Orgelpunkt
Ein gehaltener oder wiederholter Ton, meist im Bass, während sich die Akkorde darüber ändern. Manche Akkorde sind mit dem Orgelpunkt konsonant, andere dissonant: Die Spannung entsteht gerade aus der Reibung.
- Tonika-Orgelpunkt: C unter C – F/C – G/C – C. Stabilität, „Zuhause“-Effekt, typisch für Intro und Outro.
- Dominant-Orgelpunkt: G unter C/G – Dm7/G – G7 – Ab/G – G7. Er staut Erwartung auf: In der Sonatenform geht er der Reprise voraus, im EDM dem Drop.
- Oberer (umgekehrter) Orgelpunkt: Der gehaltene Ton liegt oben (eine Violine auf E über C – Am – F – G).
- Doppelter Orgelpunkt: Tonika und Quinte zusammen (Bordun).
Ostinato
Eine Figur (rhythmisch, melodisch oder harmonisch), die wiederholt wird, während sich der Rest ändert. Das kann ein Bass-Riff, ein Synth-Arpeggio oder ein Schlagzeug-Pattern sein. Im Vergleich zum Orgelpunkt ist es eine Idee in Bewegung, hat aber dieselbe hypnotische Wirkung.
In der Produktion
- Trap und Rage: ein 808, der auf der Tonika (A in a-Moll) stehen bleibt, während das Pad durch Am – F – Dm geht: moderner Orgelpunkt.
- Build-up: Bass in Achteln auf der Dominante (E in a-Moll), der in Lautstärke und Filter steigt.
- Arpeggio-Ostinato (A C E A), das sich unter verschiedenen Akkorden nicht ändert: erzeugt bei jedem Wechsel neue Farben.
Beispiel aus der Praxis
Das Präludium in C-Dur BWV 846 von Bach (Wohltemperiertes Klavier, I) schließt mit einem langen Dominant-Orgelpunkt auf G, gefolgt von einem Tonika-Orgelpunkt auf C. Der „Boléro“ von Ravel (1928) dagegen ist das rhythmische Ostinato schlechthin: Die kleine Trommel wiederholt dieselbe Zelle durch das ganze Stück.