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Alterierte Akkorde: b5, #5, b9, #9, #11, b13 und der Alt-Akkord

Zwei Bedeutungen von „alteriert“

  • In der klassischen Theorie ist ein alterierter Akkord ein chromatischer Akkord, der aus einem funktionalen Grund tonartfremde Töne enthält: Zwischendominanten, neapolitanischer Sextakkord, übermäßige Sextakkorde, geliehene Akkorde, Dominanten mit alterierter Quinte.
  • In der Jazztheorie bezeichnet „alteriert“ vor allem die Dominante mit alterierten Tensions: b9, #9, #11 (= b5), b13 (= #5). Der Akkord „7alt“ umfasst sie alle. Diese Lektion konzentriert sich auf die Alterationen der Dominante und auf die Dreiklänge mit alterierter Quinte.

Katalog auf G (V von C)

SymbolTöneAlterierte TöneZugehörige Skala
G7b5G B Db FDb (b5)Ganzton, lydisch-dominant (als #11)
G7#5 / G+7G B D# FD# (#5)Ganzton, alteriert
G7b9G B D F AbAbverminderte Skala Halbton-Ganzton, phrygisch-dominant
G7#9G B D F A#A# (Bb)alteriert, Blues
G7#11G B D F A C#C#lydisch-dominant
G7b13G B D F Eb (± A)Ebmixolydisch b6, alteriert, phrygisch-dominant
G7b9b13G B F Ab EbAb, Ebphrygisch-dominant (Dominante von Moll)
G13b9G B F Ab EAbverminderte Skala Halbton-Ganzton
G7altG B F + b9/#9 + b5/#5Ab, A#, Db, D#superlokrisch (alterierte Skala)

In der Praxis spielt man das G7alt oft als G7#9b13 (G B F A# Eb) oder mit einer Upper Structure: Der Es-Dur-Dreiklang (Eb G Bb) über dem Tritonus B–F liefert b13 (Eb) und #9 (Bb = A#). Siehe „Upper Structure Triads“.

Die alterierten Dreiklänge

  • Übermäßig (C+ = C E G#): symmetrisch, teilt die Oktave in drei große Terzen; drei Umkehrungen klingen gleich. Er funktioniert als Dominante (G+ → C: Das D# steigt nach E) oder als Durchgangsakkord (C – C+ – C6 – C7: die Linie G – G# – A – Bb).
  • Dur mit verminderter Quinte (C(b5) = C E Gb): Er ist Teil des C7b5 und der französischen Sexte.

Wie sich die Alterationen auflösen

Jeder alterierte Ton tendiert im Zielakkord zum nächsten Halbton. G7alt → C:

  • b9 (Ab) → G (5 von C) durch Halbtonschritt abwärts.
  • #9 (A#, oft als Bb geschrieben) → geht meist abwärts nach A (6/13 von C); als A# gelesen kann er nach H steigen, wenn das Ziel Cmaj7 ist.
  • b5 (Db) → C (Grundton).
  • #5 / b13 (D#/Eb) → E (3 von C) durch Halbtonschritt aufwärts, oder D (9).
  • 3 (B) → C, 7 (F) → E: Der Tritonus löst sich wie immer auf.

Die Alterationen „verdoppeln“ die Leittöne: Fast jede Stimme bewegt sich um einen Halbton, und deshalb klingt die alterierte Kadenz so auflösend.

Die übermäßigen Sextakkorde als klassische Alterierte

Die französische Sexte (Ab C D F#, in c-Moll nach G) klingt wie ein D7b5 mit Bass Ab: Es ist dieselbe Familie wie das 7b5 des Jazz. Die deutsche Sexte fällt mit einem Dominantseptakkord zusammen (siehe Enharmonik). Die Tritonussubstitution (Db7 statt G7) enthält dieselben Töne wie ein G7alt: Db7 = Db F Ab Cb, also b5, 7, b9, 3 von G.

Beispiele in echten Stücken

  • „Purple Haze“ (Jimi Hendrix, 1967): E7#9, der „Hendrix-Akkord“.
  • „Taxman“ (The Beatles, 1966): D7#9 in der Hauptfigur.
  • „Oh! Darling“ (The Beatles) und viel Doo-Wop: der übermäßige Dreiklang als Durchgangsdominante (E+ → A).
  • Im Bebop und Hardbop (Horace Silver, Wayne Shorter) ist fast jedes V7 zu einer Molltonika alteriert (G7b9b13 → Cm).
  • In Gospel- und Soul-Balladen ist die Dominante mit #5 (G7#5 → C) ein klassischer Übergang zum Refrain.

Häufige Fehler

  • Ein b9 auf einen Akkord setzen, der keine Dominante ist (z. B. auf Imaj7): eine echte Verstimmung.
  • Natürliche 9 und b9 im selben Voicing ohne Absicht zusammen verdoppeln.
  • Die reine Quinte in einem Akkord mit #5 stehen lassen: Die #5 ersetzt die Quinte.
  • Den alterierten Akkord mit dem Bass auf der alterierten Quinte spielen: Der Bass muss auf dem Grundton bleiben (oder auf dem Tritonus, wenn du die Substitution verwendest).

Übung

  1. Spiele ii–V–i in c-Moll: Dø7 – G7b9b13 – Cm(maj7). Dann in C-Dur: Dm7 – G7alt – Cmaj7.
  2. Konstruiere G7alt als Es-Dur-Dreiklang über dem Tritonus B–F (B F Eb G Bb): Höre die „Upper Structure“-Farbe.
  3. Ersetze in einem eigenen Stück die Dominante vor dem Refrain durch ein V7#5: Spüre den Schub der Quinte, die sich auf die Terz hinaufschiebt.

Verweise

Alterierte Skala (superlokrisch); Upper Structure Triads; Tritonussubstitution; Akkorde mit übermäßiger Sexte; None-Akkorde; Verminderte Skala.

Quellen

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