Die Besetzung
Die Standard-Big-Band hat 17 Musiker: 5 Saxophone (2 Alt, 2 Tenor, 1 Bariton), 4 Trompeten, 4 Posaunen (3 Tenor + 1 Bass), Rhythmusgruppe (Klavier, Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug). Die historischen Formationen (Count Basie, Duke Ellington, Stan Kenton, Thad Jones–Mel Lewis) variieren, aber dies ist der didaktische Standard (Berklee: Dick Lowell und Ken Pullig, „Arranging for Large Jazz Ensemble“; Sammy Nestico, „The Complete Arranger“).
Die typische Form eines Arrangements
- Intro (4–8 Takte).
- Thema (Head): vorgestellte Melodie, oft von einer Section, mit den anderen im Hintergrund.
- Soli mit Background (Pad oder Riffs der Sections hinter dem Solisten).
- Soli (Section-Soli): Eine Section spielt eine geschriebene harmonisierte Melodie in einheitlichem Rhythmus.
- Shout Chorus: der Höhepunkt, die ganze Band im Fortissimo mit kräftigen rhythmischen Figuren.
- Wiederaufnahme des Themas und Coda.
Vierstimmige Voicings
- 4-way close: Melodie oben und die anderen 3 Stimmen darunter, alle in der Oktave unter der Melodie, auf den Akkordtönen (C6 oder Cmaj7: bei Melodie E5 → E5 C5 A4 G4).
- Drop 2: Die zweite Stimme von oben fällt eine Oktave; offenerer Klang, besser für Blechbläser geeignet (E5 C5 G4 + A3).
- Drop 2 und 4: auch die vierte Stimme fällt; noch weiter.
- Spread: Bass und eine Quinte/Septime unten, Dreiklang oben.
Die Durchgangsnoten der Melodie werden mit verminderten Akkorden oder der Dominante harmonisiert (Technik des „Approach Chord“).
Fünfstimmige Voicings
- Klassisches Sax-Soli: 4-way close mit dem Bariton, der die Melodie eine Oktave tiefer verdoppelt (Alt 1 Melodie, Alt 2, Tenor 1, Tenor 2 darunter, Bari Melodie 8vb).
- 5 Stimmen mit Spannung: eine None oder Tredezime statt der Verdopplung hinzufügen (Cmaj9: E5 D5 H4 G4 + C4).
- Trompeten: oft obere Dreiklangsstrukturen (Upper Structures) mit der Lead-Trompete oben.
Intervallgrenzen in der Tiefe (LIL)
Enge Intervalle im tiefen Register werden unklar. Richtwerte aus didaktischen Tabellen: kleine Terz nicht unter C3, große Terz nicht unter B2, reine Quinte bis B1, Septimen und Sexten bis etwa F2. Sekunden sollten über E3–Es3 gehalten werden.
Die Sections kombinieren
- Sax + Posaunen unter den Trompeten: alle Bläser in einem einzigen Voicing (Tutti, „Ensemble“).
- Kontrastierende Sections: Trompeten in rhythmischen Figuren, Saxophone in Linien, Posaunen im Pad.
- Call and Response zwischen Sections: Trompeten rufen, Saxophone antworten (Markenzeichen von Count Basie).
- Unisono und Oktaven für Riffs: maximale Klarheit.
Die Rhythmusgruppe
Der Pianist spielt nicht alles: Er lässt den Sections Raum. Die Kicks/Hits der Bläser werden über dem Notensystem des Schlagzeugs notiert, damit der Schlagzeuger sie „vorbereiten“ (Set-up Fill) und unterstreichen kann. Die Gitarre (à la Freddie Green) spielt Viertel mit dreitönigen Voicings auf den mittleren Saiten.
Der Shout Chorus
- Oft im höchsten Register der Trompeten geschrieben (Lead bis klingend D5–F5 und darüber).
- Synkopierte rhythmische Figuren, Antizipationen, markante Akzente, Falls und Shakes.
- Schlagzeug mit Crash auf den Figuren und vorbereitenden Fills.
- Oft nach einem Solo oder einem Soli, vor dem Schlussthema.
Beispiele
- Count Basie Orchestra — Li'l Darlin' (Neal Hefti, 1957): volle Voicings im langsamen Tempo.
- Count Basie — Corner Pocket (Freddie Green): Riff und klassischer Shout.
- Thad Jones–Mel Lewis Orchestra: moderne Voicings und komplexe Soli.
- Gordon Goodwin's Big Phat Band: zeitgenössische Big Band mit Funk-Einflüssen.
Praktische Übung
Schreibe ein Sax-Soli von 8 Takten über einen Blues in F (F7 Bb7 F7 F7 Bb7 Bb7 F7 D7): Melodie im Alt 1, enges vierstimmiges Voicing, Bariton, der die Melodie eine Oktave tiefer verdoppelt. Schreibe dann einen Shout von 4 Takten für die ganze Band mit den Trompeten in Drop 2 und den Posaunen in Drop 2 und 4.
Verweise
Voicing: eng, weit, Drop 2, Shell, Pop- und Funk-Bläsersatz, Der Blues: 12-taktige Form und Harmonik, Blechbläser, Holzbläser, Call and Response.