Arrangement und OrchestrierungFortgeschritten3 Min. Lesezeit

Blechbläser: Tonumfänge, Transpositionen und Register

Die Familie

Hörner, Trompeten, Posaunen, Tuba (dazu Flügelhorn, Euphonium, Kornett, Piccolotrompete). Die typische romantische Besetzung ist 4 Hörner, 2–3 Trompeten, 3 Posaunen (2 Tenor + 1 Bass), 1 Tuba. Der Klang entsteht durch die Schwingung der Lippen im Mundstück; die Tonhöhe wählt man durch die Lippenspannung (Naturtonreihe) und durch Ventile, Zylinder oder Zug.

Tonumfänge (notiert → klingend)

InstrumentTranspositionPraktischer notierter UmfangKlingender Umfang
Horn in Fklingt eine reine Quinte tieferFis3 – C6 (Violinschlüssel; Tiefe im Bassschlüssel)H2 – F5; bei Profis in der Tiefe bis etwa H1
Trompete in Bklingt eine große Sekunde tieferFis3 – C6 (D6)E3 – B5 (C6)
Trompete in Cin CFis3 – C6gleich
Flügelhorn in Bgroße Sekunde tieferFis3 – C6 ungefährE3 – B5
Piccolotrompete in Bklingt eine kleine Septime höherhohes barockes Register
Tenorposaunein CE2 – B4 (F5 Solisten)gleich; Pedaltöne unter E2 (B1, A1…)
Bassposaunein CB1 (C2) – F4 ungefährgleich; mit den Quartventilen F und Ges/D durchgehende Skala in der Tiefe
Tubain C (im Orchester)D1 – F4 ungefährgleich

Die extremen Umfänge hängen stark vom Musiker ab; bei Popaufnahmen liegen die vorsichtigen Grenzen niedriger (Trompete bis klingend G5–A5 für lange Stimmen).

Register und Charaktere

  • Horn: der „Klebstoff“ des Orchesters; mittleres Register (notiert C4–C5) warm und rund, verschmilzt mit Holzbläsern und Streichern. Im Forte und in der Höhe wird es heroisch; mit geschlossenem Schallbecher (bouché, +) wird es metallisch. Vier Hörner: 1. und 3. hohe Stimmen, 2. und 4. tiefe Stimmen.
  • Trompete: brillant, durchdringend, der Klang von Fanfaren und Soli. Tiefe dunkel, Mitte sanglich, Höhe kraftvoll, aber anstrengend.
  • Posaune: edel und feierlich im Piano, äußerst kraftvoll im Forte; im Jazz ausdrucksstark, mit Glissandi dank des Zugs (7 Positionen). Das echte Glissando funktioniert nur innerhalb derselben Naturtonreihe und über maximal einen Tritonus.
  • Tuba: Fundament des Blechbläserchorals, verdoppelt oft die Kontrabässe.

Dämpfer

  • Straight: dünnerer, nasaler Klang.
  • Cup: weich und gedämpft.
  • Harmon (Wah-Wah): der Klang von Miles Davis; mit oder ohne Stem.
  • Plunger: Gummisauger-Dämpfer, mit der Hand bewegt („Wa-Wa“-Effekt im Jazz von Ellington).
  • Bucket: sehr weich und dunkel.

Effekte und idiomatische Artikulationen

  • Fall: Absinken der Tonhöhe am Ende des Tons (kurz oder lang).
  • Doit: unbestimmtes Aufsteigen am Ende des Tons.
  • Scoop: Anstieg von unten zum Ton.
  • Shake: weiter Triller zwischen Naturtönen (Lead-Trompete im Jazz).
  • Rip / Glissando: schneller Anstieg zum Ton.
  • Flatterzunge (Frullato): vibrierende Zunge (dramatische Effekte).
  • Gestopft / bouché beim Horn.

Balance und Kraft

Blechbläser sind die lauteste Familie. Richtwert in orchestralen Forte-Passagen: 1 Trompete oder 1 Posaune halten etwa 2 Hörnern die Waage; 1 Horn etwa 2 Holzbläsern. Im Piano können Blechbläser ganz weich sein und perfekt verschmelzen.

Atem und Ausdauer

Blechbläser ermüden schnell an den Lippen: Pausen lassen, lange wiederholte hohe Töne vermeiden, hohe Stimmen auf mehrere Trompeten verteilen. Das Horn in der Höhe ist riskant (der „Kicks“ ist häufig).

Typische Voicings

  • Blechbläserchoral in C: Tuba C2, Bassposaune G2, Posaune 2 E3, Posaune 1 G3 (oder C4), Hörner auf den Innentönen, Trompeten oben (E4–G4–C5).
  • Unisono von 4 Hörnern: heroisches Thema (Strauss, Williams).
  • Trompeten und Posaunen in Oktaven: maximale Kraft.

Praktische Übung

Schreibe einen Choral von 8 Takten in B-Dur für 2 Trompeten, 4 Hörner, 3 Posaunen und Tuba. Beachte die Tonumfänge und schreibe die transponierten Stimmen: Trompeten in B (eine große Sekunde höher, in C-Dur), Hörner in F (eine Quinte höher, in F-Dur). Setze ihn in der DAW mit einer Blechbläserbibliothek in klingenden Tönen um und prüfe die Balance.

Verweise

Orchestrierung: Familien, Tonumfänge und Mischungen, Holzbläser: Tonumfänge und Transpositionen, Bläsersatz Pop/Funk, Big-Band-Arrangement, Verdopplungen und orchestrale Mischklänge.

Quellen

Verwandte Lektionen