Die Idee
Jedem diatonischen Dur- oder Mollakkord kann seine Dominante vorausgehen, als wäre er für einen Augenblick eine Tonika (Tonikalisierung). Man schreibt V/x („Fünf von x“).
In C-Dur
- V7/ii = A7 → Dm (Cis ist Leitton von D)
- V7/iii = H7 → Em (Dis ist Leitton von E)
- V7/IV = C7 → F (B ist die Septime, die nach A fällt)
- V7/V = D7 → G (Fis ist Leitton von G)
- V7/vi = E7 → Am (Gis ist Leitton von A)
Das vii° (H°) wird nicht tonikalisiert, weil ein verminderter Akkord keine Tonika sein kann.
Das zugehörige ii
Jede Zwischendominante kann ihr eigenes ii haben: Em7 – A7 – Dm7 (ii–V von ii), Fism7b5 – H7 – Em (Moll-ii–V von iii). Die Berklee-Kurse nennen es „Related II“.
Erweiterte Dominanten
Kette von Dominanten, die ineinander auflösen, ohne sofort ins Diatonische zurückzukehren: E7 – A7 – D7 – G7 – C. Jeder Akkord ist das V des nächsten; man spürt einen kontinuierlichen Sog zur Tonika.
Trugschluss-Auflösungen
Eine Zwischendominante kann auf einen anderen als den erwarteten Akkord auflösen: A7 → B statt Dm, E7 → F statt Am. Ein starkes Werkzeug für Pre-Chorus-Passagen.
Stimmführung
Der chromatische Ton (Cis, Fis, Gis …) verhält sich wie ein Leitton und steigt; die Septime fällt. Achte auf die Melodie: Singt sie C über A7, stößt sie mit dem Cis zusammen.
Beispiel aus der Praxis
„Yesterday“ von den Beatles (1965, in F) beginnt mit F – Em7 – A7 – Dm: Em7–A7 ist ein ii–V von vi, mit A7 als Zwischendominante. Nach C transponiert: C – Hm7 – E7 – Am. „Sweet Georgia Brown“ (1925) ist dagegen der klassische Fall erweiterter Dominanten in Kettenform.