Die Familie
Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass. Im Orchester bilden sie fünf Gruppen: Violinen I, Violinen II, Bratschen, Violoncelli, Kontrabässe. Sie sind die Basis des klassischen und romantischen Orchesters und das meistverwendete Instrument, um dem Pop Wärme und Breite zu verleihen. Studienliteratur: Samuel Adler, „The Study of Orchestration“; Rimski-Korsakow, „Grundlagen der Orchestration“; Walter Piston, „Orchestration“.
Tonumfänge (klingende Töne)
| Instrument | Leere Saiten | Praktischer Umfang | Schlüssel |
|---|---|---|---|
| Violine | G3 D4 A4 E5 | G3 – E7 (im Orchester bis C7 sicher) | Violinschlüssel |
| Viola | C3 G3 D4 A4 | C3 – E6 (im Orchester bis A5 sicher) | Altschlüssel, in der Höhe Violinschlüssel |
| Violoncello | C2 G2 D3 A3 | C2 – A5 (Solisten darüber hinaus) | Bass-, Tenor-, Violinschlüssel |
| Kontrabass | E1 A1 D2 G2 | E1 – G4 ungefähr | Bass- und Tenorschlüssel, klingt eine Oktave tiefer als notiert |
Viele Orchesterkontrabässe haben mechanisch einen Umfang bis C1 oder eine fünfte Saite auf H0 oder C1. Frequenzen: G3 = 196 Hz, C2 = 65,4 Hz, E1 = 41,2 Hz.
Charakter der Register
- Violine: G-Saite dunkel und intensiv (auf dem G), D und A sanglich, E brillant; oberhalb von C6 wird der Klang dünn und schrill, nur in der Gruppe kraftvoll.
- Viola: C-Saite dumpf und nasal, mittleres Register warm, ideal für Innenstimmen und melancholische Melodien.
- Violoncello: C-Saite tief, Register der A-Saite (A3–A4) ausdrucksstark wie eine Tenorstimme; trägt oft die Melodien.
- Kontrabass: harmonisches Fundament, verdoppelt fast immer die Violoncelli eine Oktave tiefer; allein im tiefen Register wenig definiert.
Typische Besetzungen
| Besetzung | Vl I | Vl II | Vla | Vc | Kb |
|---|---|---|---|---|---|
| Großes Sinfonieorchester | 16 | 14 | 12 | 10 | 8 |
| Mittleres Orchester | 12 | 10 | 8 | 6 | 4 |
| Kammerorchester / Pop-Sessions | 8 | 6 | 4 | 4 | 2 |
| Streichquartett | 1 | 1 | 1 | 1 | – |
Im Pop nimmt man oft eine kleine Besetzung mehrfach auf (Overdub), um eine große Gruppe zu simulieren.
Standardverteilung der Stimmen
- Violinen I: Melodie oder höchste Linie.
- Violinen II: Innenharmonie oder Verdopplung der Melodie in der tieferen Oktave.
- Bratschen: Innenharmonie, Gegenmelodien.
- Violoncelli: Bass oder Tenormelodie.
- Kontrabässe: Bass eine Oktave unter den Violoncelli.
Voicing und Abstände
- Unten weitere Intervalle (Oktaven und Quinten zwischen Kb und Vc), oben engere (Terzen und Sexten zwischen den Violinen).
- Enge Terzen unterhalb von C3 vermeiden: Sie werden matschig.
- Klassische Verteilung für C-Dur: Kb C2, Vc C3, Vla G3, Vl II E4, Vl I C5 (oder G4–E5 für einen offeneren Klang).
Divisi und Doppelgriffe
- Divisi (div.): Die Gruppe teilt sich in zwei oder mehr Stimmen (z. B. Vl I div. a 2). Jede Stimme hat die Hälfte der Musiker, also weniger Lautstärke, aber mehr Harmonie. Aufgehoben wird es mit „unis.“.
- Doppelgriffe: Ein Musiker spielt zwei Töne auf benachbarten Saiten; leicht sind solche mit leeren Saiten, Quinten und Sexten. In schnellen Orchesterpassagen zieht man das Divisi vor.
Streicher in der Mischung
Die Grundtöne reichen von 41 Hz (Kb) bis über 2 kHz (hohe Violine); die Obertöne und die „Bogenfarbe“ liegen zwischen 2 und 8 kHz. Im Pop filtert man bei den hohen Streichern oft die Bässe unter 100–150 Hz und dämpft den Bereich 2–4 kHz, wenn der Streicherklang scharf ist.
Praktische Übung
Schreibe einen Choral von 8 Takten in C-Dur für 5 Streichergruppen (C–Am–F–G–C–F–G7–C) unter Beachtung der Tonumfänge: Kb und Vc in der Oktave auf dem Bass, Bratschen und Violinen II auf den Innentönen, Violinen I auf der Melodie. Schreibe dann dieselbe Harmonie für Quartett um (ohne Kontrabass), indem du das Violoncello auf den tatsächlichen Bass legst.
Verweise
Orchestrierung: Familien, Tonumfänge und Mischungen, Streichertechniken, Verdopplungen und orchestrale Mischklänge, Streicherarrangement im Pop, Voicing: eng, weit, Drop 2, Shell.