Definition
Eine Verdopplung ist dieselbe Linie, die zwei oder mehr Instrumenten anvertraut wird, im Unisono oder in der Oktave. Ein Mischklang (Blend) ist die Klangfarbe, die aus der Kombination entsteht. Orchestrierung ist zum großen Teil die Kunst, Verdopplungen zu wählen: Mit denselben Akkorden und derselben Melodie erhält man gegensätzliche Farben. Referenzwerke: Rimski-Korsakow (Grundlagen der Orchestration), Adler (The Study of Orchestration), Piston (Orchestration).
Unisono und Oktave
- Unisono gleicher Klangfarben (16 Violinen): reicherer Klang, aber nicht proportional lauter (die Lautstärke wächst um wenige dB, die Klangfarbe „weitet“ sich).
- Unisono verschiedener Klangfarben: Es entsteht eine neue Klangfarbe. Flöte + Violine = sanftere Violine; Oboe + Violine = nasalere und durchdringendere Violine; Klarinette + Viola = dunkel und warm.
- Oktave: klärt und weitet die Linie, ohne die Grundfarbe zu verändern. Violinen I mit Flöte in der oberen Oktave: leuchtende Melodie. Violoncelli mit Kontrabässen in der unteren Oktave: solider Bass.
- Doppel- oder Dreifachoktave: alle im Unisono in Oktaven für ein kraftvolles Thema (Ende der Tutti).
Klassische Verdopplungen nach Register
- Hohe Melodie: Vl I + fl (8va) + ob (Unisono) für ein Forte; Vl I + fl (Unisono) für ein Piano.
- Tenormelodie: Vc + fg + Horn (Unisono): warm und edel.
- Tiefe Melodie: Vc + Kb + fg + Tuba (Oktaven) für Dramatik.
- Choral: Hörner + Fagotte + Klarinetten: weicher Mischklang.
- Glitzern: Celesta + Glockenspiel + Harfe + Violinen im Pizzicato.
Das Horn als „Klebstoff“
Das Horn verschmilzt sowohl mit den Holzbläsern als auch mit den Blechbläsern und den Streichern. Ein gehaltener Hornton unter einer Streicherpassage verbindet die Gruppen, ohne aufzufallen. Viele Orchestrierer setzen es als harmonischen Pedalton im mittleren Register ein.
Techniken der Akkordschichtung (Holzbläser und gemischt)
Nach Adler:
- Juxtaposition: jedes Instrumentenpaar in einem Register (Flöten oben, Oboen darunter, Klarinetten noch darunter).
- Verzahnung (Interlocking): fl1, ob1, fl2, ob2 abwechselnd: homogenerer Mischklang.
- Einschließen (Enclosure): eine Klangfarbe innerhalb einer anderen (Oboen zwischen den beiden Flöten).
- Überlappung (Overlapping): zwei Klangfarben, die einige gemeinsame Töne verdoppeln.
Balance
Im Forte halten eine Posaune oder eine Trompete etwa zwei Hörnern die Waage; ein Horn etwa zwei Holzbläsern. Streicher in der Gruppe sind zahlreicher und halten die Balance mit Bläsern zu 2. Eine Melodie im mittleren bis tiefen Register der Holzbläser wird von Streichern und Blechbläsern zugedeckt: Sie muss verdoppelt oder freigestellt werden.
Obertöne imitieren: Ravels Boléro
Im Boléro (1928) vertraut Ravel die Melodie Horn und Celesta an, mit zwei Piccoloflöten, die dieselbe Melodie im Abstand einer Duodezime und einer Septdezime spielen (in verschiedenen Tonarten): Die parallelen Linien imitieren die Obertöne und verschmelzen zu einer „orgelhaften“ Klangfarbe. Es ist das meistzitierte Beispiel einer Verdopplung, die nicht in der Oktave erfolgt.
Verdopplungen in der Pop-Produktion
Dieselben Prinzipien gelten für Layer: ein Klavier + ein Pad im Unisono; ein Synth-Lead + eine Gitarre in der unteren Oktave; Leadgesang + geflüsterte Doppelung in der unteren Oktave (siehe Vocal Stacks). Die Regel: Eine Verdopplung muss einen Grund haben (mehr Gewicht, mehr Brillanz, mehr Wärme), nicht nur „mehr Sound“.
Häufige Fehler
- Alles verdoppeln: Das Orchester verliert Farbe und wird grau.
- Verdopplungen im Unisono von unterschiedlich gestimmten Instrumenten (virtuell: Zwei verschiedene Bibliotheken mit leicht unterschiedlicher Intonation erzeugen Schwebungen).
- Die Melodie mit dem im Register falschen Instrument verdoppeln (tiefe Flöte unter hohen Violinen: unhörbar).
Praktische Übung
Schreibe eine Melodie von 8 Takten in G-Dur. Orchestriere sie in drei Versionen: intim (fl + Vl I im Unisono, Streicher mit Sordino), edel (vc + Horn + fg im Unisono), triumphal (Vl I + ob + Trompete, mit fl und Piccolo in der oberen Oktave, Blechbläser und Pauken). Höre, wie dieselbe Linie ihre Bedeutung ändert.
Verweise
Orchestrierung: Familien, Tonumfänge und Mischungen, Streicher, Holzbläser, Blechbläser, Schlagwerk, Layering und Arrangement nach Frequenzen und Stereobild.