HarmonielehreFortgeschritten3 Min. Lesezeit

Zwischenleittonakkorde: vii°/x, vii°7/x und viiø7/x

Definition

Wie jeder diatonische Akkord eine eigene Zwischendominante (V/x) haben kann, so kann er auch einen eigenen Zwischenleittonakkord haben: einen verminderten Dreiklang, einen verminderten Septakkord oder einen halbverminderten Septakkord, der einen Halbton unter dem Zielakkord aufgebaut ist. In C-Dur ist das vii°7/V Fis–A–C–Es, das sich nach G auflöst. Diese Akkorde haben dieselbe Funktion wie die Zwischendominanten, aber mit einem gespannteren, chromatischeren Klang und vor allem mit einer Stimmführung in Halbtönen.

Wie man sie aufbaut

  1. Bestimme den zu tonikalisierenden Akkord (zum Beispiel V = G).
  2. Finde seinen Leitton (Fis).
  3. Baue darauf den verminderten Dreiklang (Fis–A–C) oder den verminderten Septakkord (Fis–A–C–Es) oder halbverminderten (Fis–A–C–E) auf.

Tabelle in C-Dur

Zielakkordvii°7/xviiø7/x (nur wenn das Ziel Dur ist)
ii (d-Moll)Cis–E–G–B—
iii (e-Moll)Dis–Fis–A–C—
IV (F)E–G–B–DesE–G–B–D
V (G)Fis–A–C–EsFis–A–C–E
vi (a-Moll)Gis–H–D–F—

Der halbverminderte Zwischenseptakkord wird nur vor Dur-Akkorden verwendet, weil seine Septime der Durtonleiter des Zielakkords angehört; vor Mollakkorden verwendet man den verminderten Septakkord, dessen Septime mit der sechsten Stufe ihrer Molltonleiter übereinstimmt.

Auflösung

  • Der Leitton (Grundton des Akkords) steigt um einen Halbton zum Grundton des Ziels.
  • Die Septime fällt stufenweise.
  • Die verminderte Quinte (zwischen Grundton und Quinte) schließt sich abwärts; im Dreiklang vii°6/x verdoppelt man gewöhnlich die Terz.
  • Das vii°7/V geht oft zum Kadenzquartsextakkord (Fis°7 → C/G → G7 → C). In diesem Fall fällt die Septime Es nicht, sondern steigt zum E des 6/4: Deshalb schreiben viele Komponisten sie als Dis und zeigen so die aufsteigende Richtung.

Praktische Regeln

  • Schreibe die Alterationen nach der Funktion: Das vii°7/V in C ist Fis–A–C–Es, nicht Ges–A–C–Es.
  • Verwende das vii°7/x auf dem leichten Taktteil und das Ziel auf dem schweren.
  • Wie bei den Zwischendominanten vermeide Querstände: Der alterierte Ton (Fis) sollte, wenn möglich, in derselben Stimme liegen wie das vorhergehende natürliche F.

Typische Fehler

  • Das viiø7/x vor einem Mollakkord verwenden (zum Beispiel Gis–H–D–Fis vor a-Moll): Das Fis widerspricht der Tonart a-Moll.
  • Den Zwischenleitton fallen lassen.
  • Den Grundton (den Leitton) im verminderten Zwischendreiklang verdoppeln.

Beispiele

  • Bach-Choräle: Das vii°7/V und das vii°7/ii erscheinen ständig als chromatische Durchgangsakkorde, oft in erster Umkehrung.
  • Beethoven, Sonate „Pathétique“, Einleitung: verminderte Septakkorde, die verschiedene Stufen tonikalisieren, voll dramatischer Spannung.
  • Rhythm Changes und Jazzstandards: C – Cis°7 – Dm7 – G7 ist ein vii°7/ii (Cis°7), das I und ii mit einem chromatischen Bass verbindet.
  • Popballaden und Gospel: C – Cis°7 – Dm7 und F – Fis°7 – C/G sind sehr verbreitete Übergangsformeln.

Anwendung beim Komponieren

  • Um einen aufsteigenden chromatischen Bass zu erzeugen, setze ein vii°7/x zwischen zwei diatonische Akkorde: C – Cis°7 – d-Moll, d-Moll – Dis°7 – e-Moll.
  • Ein V/x durch das vii°7/x zu ersetzen, macht dieselbe Progression dunkler und gespannter.
  • Das vii°7/V gefolgt vom Kadenzquartsextakkord ist eine der ausdrucksvollsten Kadenzen des klassisch-romantischen Stils.

Übung

  1. Schreibe vierstimmig in F-Dur: I – vii°7/ii – ii – vii°7/V – I6/4 – V7 – I.
  2. Ersetze in einer eigenen Progression zwei Zwischendominanten durch die entsprechenden Leittonakkorde.
  3. Spiele C – Cis°7 – Dm7 – G7 und dann C – A7 – Dm7 – G7: Beschreibe den Unterschied.

Verweise

Zwischendominanten und erweiterte Dominanten; Verminderter Septakkord und seine Verwendungen; Verminderte Durchgangs-, Hilfs- und Wechselakkorde; Tonikalisierung; Halbverminderter Septakkord.

Quellen