Definition
Der Marsch ist ein Stück mit regelmäßigem, ausgeprägtem Rhythmus, das den Schritt begleiten soll (oder dies stilisiert nachahmt): militärisch, zeremoniell, Trauer-, Hochzeits-, Paradenmarsch. Er hat ein zweiteiliges Metrum (2/4, 6/8, Alla breve 2/2, 4/4), regelmäßige Phrasen von 4 und 8 Takten, einen Bass, der auf den betonten Zeiten Tonika und Dominante abwechselt, und Akkorde auf den unbetonten Zeiten („um-pa“), sowie einen massiven Einsatz von Blechbläsern und Schlagzeug.
Die Form des amerikanischen Militärmarschs (Modell Sousa)
| Abschnitt | Takte | Tonart | Inhalt |
|---|---|---|---|
| Einleitung | 4–8 | I (oder V) | Fanfare, Unisono |
| First strain | 16, wiederholt | I | Hauptthema, forte |
| Second strain | 16, wiederholt | I | Kontrast, oft leiser oder mit einer Gegenstimme |
| Trio | 16–32 | IV (Subdominanttonart) | breite, gesangliche Melodie, niedrigere Dynamik |
| Break strain (oder „Dogfight“) | 8–24 | instabil | dramatische Passage, Chromatik, Dialoge zwischen hohem und tiefem Blech |
| Wiederholtes Trio („Grandioso“) | 16–32 | IV | dieselbe Melodie, fortissimo, mit Obligato des Piccolos oder Gegenstimmen |
Dass der Marsch in der Tonart des Trios (IV) endet und nicht in der anfänglichen, ist ein spezifisches Merkmal dieser Gattung.
Beispiel: John Philip Sousa, „The Stars and Stripes Forever“ (1896): Einleitung, erstes und zweites Thema in Es-Dur, Trio in As-Dur (IV), Break strain, Wiederkehr des Trios mit dem berühmten Piccolo-Obligato und der Gegenstimme der Posaunen.
Typische Tempi
- Schneller Militärmarsch (Quick march): etwa 112–120 Schritte pro Minute, je nach nationaler Tradition (Sousas amerikanische Märsche werden oft bei etwa ♩ = 120 gespielt).
- Langsamer, zeremonieller Marsch: etwa 60–75.
- Trauermarsch: langsam, oft in Moll, mit punktierten Rhythmen und Trommelwirbeln.
Varianten und Meisterwerke
- Trauermarsch: Beethoven, Sinfonie Nr. 3 „Eroica“, II („Marcia funebre“, c-Moll); Chopin, Sonate Nr. 2 op. 35, III (b-Moll, mit Trio in Des-Dur); Mahler, Sinfonie Nr. 5, I.
- Hochzeitsmarsch: Mendelssohn, Sommernachtstraum (1842); Wagner, Brautchor aus Lohengrin.
- Triumphmarsch der Oper: Verdi, Aida (1871), mit den ägyptischen Trompeten.
- Konzertmarsch: Elgar, Pomp and Circumstance Nr. 1 (1901), mit dem Trio, das zu „Land of Hope and Glory“ werden sollte; Berlioz, Marsch zum Hochgericht aus der Symphonie fantastique; Prokofjew, Marsch aus der Liebe zu den drei Orangen.
- Marsch in unregelmäßigem Metrum: Holst, Mars aus den Planeten (5/4 mit Ostinato).
- Filmmarsch: John Williams, „Raiders March“ (Jäger des verlorenen Schatzes, 1981) und „The Imperial March“ (Das Imperium schlägt zurück, 1980): Letzterer verwendet den punktierten Rhythmus und, über dem Orgelpunkt auf G, den Wechsel des g-Moll-Dreiklangs mit einem chromatischen es-Moll-Dreiklang, um Bedrohung zu beschwören.
Merkmale der Schreibweise
- Bass: Tonika und Dominante abwechselnd auf den betonten Zeiten (Tuba, Bassposaunen, große Trommel).
- Begleitung: Akkorde auf den unbetonten Zeiten (Hörner, Klarinetten, kleine Trommel).
- Melodie: Trompeten, Kornette, Klarinetten; große Quart- und Quintsprünge („Fanfaren“-Intervalle, beruhend auf der Naturtonreihe der Naturblechbläser).
- Gegenstimmen: Posaunen und Euphonium im mittleren Register; Piccolo darüber im Finale.
- Schlagzeug: große Trommel auf der 1 (und auf der 3 im 4/4), Becken auf der 1, kleine Trommel mit Wirbeln und punktierten Figuren.
Für Produzenten
Die Struktur Strain 1 – Strain 2 – Trio in IV – Break – Grandioso-Trio ist ein ausgezeichnetes Modell für epische Stücke oder Trailer: Das Trio auf der Subdominante vermittelt ein Gefühl von „Öffnung“ und Noblesse; der Break ist ein dramatischer Breakdown; das Grandioso ist der finale Drop mit hoher Gegenstimme. Im Sounddesign: kleine Trommel mit kurzem Saalhall (1–1,5 s), orchestrale große Trommel mit Tiefen um 50–70 Hz, Blech mit einem Schnitt unter 80 Hz, um nicht mit der Tuba zu kollidieren.
Verweise
Rhythmus: Metrum, Unterteilung, Half-Time und Double-Time, Orchestrierung: Familien, Ambitus und Klangmischungen, Bernstein: Was ist Orchestrierung? (Sousa), Binäre, ternäre Form und AABA.