Definition
Slotting ist die Technik, jedem Element des Mixes seinen „Slot“ zu geben: eine Frequenzzone, einen Moment in der Zeit und eine Position im Raum, in dem es die Hauptrolle spielt. Es ist die aktive Antwort auf die Maskierung: Statt von Fall zu Fall zu korrigieren, plant man die Verzahnung. Man arbeitet auf drei Achsen: Frequenz, Zeit, Raum.
1. Slotting in der Frequenz (komplementärer EQ)
Für jedes konfliktbehaftete Paar wählt man, wer eine Frequenz besitzt: Dort hat der eine einen Boost (oder nichts), der andere eine Absenkung.
- Bassdrum und Bass: zwei Strategien.
- Bassdrum unten: Die Bassdrum besitzt 45–60 Hz, der Bass 80–120 Hz. Senke 3–4 dB bei 50 Hz auf dem Bass ab, 2–3 dB bei 100 Hz auf der Bassdrum.
- Bass unten (typisch für Trap und 808): Die 808 besitzt 40–60 Hz, die Bassdrum den Punch bei 80–120 Hz und den Click bei 2–5 kHz; Sidechain oder sich nicht überlappende Noten.
- Snare und Gesang: Snare mit Körper bei 180–250 Hz und Crack bei 4–6 kHz; Gesang mit Präsenz bei 2–3 kHz und Absenkung bei 4–5 kHz nur, wenn nötig.
- Doppelte Gitarren: eine mit mehr 1,5 kHz und weniger 3 kHz, die andere umgekehrt (und gegensätzliches Pan).
- Pad und Lead: dunkler Pad (LP 3–5 kHz, Absenkung bei 1–2 kHz), heller Lead in diesem Bereich.
Regel: schmale Absenkungen zum Korrigieren, breite, kleine Glocken zum „Formen“; ein Eingriff von ±2–3 dB reicht oft.
2. Slotting in der Zeit
Zwei Elemente im selben Band können koexistieren, wenn sie nicht im selben Moment spielen.
- Sidechain: Der Bass wird um 3–8 dB abgesenkt, wenn die Bassdrum spielt (schneller Attack, Release im Tempo: 50–150 ms).
- Rhythmisches Arrangement: Der Bass vermeidet Noten auf den Bassdrums (House: Bass im Offbeat zwischen den Bassdrums).
- Hüllkurven: kurze Bassdrum, Bass mit etwas weicherem Anschlag.
- Ducking der Hallräume vom Gesang: Die Hallfahnen wachsen in den Pausen.
- Call and Response: Das Riff antwortet dem Gesang in den Pausen.
3. Slotting im Raum
- Panning: Gitarren L/R, Klavier leicht links, Hi-Hat leicht rechts, Gesang, Bassdrum, Bass, Snare in der Mitte.
- Tiefe: einige Elemente vorne (trocken, präsent), andere hinten (Hall, weniger Höhen) (siehe „Tiefe und Perspektive“).
- Breite: breite Pads, schmalere Hauptelemente.
Beispiel einer Slotting-Map (Elektropop)
| Element | Hauptfrequenz | Zeit | Raum |
|---|---|---|---|
| Bassdrum | 50–60 Hz + 3 kHz | auf den Vierteln | Mitte, vorne |
| Bass/Sub | 70–110 Hz | Sidechain von der Bassdrum | Mitte, Mono |
| Snare/Clap | 200 Hz + 5 kHz | 2 und 4 | Mitte |
| Gesang | 200 Hz–4 kHz, Präsenz 2,5 kHz | Hauptrolle | Mitte, vorne |
| Klavier | 300 Hz–2 kHz, ausgehöhlt bei 2,5 kHz | Akkorde | leicht links |
| Pad | 400 Hz–3 kHz dunkel | lang | breit, hinten |
| Lead | 1–5 kHz | zwischen den Gesangsphrasen | Mitte-breit mit Delay |
| Hi-Hat | 8–12 kHz | Sechzehntel | leicht rechts |
Beispiel in a-Moll
Stück bei 122 BPM: Bass Am im Offbeat (A1 auf Step 3, 7, 11, 15) mit Sidechain von der Bassdrum (Release 90 ms); Bassdrum um 50 Hz gestimmt mit Absenkung bei 110 Hz; Bass mit Absenkung bei 50 Hz. Klavier Am7 – Dm9 links mit −2 dB bei 2,5 kHz; Gesang mit +2 dB bei 2,5 kHz. Pad Fmaj9 breit und dunkel. Jedes Element hat seinen Platz, der Mix wird lauter, ohne die Fader anzuheben.
Häufige Fehler
- Slotting „nach Tabelle“ ohne zu hören: Die Zahlen sind Ausgangspunkte.
- Zu stark aushöhlen: Im Solo klingen die Instrumente seltsam, aber es zählt der Mix; allerdings verliert ein Element bei mehr als −6 dB in einem breiten Band seine Identität.
- Die Zeit vergessen: Oft liegt die Lösung im Arrangement.
Übung
Zeichne deine Slotting-Map (wie die Tabelle), bevor du das nächste Stück mischst. Vergleiche nach dem Mix: Wo hast du deine Meinung geändert und warum?
Verweise
„Frequenzmaskierung“, „Tiefe und Perspektive im Mix“, „Kompression“ (Sidechain), „Schlagzeug-Design: die synthetische Kick“, „808 und Bässe gestalten“.