Definition
Maskierung tritt auf, wenn ein Klang einen anderen, frequenzmäßig benachbarten Klang, der gleichzeitig erklingt, weniger hörbar (oder unhörbar) macht. Sie ist die Hauptursache für „verwaschene“ Mixe: Es liegt nicht daran, dass die Instrumente zu leise wären, sondern daran, dass sie sich gegenseitig zudecken. (Die zeitliche Maskierung wird in „Psychoakustik im Mix“ behandelt.)
Wie das Ohr funktioniert
Das Innenohr analysiert den Klang in kritischen Bändern (etwa 24 Bänder über das hörbare Spektrum, Bark-Skala): unterhalb von 500 Hz etwa 100 Hz breit, darüber etwa eine Terz-Oktave. Zwei Klänge im selben kritischen Band konkurrieren; der lautere dominiert. Außerdem ist die Maskierung asymmetrisch: Ein tiefer Klang maskiert die Frequenzen über sich viel stärker als die darunter (Upward Spread of Masking). Praktische Folge: Übermäßige Bässe und tiefe Mitten maskieren die Klarheit des gesamten Mixes.
Typische Konfliktzonen
| Konflikt | Zone | Typische Lösung |
|---|---|---|
| Bassdrum vs. Bass | 40–120 Hz | wählen, wer darunter liegt, Sidechain, komplementärer EQ |
| Bass vs. Gitarren/Klavier | 100–300 Hz | HP auf Gitarren und Klavier, Absenkung des Basses bei 200–250 Hz, falls nötig |
| Allgemeiner Mulm | 200–500 Hz | kleine Absenkungen auf mehreren Spuren (−1/−3 dB) statt einer großen |
| Gesang vs. Gitarren/Synthesizer | 1–4 kHz | 2–3 kHz auf den Instrumenten aushöhlen, dynamischer EQ im Sidechain |
| Gesang vs. Becken | 5–10 kHz | De-Essing, Absenkung der Becken in denselben Frequenzen wie die Zischlaute |
| Snare vs. Gesang | 1–3 kHz | die Präsenz der Snare auf 4–6 kHz und den Körper auf 200 Hz verlagern |
Strategien (nach Wirksamkeit geordnet)
- Arrangement: Oktave, Voicing oder Einsatzzeitpunkt zu ändern schlägt jeden EQ. Spielen Klavier und Gitarre denselben Akkord im selben Register, verschiebe eines von beiden.
- Klangwahl: ein dunklerer Pad, eine dünnere Gitarre.
- Komplementärer EQ: Wo ein Element einen Boost hat, hat das andere eine Absenkung (siehe „Slotting und Verzahnung“).
- Dynamischer EQ / Sidechain: Die Absenkung findet nur statt, wenn das vorrangige Element spielt (z. B. −3 dB bei 2,5 kHz auf den Gitarren, wenn der Gesang singt). Werkzeuge: FabFilter Pro-Q 3/4 (dynamische Bänder mit externem Sidechain), Wavesfactory Trackspacer, soothe2, iZotope Neutron (Unmask).
- Lautstärke-Sidechain (Ducking) für die Bässe.
- Panning: Die Trennung im Stereobild verringert die Maskierung (löst aber das Mono-Problem nicht).
Wie man sie findet
- Höre ein Element, füge dann das andere hinzu: Wenn das erste „verschwindet“ oder die Klangfarbe ändert, liegt Maskierung vor.
- Sweep mit einem schmalen Glocken-EQ (+8 dB, Q 4), um gemeinsame Resonanzen zu finden, dann in den Normalzustand zurück und absenken.
- Analyzer mit überlagerten Spektren (Pro-Q zeigt die Kollisionen mit anderen Instanzen).
- Höre bei niedriger Lautstärke: Konflikte in den Mitten sind deutlicher.
Beispiel in a-Moll
Pop-Stück bei 100 BPM mit Klavier (Am – F – C – G im Register A3–E4), Akustikgitarre (dieselben Akkorde in der ersten Lage), Pad und weiblichem Gesang (E4–A5). Probleme: Klavier und Gitarre maskieren sich bei 200–400 Hz, beide überdecken den Gesang bei 2–3 kHz. Lösungen: Gitarre mit Kapodaster im 5. Bund und Akkorde in Umkehrung (höheres Register), HP bei 120 Hz auf dem Klavier und bei 180 Hz auf der Gitarre, −2 dB bei 300 Hz auf dem Klavier, dynamischer EQ −3 dB bei 2,5 kHz auf Klavier und Gitarre im Sidechain vom Gesang, Pad mit LP bei 4 kHz.
In FL Studio
Fruity Parametric EQ 2 für statische EQs und Analyse; für den dynamischen EQ im Sidechain braucht man externe Plugins (Pro-Q, Trackspacer) oder den Fruity Limiter / Maximus als Multiband-Kompressor im Sidechain (Maximus akzeptiert einen Sidechain pro Band). Leite den Gesang mit „Sidechain to this track“ im Routing-Menü des Mixers an den Sidechain der Instrumente.
Häufige Fehler
- Im Solo mixen: Der EQ im Solo berücksichtigt die Maskierung nicht.
- Überall alles absenken: dünner Mix ohne Körper. Lege Prioritäten fest.
- Das verdeckte Element anheben, statt dem verdeckenden etwas wegzunehmen: Es erhöht den Gesamtpegel und den Mulm.
Übung
Nimm einen eigenen Mix, wähle die 3 wichtigsten Elemente (z. B. Gesang, Bassdrum, Bass) und finde für jedes heraus, wer es am stärksten maskiert. Löse es mit einem Eingriff im Arrangement, einem statischen und einem dynamischen EQ. Vergleiche bei gleicher Lautheit.
Verweise
„Slotting und Verzahnung“, „EQ nach Frequenzbereichen“, „Psychoakustik im Mix“, „Gesangsmix im Kontext“, „Statische Balance“.