Die Progression
Die Royal Road (王道進行, ōdō shinkō, „Progression des Königswegs“) ist IVmaj7 – V7 – iii7 – vi (oft vi7). In C: Fmaj7 – G7 – Em7 – Am7. Sie ist die Signatur-Progression des J-Pop, der Animes und der japanischen Videospielmusik. Sie wird auch Koakuma (小悪魔コード進行, „kleiner Teufel“) genannt – ein Name, den der Produzent Seiji Kameda 2014 in einer NHK-Sendung geprägt hat.
Funktionsanalyse
| Akkord | Fmaj7 | G7 | Em7 | Am7 |
|---|---|---|---|---|
| Stufe | IVmaj7 | V7 | iii7 | vi7 |
| Funktion (Riemann) | S | D | Dp/Tg | Tp |
- IV → V: steigt zur Dominante, erzeugt Spannung.
- V7 → iii7: ein „weicher“ Trugschluss: Statt der Tonika (C) erscheint ihr Stellvertreter Em (mit E G H, zwei Töne von C).
- iii → vi: Quintfall (Em → Am), wie eine kleine Kadenz in a-Moll.
Das Ergebnis: Spannung auf Dur, die sich nach Moll auflöst. Das klingt „bittersüß“, emotional und ist perfekt für Refrains.
Stimmführung (Beispiel)
- Fmaj7: A C E F
- G7: H D F G (oder G7/F: Septime im Bass)
- Em7: H D E G
- Am7: C E G A
Die Töne E und G bleiben oft gemeinsam, der Bass geht F – G – E – A abwärts oder bleibt mit G7/F auf F und fällt dann zu E: Die Variante G7/F (dritte Umkehrung) ist typisch für orchestralen Pop.
Varianten
| Variante | C-Dur | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Mit Auflösung | Fmaj7 G7 Em7 Am7 Dm7 G7 C | schließt an ein ii–V–I an (Quintenzirkel) |
| Mit Zwischendominante | Fmaj7 G7 E7 Am7 | E7 = V/vi, dramatischer |
| Mit Tonika | Fmaj7 G7 Cmaj7 Am7 | weniger „Trugschluss“ |
| Mit ii | Dm7 G7 Em7 Am7 | |
| Mit viiø | Fmaj7 Bø7 Em7 Am7 | |
| In Moll | bVImaj7 bVII7 v7 i (Fmaj7 G7 Em7 Am in a-Moll) | gleiche Töne: die Royal Road, von der Paralleltonart aus gelesen |
In Moll ist die Lesart iv7 – v7 – IIImaj7 – VI eine weitere genannte Variante.
Beispiele
- Quellen führen einen der frühesten Einsätze auf Yasashisa ni Tsutsumareta Nara von Yumi Arai (1974) zurück.
- Aktuelles J-Pop: YOASOBI, Yoru ni Kakeru (2019) und viele Anime-Songs.
- Im Westen erscheint dieselbe Folge IV–V–iii–vi bei Silk Sonic, Leave the Door Open, Taylor Swift, Starlight und anderen, laut den auf Wikipedia gesammelten Analysen.
Typischer harmonischer Rhythmus
Im J-Pop oft 2 Akkorde pro Takt (ein Akkord alle 2 Schläge) im Refrain, bei 140–180 BPM, oder 1 Akkord pro Takt in Balladen bei 70–90 BPM.
Übung für Produzenten
- 4 Takte in C bei 150 BPM: Fmaj7 – G7 – Em7 – Am7 (je einer pro Takt), dann Dm7 – G7 – C (2 Takte).
- Klavier mit offenen Voicings + gezupfte Streicher in Achteln + Pop-Rock-Schlagzeug mit Hi-Hat in Achteln.
- Schreibe eine Melodie, die in den ersten beiden Takten steigt und in den letzten beiden fällt (Bogenkontur), mit langem Ton auf E über Am7 (Quinte, konsonant und hell); probiere dann H (None) für eine schwebendere Farbe.
Verweise
Trugschluss und Varianten, „Just the Two of Us“-Progression (丸サ進行), Progressionen im K-Pop und modernen Pop, Riemann-Funktionen, fortgeschrittener harmonischer Rhythmus.