein Stück auf einem Sextakkord beenden, in der Meinung, er sei der Tonika „gleich“.
Beispiele
- Beatles, „Let It Be“: C–G/H–Am: Das V6 (G/H) erzeugt den Stufenabstieg im Bass C–H–A.
- Procol Harum, „A Whiter Shade of Pale“: ein stufenweise absteigender Bass, getragen von Akkorden im Wechsel zwischen Grundstellung und Umkehrungen, inspiriert von barocken Bässen.
- Pachelbels Kanon in Versionen mit stufenweisem Bass: D–A/Cis–Hm.
- Bach-Choräle: Das ii6 vor der Kadenz ist fast ein Stilmerkmal.
- In den Triosonaten von Corelli beleben Sextenketten die absteigenden Sequenzen.
Anwendung beim Komponieren
- Um eine „singende“ Basslinie zu schreiben, wechsle zwischen Grundstellung und erster Umkehrung: Du erhältst Stufenbewegungen statt Sprünge.
- Im Pop wird die erste Umkehrung als Slash Chord geschrieben (C/E, G/H): Es ist der einfachste Weg, Progressionen professioneller zu machen.
- Eine Kette absteigender Sextakkorde in Streichern oder Holzbläsern erzeugt eine elegante Kaskade, ideal für Überleitungen.
Übung
- Schreibe in D-Dur I – V6 – IV6 – V – I (Bass D–Cis–H–A–D) vierstimmig und überprüfe die Verdopplungen.
- Schreibe eine Kette von sechs absteigenden Sextakkorden dreistimmig und füge dann die vierte Stimme mit variierten Verdopplungen hinzu.
- Reharmonisiere eine Pop-Schleife in Grundstellung mit mindestens zwei Slash Chords in erster Umkehrung.
Verweise
Akkordumkehrungen und Sext- und Quartsextakkorde; Dreiklänge und Umkehrungen; Bezifferung der Umkehrungen; Der Quartsextakkord; Slash Chords und Umkehrungen im Pop; Oktavregel.