Was galante Schemata sind
In dem Buch Music in the Galant Style (Oxford, 2007) zeigt Robert Gjerdingen, dass die Komponisten des 18. Jahrhunderts (von Durante und Leo bis Haydn und Mozart) komponierten, indem sie zweistimmige Formeln kombinierten, die sie an den Konservatorien auswendig gelernt hatten: eine Bassbewegung und eine Melodie, verbunden durch präzise Ziffern. Er nennt sie Schemata und gibt ihnen Namen (einige historisch, wie Romanesca, Monte, Fonte, Ponte, die vom Theoretiker Joseph Riepel stammen; andere von ihm selbst erfunden, wie Prinner und Meyer, zu Ehren von Gelehrten). Die Schemata werden wie Züge in einer Rede kombiniert: eine Eröffnung, eine Antwort, eine Sequenz, eine Kadenz.
Notation: Die Zahlen sind Tonleiterstufen (1 = Tonika). In C-Dur 1 = C, 2 = D, 3 = E, 4 = F, 5 = G, 6 = A, 7 = H.
Die Eröffnungsschemata
Romanesca
- Bass: 1–7–6–3 in Stufen (C–H–A–E) oder in der Sprungvariante 1–5–6–3 (C–G–A–E), oft mit 4–1 (F–C) fortgesetzt.
- Melodie: 1–5–1–1 oder, in der im späten 18. Jahrhundert häufigsten Version, ein stufenweiser Abstieg 3–2–1–7 … über dem Bass.
- Typische Akkorde in C: C – G/B – Am – Em (oder C – G – Am – Em).
- Beispiel: Der Bass von Pachelbels Kanon (D–A–H–Fis–G–D–G–A) ist eine Romanesca in Sprüngen mit anschließender Fortsetzung; ein großer Teil des Pop, der I–V–vi–iii–IV–I–IV–V verwendet, stammt von hier.
Do-Re-Mi
- Melodie: 1–2–3 (C–D–E); Bass: 1–7–1 (C–H–C) oder 1–5–1.
- Akkorde: I – V6 (oder V) – I. Es ist die einfachste und direkteste Eröffnung: Tonika, Dominante, Tonika.
Meyer
- Zwei Ereignispaare: Melodie 1–7 … 4–3 (C–H … F–E), Bass 1–2 … 7–1 (C–D … H–C).
- Akkorde: I – V4/3 … V6/5 – I. Das erste Paar „öffnet“ (Tonika→Dominante), das zweite „schließt“ (Dominante→Tonika).
- Varianten derselben Familie, die sich nur in der Melodie unterscheiden: Jupiter (1–2 … 4–3, das berühmte C–D–F–E aus dem Finale von Mozarts Sinfonie K. 551), Pastorella (3–2 … 4–3), Aprile (1–7 … 2–1).
Sol-Fa-Mi
- Melodie 5–4 … 4–3 (G–F … F–E) über dem Bass 1–2 … 7–1.
- Sanfter als das Do-Re-Mi; Gjerdingen findet es oft in langsamen Sätzen oder Seitenthemen.
Die Antwort: der Prinner
- Bass: 4–3–2–1 (F–E–D–C); Melodie: 6–5–4–3 (A–G–F–E), in parallelen Dezimen mit dem Bass.
- Akkorde: IV – I6 – vii°6 (oder V6/5, oft mit Vorhalt 7–6) – I.
- Funktion: Er antwortet auf eine Eröffnung und schließt die Phrase sanft, ohne die Kraft einer authentischen Kadenz. Das Modell lautet: Romanesca (oder Do-Re-Mi) + Prinner, also „Frage und Antwort“ von 4 + 4 Takten.
- Modulierender Prinner: Melodie 3–2–1–7, Bass 8–7–6–5 (C–H–A–G mit einem durchgehenden Fis in der Oberstimme): führt von C nach G, ideal am Ende des ersten Abschnitts einer zweiteiligen Form oder der Überleitung einer Sonate.
Wie man sie verwendet
| Position in der Phrase | Typische Schemata |
|---|---|
| Anfang | Romanesca, Do-Re-Mi, Meyer, Sol-Fa-Mi, Quiescenza |
| Antwort | Prinner (auch modulierend) |
| Mitte / nach dem Doppelstrich | Fonte, Monte, Ponte |
| Vor der Kadenz | Indugio, Fenaroli, konvergente Kadenz |
| Ende | einfache, zusammengesetzte oder doppelte Kadenz; dann Quiescenza als Abschluss |
Übung für Produzenten
- Schreibe in C-Dur 4 Takte Romanesca (C – G/B – Am – Em, einer pro Takt) mit der Melodie 3–2–1–7 (E–D–C–H).
- Antworte mit 4 Takten Prinner (F – C/E – G7/D … oder Bdim/D – C) mit der Melodie A–G–F–E.
- Du hast eine achttaktige Phrase wie aus dem Lehrbuch des 18. Jahrhunderts; ändere nun den Groove (Lo-Fi bei 80 BPM, Rhodes und Kontrabass) und höre, wie „modern“ sie klingt.
- Versuche, Romanesca und Prinner in den Stücken zu erkennen, die du hörst: Sie tauchen ständig in Filmmusik, Videospielen und Pop-Balladen auf.
Verweise
Galante Schemata 2: Sequenzen, Prolongationen und Kadenzen, Partimento und neapolitanische Schule, Oktavregel, Die Periode, Popprogressionen und Loops.