Warum Streicher im Pop
Streicher fügen Emotion, Breite und „Produktionswert“ hinzu. Sie können ein dezentes Pad sein, ein rhythmisches Ostinato, das das Stück trägt, oder ein Hook in der Hauptrolle. Der Stil ändert sich stark mit dem Genre: Ballade, Philadelphia Soul, Disco, Orchestral Rock, Trip-Hop, moderner R&B.
Hauptfunktionen
- Pad: lange Töne (Ganze, Halbe) in offenem Voicing, Dynamik p–mp. Wird in Strophen oder Refrains eingesetzt, um das mittlere bis hohe Register zu füllen, ohne den Gesang zu stören.
- Gegenmelodien: Linien, die dem Gesang in den Pausen antworten (Violinen oder Violoncello).
- Rhythmisches Ostinato: Spiccato oder Staccato in Achteln/Sechzehnteln, Basis des Rhythmus (Coldplay — Viva la Vida, 2008, mit dem Arrangement von Davide Rossi).
- Hook: das Hauptriff den Streichern anvertraut (The Verve — Bitter Sweet Symphony, 1997: Der Streicher-Loop stammt aus einem Sample des Arrangements der Andrew Oldham Orchestra von The Last Time der Rolling Stones).
- Swoops und Glissandi: schnelle Anstiege zum Schlag 1 des Refrains (Disco und Philly Soul).
- Orchesterstabs: kurze, kräftige Akkorde (Hip-Hop, Pop der 1980er).
Wohin damit im Verhältnis zum Gesang
Der Leadgesang belegt etwa 150 Hz – 5 kHz, mit dem Zentrum der Melodie oft zwischen C4 und C5. Streicher funktionieren am besten:
- über dem Gesang: Violinen zwischen C5 und C7 (hohes Pad, brillante Ostinati);
- unter dem Gesang: Violoncelli zwischen C2 und C4;
- im Register der Stimme nur, wenn die Stimme schweigt oder lange Töne hält.
Voicing für ein Pad in C-Dur (C–Am–F–G)
- Vc: C3 – A2 – F2 – G2 (Bass, oder Terzen, um nicht mit dem E-Bass zu kollidieren)
- Vla: G3 – A3 – A3 – G3
- Vl II: E4 – E4 – F4 – D4
- Vl I: G5 – A5 – A5 – H5 (über dem Gesang)
Wenn es bereits einen E-Bass oder Sub gibt, kann das Violoncello eine Oktave höher spielen (Tenorlage) oder die Terz des Akkords übernehmen.
Besetzung und Aufnahme
- Quartett: intim und definiert (The Beatles — Yesterday, 1965; Eleanor Rigby, 1966, mit einem von George Martin arrangierten Doppelquartett und sehr nah platzierten Mikrofonen für einen prägnanten Klang).
- Kleine überspielte Section: 8–12 Musiker, 2–4 Mal aufgenommen, um 30–40 Streicher zu simulieren.
- Volles Orchester: für große Stücke (Elton John mit Paul Buckmaster, z. B. Tiny Dancer, 1971; Massive Attack — Unfinished Sympathy, 1991).
- Virtuelle Streicher: Bibliotheken mit Legato, Spiccato, Pizzicato; nützlich für die Produktion und für Demos (siehe Orchestrierung mit virtuellen Bibliotheken in der DAW).
Referenzstile
- Philly Soul / Disco: rhythmische und melodische Streicher, Glissandi, Violinen in der Oktave (MFSB, Gamble & Huff, Thom Bell; Chic).
- Pop-Ballade: Pads und Gegenmelodien, die bis zum Schlussrefrain anwachsen.
- Orchestral Rock: kraftvolle Ostinati und Unisoni (Muse, Coldplay).
- R&B und Hip-Hop: gesampelte Loops, Streicher im Pizzicato, Stabs.
Arrangement nach Abschnitten des Stücks
- Strophe 1: keine Streicher oder nur ein Violoncello.
- Pre-Chorus: Violinen setzen in langen Tönen ein, Crescendo.
- Refrain: volles Pad, Violinen eine Oktave höher.
- Strophe 2: Gegenmelodie.
- Bridge: Ostinato oder reiner Streicherabschnitt.
- Schlussrefrain: Violinen in der hohen Oktave, Swoops.
Mix
- Hochpass bei 80–120 Hz auf den hohen Streichern; Violoncelli nur behalten, wenn der Bass es zulässt.
- 2–4 kHz absenken, wenn der Streicherklang scharf ist; etwas Air bei 10–12 kHz.
- Hall oder Plate mit Pre-Delay 20–40 ms, Decay 1,8–2,8 s.
- Breite: Violinen I links, Violinen II rechts (oder alle links mit Bratschen Mitte-rechts, Violoncelli rechts, amerikanische Aufstellung).
Praktische Übung
Nimm ein eigenes Stück mit Gesang. Schreibe für Streicher in 5 Stimmen: nichts in Strophe 1, Pad im Pre-Chorus, Pad eine Oktave über dem Gesang im Refrain, Violoncello-Gegenmelodie in Strophe 2, Spiccato-Ostinato in der Bridge. Prüfe im Solo, dass die Violinen nie in derselben Oktave wie der Gesang liegen, während er singt.
Verweise
Streicher: Tonumfänge, Streichertechniken, Gegenstimme und Gegenmelodie, Dichte und Raum im Arrangement, Orchestrierung mit virtuellen Bibliotheken in der DAW.