Mixing nach Genre

Filmmusik, Trailer und Musik für Bild

Charakter des Mixes

Musik für Film, Serien und Videospiele wird so gemischt, dass sie neben Dialogen und Effekten bestehen kann. Sie wird oft in separaten Stems (Streicher, Blech, Holz, Percussion, Synths, Chöre, FX) an den Mischtonmeister geliefert, der sie mit Dialogen und Geräuschen kombiniert. Der Mix muss dynamisch sein, im Mittenbereich klar, ohne die gesprochene Stimme zu überdecken, und flexibel. Trailermusik (Epic, Hybrid Orchestral) dagegen ist dicht und laut, ähnlich einem kommerziellen Track. Das Soundtrack-Album ist ein eigener Master, dynamischer als die Pop-Genres.

Typische Balance

ElementVerhältnis zum Mix (orchestral/hybrid)
Streicher (Sektion)−4/−6 LU
Blech−6/−9 LU (in Höhepunkten −4/−6)
Percussion (Taiko, Pauken, Ensemble)−6/−9 LU
Synths und Sounddesign−8/−12 LU
Holz, Harfe, Celesta−10/−14 LU
Chöre−6/−10 LU

EQ

  • Platz für die Dialoge: Der Bereich 1–4 kHz sollte in Passagen unter gesprochenem Text zurückhaltender sein; der finale Mischer kann die Musik absenken, aber Musik, die in diesem Bereich weniger dicht ist, lässt sich leichter einsetzen.
  • Streicher: Hochpass 30–40 Hz bei den Bässen, 60–80 Hz bei den Violinen; Absenkung bei 200–400 Hz, wenn das Tutti schlammig ist; Präsenz 2–4 kHz bei den hohen Streichern mit Maß.
  • Blech: Körper 200–500 Hz, Härte bei 2–4 kHz in den Fortissimo-Stellen kontrollieren.
  • Epische Percussion: Sub 40–60 Hz (Taiko, Sub Boom), Impact 100–200 Hz, Anschlag 2–5 kHz.

Dynamik

  • Weite Dynamik: Die Musik folgt der Szene, vom Pianissimo bis zum Fortissimo.
  • Leichte Gruppenkompression für Stabilität; eher Handfahren des Pegels als Kompressoren.
  • Trailer: starke Kompression und Limiting, Clipper auf den Percussions.

Räumlichkeit

  • Gesampelte oder im Saal aufgenommene Orchester: ein gemeinsamer Hall (Hall 2–3,5 s), um die Sektionen im selben Raum zu platzieren, mit unterschiedlichen Sends für die Tiefe (Holz und Blech weiter hinten, Streicher vorn).
  • Klassische Orchesteraufstellung: erste Violinen links, zweite Violinen links oder rechts, Bratschen mittig-rechts, Celli und Kontrabässe rechts; Blech mittig-rechts, Hörner mittig-links; Percussion hinten.
  • Für das Kino: Lieferung auch in 5.1 oder 7.1 (oder Atmos), mit Mehrkanal-Hallräumen und LFE nur für die Impacts.

Stems und Lieferung

  • Stems mit gleicher Länge, exportiert mit ihren eigenen Hallräumen (oder mit separaten Hallräumen), am Timecode ausgerichtet.
  • Pegel: Die Summe der Stems muss den Mix wieder ergeben.
  • Lautheit: Für die Musik eines TV-Programms gilt der Standard des Senders (EBU R128 −23 LUFS, ATSC −24 LKFS) über das gesamte Programm mit den Dialogen; die Musik allein hat keinen festen Zielwert.

Referenzlautheit

ZielLautheit
Soundtrack-Album−16/−11 LUFS, LRA 8–15 LU
Trailer und Epic-Musik−9/−7 LUFS
Stems für die MischungKein Limiting, Spitze −6/−3 dBFS

Referenztracks

Hans Zimmer „Time“ (Inception), Ludwig Göransson „Can You Hear the Music“ (Oppenheimer), John Williams „Duel of the Fates“, Hildur Guðnadóttir „Bathroom Dance“ (Joker), Two Steps from Hell „Heart of Courage“ (Trailer).

Häufige Fehler

  • Voller Mix bei 1–4 kHz unter den Dialogen.
  • Starkes Limiting auf Stems, die für den Mischtonmeister bestimmt sind.
  • Unterschiedliche Hallräume für jede Orchesterbibliothek: Sektionen in inkohärenten Räumen.
  • Sub Booms und Percussion mit Stereo-Bässen.

Ausgangseinstellungen

ParameterWertWarum
Gemeinsamer HallHall 2–3,5 s, unterschiedliche Sends je SektionOrchester im selben Raum.
DynamikWeit, Pegel von Hand fahrenDie Musik folgt der Szene.
StemsGleiche Länge, kein Limiting, Spitze −6/−3 dBFSFlexibilität für den finalen Mischer.
Album−16/−11 LUFSDynamik bleibt erhalten.
Trailer−9/−7 LUFSWirkung.

Frequenzen im Blick

BereichWas zu tun ist
40–60 HzSub Boom und Taiko: Mono, Impact.
200–400 HzSchlamm des Orchester-Tuttis: breite Absenkungen auf Streichern und Blech.
1–4 kHzDialogbereich: weniger dichte Musik in gesprochenen Passagen.
2–4 kHzHärte von Blech und hohen Streichern in den Fortissimo-Stellen.

Beispiel-Signalkette

SchrittWerkzeugEinstellungenWarum
SektionenBusse Streicher, Blech, Holz, Percussion, Synths, ChöreEQ und leichter GlueGruppen.
RaumGemeinsamer Hall + Early ReflectionsSends für die TiefeKohärenz.
PegelfahrenAutomationenDynamik Szene für SzeneMusikalität.
StemsExport pro GruppeGleiche Länge, TimecodeLieferung.
Album-MasterEQ → Glue → leichter Limiter−16/−11 LUFSHeimhören.

So prüfst du das Ergebnis

  • Album: Crest-Faktor 12–18 dB, LRA 8–15 LU.
  • Summe der Stems gleich dem Mix (Nulltest, Residuum unter −50 dB).
  • Bänder Mitten und Hochmitten in Passagen unter Dialog: Energie 2–4 dB unter der der rein instrumentalen Passagen.
  • Sub und Bässe mit Side/Mid bei −20 dB oder weniger (Impacts in Mono).

Quellen

Weitere Guides