Das Prinzip
Modernes Ear Training (wie in den Berklee-Kursen) geht nicht von isolierten Intervallen aus, sondern von der Funktion: Jeder Ton wird in Beziehung zur Tonika gehört. Man verwendet die Solmisation mit beweglichem Do: In C-Dur ist C = do, D = re, E = mi, F = fa, G = sol, A = la, H = si (ti); in a-Moll verwendet man la = Tonika oder do = Tonika mit den Alterationen (je nach Schule; wähle eine und bleibe dabei).
Tendenzen der Stufen
- si (H) steigt nach do: Leitton.
- fa (F) fällt nach mi: tendiert zur Terz.
- re (D) geht nach do oder mi: instabil, aber weich.
- la (A) fällt nach sol.
- do, mi, sol sind stabil.
Die Tendenz zu erkennen geht schneller, als Halbtöne zu zählen.
Training für Producer
- Singe die Tonika über einem Loop, dann den Basston jedes Akkords: So hast du die Stufen (C G A F = I V vi IV).
- Erkenne die Qualität: Dur (hell), Moll (dunkel), Dominante (Spannung), maj7 (schwebend), m7 (weich).
- Diktat gängiger Akkordfolgen: ii–V–I, I–vi–IV–V, i–VI–III–VII.
- Wiederhole in verschiedenen Tonarten: Die Funktion bleibt, die Tonhöhe ändert sich.
Praktisches Beispiel in C
Melodie E–D–C über G7 → C: mi–re–do, ein Abstieg zur Tonika, der abschließt. Melodie H–C über G → C: si–do, der Leitton, der auflöst. Endet eine Topline über C auf re, nimmt das Ohr eine offene Frage wahr.
Beispiel aus der Praxis
„Do-Re-Mi“ aus The Sound of Music (Rodgers & Hammerstein, 1959) ist buchstäblich eine Lektion in funktionaler Solmisation: Jede Phrase verbindet eine Silbe mit einer Stufe und ihrer Tendenz.