Das Modell
Die „Sentence“ (Schönberg, später von William Caplin systematisiert) ist das andere große Modell einer 8-taktigen Phrase:
- Präsentation (Takte 1–4): eine zweitaktige Grundidee, wiederholt (identisch oder transponiert, oft erst auf der Tonika, dann auf der Dominante).
- Fortspinnung (Takte 5–8): Fragmentierung der Idee in kürzere Einheiten, Beschleunigung des harmonischen Rhythmus, Sequenzen und eine Kadenz.
Proportionen 2 + 2 + 4, oder im Kleinen 1 + 1 + 2.
Beispiel in C-Dur
- Takte 1–2: Motiv E–G–C über C.
- Takte 3–4: dasselbe Motiv transponiert (F–G–B) über G7.
- Takte 5–6: einetaktige Fragmente über Am und F (nur der Anfang des Motivs).
- Takte 7–8: Dm – G7 – C, Kadenz.
Periode gegen Sentence
Die Periode ist „Frage und Antwort“; die Sentence ist „aussprechen, bekräftigen, entwickeln, abschließen“. Viele Themen kombinieren beide: eine Periode, deren Vordersatz eine kleine Sentence ist.
Im Pop
Die Struktur „kurz–kurz–lang“ ist allgegenwärtig: zwei kurze parallele Zeilen, gefolgt von einer längeren Zeile, die auflöst. Sie funktioniert in Refrains, in Rap-Hooks (zwei gleiche Bars und eine abschließende) und in Synth-Riffs.
Beispiel aus der Praxis
Der Beginn der Klaviersonate op. 2 Nr. 1 von Beethoven (1795) ist das Lehrbuchbeispiel: zweitaktige Grundidee in f-Moll, Wiederholung auf der Dominante, Fragmentierung und Kadenz. Auch die Fünfte Sinfonie beginnt mit einer Präsentation (Motiv und seine Wiederholung einen Ton tiefer), gefolgt von einer fragmentierten Fortspinnung.