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Das Fugato: die Fugentechnik innerhalb anderer Formen, von der Klassik bis zum Musical

Definition

Das Fugato ist eine Passage im Fugenstil innerhalb einer Komposition, die keine Fuge ist: eine Exposition (Thema, Antwort, weitere Einsätze), meist gefolgt von freier Durchführung. Die Fughette ist dagegen eine kurze, vollständige Fuge. Das Fugato übernimmt von der Fuge das Prinzip der Steigerung durch aufeinanderfolgende Einsätze, ohne die Verpflichtung zum gesamten formalen Weg.

Wo man es findet

  • Durchführungen der Sonatenform: Ein Thema wird fugatoartig behandelt, um Spannung zu erzeugen (viele Durchführungen von Mozart, Haydn und Beethoven).
  • Finalsätze: Haydn schreibt drei Fugato-Finalsätze in den Quartetten op. 20 (1772); Mozart schließt die Jupiter-Sinfonie mit einer Coda, in der sich fünf Themen im umkehrbaren Kontrapunkt verbinden.
  • Langsame Sätze: Das Allegretto der Siebten Sinfonie Beethovens enthält ein Fugato über das Hauptthema; im Trauermarsch der Eroica führt ein Fugato zum Höhepunkt.
  • Variationen: Fughetten innerhalb von Variationszyklen (Variation 24 der Diabelli-Variationen von Beethoven).
  • Musical: Fugue for Tinhorns aus Guys and Dolls (Loesser) ist ein dreistimmiger Kanon-Fugato; Cool aus West Side Story (Bernstein) enthält eine instrumentale Jazzfuge.
  • 20. Jahrhundert: Schostakowitsch (24 Präludien und Fugen op. 87), Hindemith (Ludus tonalis), Bartók (erster Satz der Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, Fuge mit Einsätzen in Quinten).

Wie man ein Fugato schreibt

  1. Kurzes Thema (ein oder zwei Takte), mit kräftigem rhythmischem Kopf.
  2. Antwort auf der Dominante oder in der unteren Quinte (real oder tonal, je nach Thema).
  3. Reihenfolge der Einsätze im Hinblick auf die Orchestrierung gedacht: von tief nach hoch für ein Crescendo, von hoch nach tief für eine Wirkung der Verwurzelung.
  4. Freier Kontrapunkt in den Stimmen, die bereits exponiert haben; ein erkennbares Gegenthema hilft dem Hörer.
  5. Ausgang: Nach dem letzten Einsatz eine Sequenz, eine Engführung oder ein homorhythmisches Tutti, das zur Hauptform zurückführt.

Entwurfsbeispiel (c-Moll, Streicher)

  • Takte 1–2: Celli und Kontrabässe, Thema in c-Moll.
  • Takte 3–4: Bratschen, Antwort in g-Moll; die Celli gehen zum Gegenthema über.
  • Takte 5–6: 2. Violinen, Thema in c-Moll; Bratschen im Gegenthema.
  • Takte 7–8: 1. Violinen, Antwort; alle Stimmen aktiv.
  • Takte 9–12: Engführung des Kopfes zwischen 1. Violinen und Celli, dann Akkorde im vollen Orchester.

Typische Fehler

  • Langes Thema: Das Fugato wird zu einer Fuge, ohne den Raum dafür zu haben.
  • Einsätze in derselben Lage: Das Publikum hört die neuen Stimmen nicht.
  • Kein Ausgang: Das Fugato verebbt, ohne an den Rest des Stücks anzuknüpfen.
  • Flache Orchestrierung: alle Einsätze mit derselben Dynamik und demselben Klang.

Moderne Anwendung

  • Filmmusik: Das Fugato ist ein Klassiker für Verfolgungs-, Ermittlungs- oder Aufbauszenen (aufeinanderfolgende Einsätze = hinzukommende Elemente); der Dominantorgelpunkt unter der abschließenden Engführung bereitet den Höhepunkt vor.
  • Pop und Progressive Rock: Eine Einleitung oder Bridge als Fugato zwischen Gitarre, Bass und Keyboards, gefolgt vom Einsatz des Schlagzeugs, erzeugt einen Überraschungseffekt.
  • Chöre: Ein Chorfugato auf einem einzigen Wort oder einer kurzen Phrase (Amen, Alleluia, ein Songtitel) ist leicht zu lernen und von großer Wirkung.
  • Elektronische Produktion: Einen Build durch aufeinanderfolgende Einsätze derselben Phrase in verschiedenen Lagen zu bauen ist ein Fugato mit Synthesizerklängen.

Verweise

Fugenexposition, Engführung, Sonatenform, filmischer und epischer Chor, Analyse der Fugen von Händel, Kanon.

Quellen

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