HarmonielehreExperte2 Min. Lesezeit

Neapolitanischer Sextakkord

Was er ist

Es ist der Durdreiklang auf der erniedrigten zweiten Stufe (bII), fast immer in erster Umkehrung: daher der Name „neapolitanischer Sextakkord“ (N6). Er hat die Funktion einer Predominante.

  • In a-Moll: B/D (B D F).
  • In C-Dur (entlehnt aus Moll/Phrygisch): Db/F (Db F Ab).

Typische Auflösung

  • In a-Moll: B/D – E7 – Am oder B/D – Am/E (kadenzierender 6/4) – E7 – Am.
  • In C: Db/F – G7 – C.

Stimmführung: Der Bass (D in a-Moll) steigt nach E; der Ton B fällt Richtung Gis, eventuell über A (B–A–Gis), und bildet die typische melodische verminderte Terz B–Gis. In der ersten Umkehrung verdoppelt man in der Regel den Bass (die Terz des Akkords).

Warum er so klingt

Das bII steht in chromatischer Beziehung zur Dominante: B und F von B/D liegen einen Halbton von A und E entfernt, der charakteristische Ton (B) liegt einen Halbton über der Tonika. Das Ergebnis ist ein schmerzlicher Schatten unmittelbar vor der Kadenz.

In Pop und Film

Der bII-Akkord in Grundstellung ist in phrygischer Musik, im Metal und im dunklen Trap verbreitet: Am – Bb – Am. Es ist kein echter funktionaler N6, aber er teilt dessen Farbe.

Beispiel aus der Praxis

Der erste Satz von Beethovens „Mondscheinsonate“ (op. 27 Nr. 2, 1801), in cis-Moll, führt fast sofort einen D-Dur-Akkord in erster Umkehrung ein: Das ist der neapolitanische Sextakkord, der den Beginn färbt.

Quellen

Verwandte Lektionen