Wie die Normalisierung funktioniert
Streaming-Plattformen messen die integrierte Lautheit jedes Stücks (LUFS, ITU-R BS.1770) und regeln die Wiedergabelautstärke auf einen Referenzpegel. Ist dein Master lauter als die Referenz, wird er abgesenkt; ist er leiser, heben manche Plattformen ihn an (nur wenn der Spitzenpegel es erlaubt), andere nicht. Praktische Folge: Ein auf −6 LUFS plattgedrückter Master wird bei Spotify um etwa 8 dB abgesenkt und kann bei gleicher Lautstärke kleiner und weniger punchy klingen als ein Master mit −10 LUFS und lebendigen Transienten. Die Lautheit wird zu einer ästhetischen Genre-Entscheidung, nicht zu einem Wettrennen.
Die folgenden Werte sind die zum Zeitpunkt des Schreibens veröffentlichten oder dokumentierten; die Plattformen ändern sie: Prüfe sie vor einer wichtigen Auslieferung.
Streaming-Plattformen
| Plattform | Referenz | Verhalten | Empfohlener True Peak | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Spotify | −14 LUFS (Normal, Standard); −11 (Loud); −19 (Quiet) | senkt ab und hebt an; hebt an und lässt dabei 1 dB Headroom für die Codierung; Normalisierung nach Album, wenn man das Album hört, nach Stück in Playlists und im Shuffle; im Modus Loud wird ein Limiter angewendet (greift bei −1 dB, Attack 5 ms, Decay 100 ms) | unter −1 dBTP; unter −2 dBTP, wenn der Master über −14 LUFS liegt | offizielle Dokumentation von Spotify for Artists |
| Apple Music (Sound Check) | etwa −16 LUFS | senkt im Grunde die lauteren Stücke ab; pro Stück oder Album | −1 dBTP (Apple Digital Masters) | Branchenanalysen (production-expert, iZotope) |
| YouTube | etwa −14 LUFS | senkt die lauteren Stücke ab, hebt leise nicht an (beobachtetes Verhalten, keine offizielle Spezifikation) | −1 dBTP | Branchenmessungen |
| Amazon Music | etwa −14 LUFS | Normalisierung standardmäßig aktiv | −1 dBTP | Branchenzusammenstellungen (iZotope) |
| Tidal | etwa −14 LUFS | albumbasiert, auch in Playlists | −1 dBTP | Branchenzusammenstellungen |
| Deezer | etwa −15 LUFS | immer aktiv, pro Stück | −1 dBTP | Branchenzusammenstellungen |
| SoundCloud | widersprüchliche Quellen (laut manchen keine Normalisierung, laut anderen etwa −14 LUFS) | — | −1 dBTP | zu überprüfen |
| Pandora | etwa −14 (nicht genau LUFS) | immer aktiv | −1 dBTP | Branchenzusammenstellungen |
Social Media und Kurzvideos (TikTok, Instagram Reels, Shorts)
- Keine offizielle Referenz veröffentlicht für TikTok und Instagram; Branchenmessungen deuten auf ein adaptives Verhalten um −14 LUFS hin. Versprich in einem Vertrag keine Zahl.
- Das Publikum hört oft über Handylautsprecher: Wichtiger als die Lautheit ist die Balance (klare Stimme, Bass über Obertöne hörbar, kein unnützer Sub).
- Praktischer Master: Derselbe Master wie für das Streaming (−10/−8 LUFS für Pop und Hip-Hop) mit True Peak −1 dBTP funktioniert; auf dem Handy in Mono prüfen.
- Die ersten Sekunden zählen: Der Hook muss schon laut und klar einsetzen.
Club und DJ
- Keine Normalisierung: Der DJ regelt den Gain; Club-Master sind meist laut (House/Techno −9/−6 LUFS integriert, Mainstream-EDM und Hardstyle auch −6/−4), aber die Priorität ist ein mono, stabiles und kraftvolles Low End und klare Kick-Transienten.
- True Peak: −1/−0,3 dBTP (viele DJs nutzen WAV-/AIFF-Dateien; verkaufst du auf Plattformen, die in MP3 umwandeln, bleib bei −1 dBTP).
- Sub mono unter 100–150 Hz, keine Gegenphasigkeit (Clubsysteme summieren die Subs oft in Mono).
- Intro und Outro mit reinen Rhythmus-Takten (8–32 Takte) zum Mischen, falls das Genre es verlangt.
- Vermeide zu harte Höhen: Bei Clublautstärke werden 2–5 kHz schmerzhaft.
CD
- Red-Book-Standard: PCM Stereo 16 Bit / 44,1 kHz, bis zu 99 Titel, historische Spieldauer von 74 Minuten (bis etwa 80 in der modernen Presspraxis).
- Keine Normalisierung in den Playern: Der CD-Pegel ist der des Masters. Oft verwendet man einen etwas lauteren Master als für das Streaming, aber das ist nicht verpflichtend.
- Spitzenpegel: −0,3/−0,1 dBFS Sample Peak (besser mit True-Peak-Limiter, um Clipping in billigen Playern zu vermeiden).
- Dither auf 16 Bit als letzte Stufe.
- Lieferung an das Presswerk als DDP mit PQ, ISRC, CD-Text und EAN/UPC-Code (siehe „Stem-Mastering und Lieferformate“).
Vinyl
Vinyl hat physikalische Grenzen: Die Rille wird von einem Stichel geschnitten, und Pegel, Bässe, Stereo und Höhen bestimmen Platzbedarf und Verzerrung. Praxisrichtwerte (frag immer den Schneidetechniker nach den Anforderungen):
- Spieldauer pro Seite: Je länger die Seite, desto niedriger muss der Schnittpegel sein. Bei einer 12" mit 33⅓ U/min gelten etwa 15–20 Minuten pro Seite als komfortabel; über 20–22 Minuten sinkt der Pegel deutlich. Eine 12" mit 45 U/min bietet mehr Pegel und Qualität bei kürzeren Seiten (etwa 10–12 Minuten).
- Bässe mono: Phasenunterschiede in den Bässen bewegen den Stichel vertikal und können ihn springen lassen; die Techniker verwenden einen „Elliptical“-Filter, der die Bässe unter 100–300 Hz mono macht. Besser, du lieferst einen Mix mit bereits monophonen Bässen.
- Zischlaute und Höhen: Starke hohe Frequenzen (Zischlaute, Becken, brillante Synths über 8–10 kHz) sind schwer zu schneiden und verzerren bei der Wiedergabe; De-Esser und Kontrolle der Höhen.
- Dynamik: Aggressives Streaming-Limiting wird nicht gebraucht (es verschlechtert sogar den Schnitt). Liefere eine weniger limitierte Version (z. B. −12/−14 LUFS, True Peak −1/−3 dBFS je nach Anforderung) in 24 Bit.
- Verzerrung der inneren Spuren: Zur Plattenmitte hin sinkt die Lineargeschwindigkeit und die Höhen verschlechtern sich: Lege die ruhigeren oder weniger brillanten Stücke ans Ende jeder Seite.
- Dateien: WAV 24 Bit (44,1, 48 oder 96 kHz je nach Mix), eine Datei pro Seite oder pro Stück mit Reihenfolge der Seiten, Pausen und Angaben zu den Crossfades.
Broadcast (TV, Radio, Streaming-Video)
- EBU R 128 (Europa): −23 LUFS (Toleranz ±1 LU, wo das Ziel nicht praktikabel ist, z. B. live), True Peak ≤ −1 dBTP; Messung mit einem Meter nach ITU-R BS.1770 und EBU Tech 3341.
- ATSC A/85 (USA): −24 LKFS.
Normalisierung simulieren
- Miss die integrierte Lautheit deines Masters (Emphasis, Youlean).
- Berechne: Gain = Referenz − integriert. Beispiel: Master mit −8 LUFS auf Spotify → −6 dB.
- Senke den Ausgang um diesen Betrag ab (Youlean und viele Meter haben eine Simulation pro Plattform) und vergleiche mit den auf gleiche Weise normalisierten Referenzen.
- Klingt der lautere Master bei gleicher Lautstärke nicht besser als der dynamischere, reduziere das Limiting.
Praxistabelle nach Genre (Master für Streaming)
| Genre | Typisch integriert | True Peak | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Trap, Rage, Drill, Phonk | −8/−5 LUFS | −1/−2 dBTP | Dichte und Sättigung gehören zum Sound |
| EDM, Big Room, Dubstep | −8/−5 LUFS | −1/−2 dBTP | Sub mono, klare Kick |
| Pop, K-Pop, Dance-Pop | −10/−7 LUFS | −1/−2 dBTP | Stimme vorn, starke Refrains |
| Hip-Hop Boom Bap, R&B | −11/−8 LUFS | −1 dBTP | Groove und Transienten |
| Rock, Metal | −10/−7 LUFS | −1/−2 dBTP | Schärfe vermeiden |
| Indie, Singer-Songwriter | −13/−10 LUFS | −1 dBTP | Dynamik |
| Jazz, Akustik | −16/−12 LUFS | −1 dBTP | Natürlichkeit |
| Orchester, Klassik | −20/−14 LUFS | −1 dBTP | große Dynamik (hohe LRA) |
Das sind kommerzielle Gepflogenheiten, keine Pflichten: Entscheide nach dem gewünschten Charakter.
Häufige Fehler
- Master für das Streaming unverändert für Vinyl verwenden.
- True Peak bei −0,1 dBTP auf sehr lauten Mastern: Verzerrung nach der AAC-/Ogg-Codierung.
- −14 LUFS anstreben in einem Genre, in dem die Referenzen bei −7 liegen: Wirkt das Stück in der Playlist kleiner? Nicht unbedingt: Mit der Normalisierung schrumpft der Unterschied; entscheide nach Gehör, bei gleicher Lautheit.
- Alle Stücke eines Albums mit derselben integrierten Lautheit: Die Ballade klingt im Vergleich zur Single zu laut.
Ausgangseinstellungen
| Parameter | Wert | Warum |
|---|---|---|
| Spotify | −14 LUFS Standard; TP < −1 dBTP (< −2, wenn über −14 LUFS) | Offizielle Dokumentation. |
| Apple Music | etwa −16 LUFS; TP −1 dBTP | Sound Check / Apple Digital Masters. |
| YouTube, Amazon, Tidal | etwa −14 LUFS; TP −1 dBTP | Branchenwerte. |
| Deezer | etwa −15 LUFS | Branchenwerte. |
| Club | −9/−6 LUFS (bis −4 in extremen Genres), TP −1/−0,3 dBTP | Keine Normalisierung. |
| CD | 16 Bit/44,1 kHz, Spitze −0,3/−0,1 dBFS, Dither | Red Book. |
| Vinyl | Weniger limitierter Master, 24 Bit, Bässe mono, kurze Seiten | Grenzen des Schnitts. |
| Broadcast | −23 LUFS (EBU R 128), −24 LKFS (ATSC A/85) | TV-/Radio-Standard. |
Frequenzen im Blick
| Bereich | Was zu tun ist |
|---|---|
| Unter 100–150 Hz | Club und Vinyl: Bässe mono und ohne Gegenphasigkeit. |
| 2–5 kHz | Von den LUFS stark gewichtet (K-Gewichtung): Schärfe erhöht hier die gemessene Lautheit, ermüdet aber. |
| Über 8–10 kHz | Vinyl: starke Höhen und Zischlaute sind schwer zu schneiden; Streaming: auf die Codierung achten. |
Beispiel-Signalkette
| Schritt | Werkzeug | Einstellungen | Warum |
|---|---|---|---|
| Hauptmaster (Streaming) | Mastering-Kette + Emphasis / Pro-L 2 | Genre-Lautheit, −1 dBTP | Referenzversion. |
| Simulation der Normalisierung | Youlean Loudness Meter / Emphasis + Gain | Auf die Referenz der Plattform absenken | Realistischer Vergleich. |
| Club-Version (falls abweichend) | Gleiche Kette, kontrolliertes Low End | TP −1/−0,3 dBTP | Maximale Wirkung ohne Normalisierung. |
| CD-Version | Dither 16 Bit + DDP | Spitze −0,3 dBFS | Pressung. |
| Vinyl-Version | Kette mit reduziertem oder ohne Limiter | −12/−14 LUFS, 24 Bit | Sauberer Schnitt. |
So prüfst du das Ergebnis
- Für jede Version: integrierte Lautheit, maximale Short-term-Lautheit, True Peak und LRA notiert.
- Streaming: True Peak ≤ −1 dBTP (≤ −2 dBTP, wenn über −14 LUFS).
- Simulation Spotify/Apple: Der normalisierte Master hält den Vergleich mit den normalisierten Referenzen stand.
- Vinyl: Korrelation unter 150 Hz > +0,9, keine übermäßigen Zischlaute über 8 kHz, Spieldauer pro Seite notiert.
- CD: Sample Peak ≤ −0,1 dBFS, 16 Bit mit Dither, kein Clipping.