Definition
Die Plagalkadenz ist die Bewegung IV → I (in C: F → C). Sie wird auch „Amen-Kadenz“ genannt, weil in Chorälen und Hymnen das Schlusswort „Amen“ oft so harmonisiert wird. Gegenüber der authentischen Kadenz (V → I) hat sie keinen Leitton: Sie ist weicher, feierlicher, „aus Schwerkraft“ abschließend.
Stimmführung
F (F A C) → C (C E G):
- C bleibt liegen (gemeinsamer Ton)
- A fällt nach G
- F fällt nach E
Zwei Stimmen fallen stufenweise: eine Auflösung „nach unten“, das Gegenteil des steigenden Leittons.
Die Moll-Plagal (iv → I)
Durch Entlehnung des Moll-iv aus dem parallelen Tongeschlecht: Fm → C.
- Ab → G (b6 → 5): sehr starker fallender Halbton
- F → E, C bleibt
Die Farbe ist nostalgisch, filmisch, „Gospel“. In der negativen Harmonik ist das iv das Spiegelbild des V: Das erklärt, warum iv–I „so überzeugend auflöst“ wie V–I.
Varianten
| Variante | Akkorde in C | Wirkung |
|---|---|---|
| IV – I | F – C | klassisch, „Amen“ |
| IV – iv – I | F – Fm – C | chromatischer Abstieg A – Ab – G |
| iv6 – I | Fm6 – C (F Ab C D) | enthält D, das nach E steigt: fast ein V |
| ivm7 – I | Fm7 – C | Jazz-/Soul-Farbe |
| ii7 – I (ii als IV mit Sexte) | Dm7 – C | „sanfte“ Plagalkadenz |
| bVI – I | Ab – C | „heroisch“, Film und Rock |
| bVII – I | Bb – C | mixolydische Plagalkadenz, Rock |
| bVII – IV – I (doppelte Plagalkadenz) | Bb – F – C | zwei Plagalschritte in fallenden Quinten |
| IV/I – I | F/C – C | Plagalkadenz über Tonikaorgelpunkt (Gospel, Pop) |
Die doppelte Plagalkadenz (bVII – IV – I) ist der Schluss von Hey Jude von den Beatles (Coda in F: F – Eb – Bb – F).
Echte Beispiele
- The Beatles, In My Life (1965, A-Dur): In der Strophe D → Dm → A, also IV – iv – I.
- Radiohead, Creep (1992, G): G – B – C – Cm: Das C → Cm → G ist IV – iv – I.
- The Beatles, Let It Be: Der Refrain schließt mit F – C (IV – I) in C.
- In der geistlichen Musik (Händel, lutherische Choräle) folgt die Plagalkadenz oft auf eine authentische Kadenz als „bestätigende Coda“.
Plagalkadenz und Gospel
Im Gospel ist die Plagalkadenz die „heimische“ Kadenz: I – IV/I – I, wobei das IV oft angereichert wird (F/C, Fmaj9/C, Fm6/C). Jacob Collier verwendet die Mollsubdominante häufig als Alternative zur Dominante und stützt sich genau auf diese Logik.
Übung für Produzenten
- Schreibe einen Refrain, der mit G7 → C schließt.
- Wiederhole mit F → C, dann F → Fm → C, dann Fm6 → C.
- Weise den Schluss einem Chor zu (Vokal-Pad oder gesampelter Choir) mit Hall-Reverb 2,5–3 s: Höre, wie die Plagalkadenz sich „öffnet“.
- Wähle die zur Emotion des Textes passendste Version; nutze die Moll-Plagal im letzten Refrain für einen nostalgischen Touch.
Querverweise
Kadenzen (Grundkarte), modaler Austausch, negative Harmonik, Gospel-Harmonik, Mixolydisch im Rock.