Definition
Die Mid/Side-Verarbeitung (M/S) zerlegt ein Stereosignal in zwei Komponenten: Mid (was in beiden Kanälen gleich ist, die Mitte) und Side (die Differenz, was an den Seiten liegt). Formeln: M = (L + R) ÷ 2, S = (L − R) ÷ 2; zurück zu Stereo: L = M + S, R = M − S. Ein M/S-EQ erlaubt es, bei einem fertigen Mix getrennt in die Mitte (Stimme, Kick, Bass, Snare) und in die Seiten (breite Gitarren, Pads, Hall, Becken) einzugreifen.
Was in Mid und Side steckt
- Mid: Leadstimme, Kick, Bass, Snare, zentrale Leads, der gemeinsame Anteil aller Instrumente.
- Side: gepannte Elemente, Unterschiede zwischen Doubles, Stereo-Hall und -Delays, Verbreiterungen, Overhead-Becken.
Typische Anwendungen im Mastering
| Eingriff | Kanal | Richtwerte | Warum |
|---|---|---|---|
| HP auf den seitlichen Bässen | Side | 80–150 Hz, 12–24 dB/Okt. | Mono-Bässe, mehr Punch, Kompatibilität mit Vinyl/Club |
| Luft auf den Seiten | Side | Shelf +1/+2 dB ab 10–12 kHz | Offenheit, ohne die Stimme hart zu machen |
| Schlamm von Pads/Gitarren | Side | −1/−2 dB bei 250–400 Hz | Sauberkeit, ohne die Mitte auszudünnen |
| Präsenz der Stimme | Mid | +0,5/+1,5 dB bei 2–4 kHz | Stimme weiter vorn |
| Zischlaute | Mid | De-Esser oder dynamischer EQ 5–8 kHz | die Stimme liegt in der Mitte |
| Härte der Becken | Side | dynamischer EQ 6–10 kHz | breite Becken weniger aggressiv |
| Gewicht | Mid | +0,5/+1 dB bei 50–80 Hz | präsentere zentrale Bässe |
Vorsichtsmaßnahmen
- Kleine Eingriffe: ±0,5–2 dB; M/S verändert Stereobild und Balance deutlich spürbar.
- Phase und Artefakte: Bei minimalphasigen EQs können steile Absenkungen in M/S kleine Veränderungen des Klangbilds erzeugen; linearphasige EQs vermeiden relative Verschiebungen, bringen aber Latenz und Pre-Ringing mit.
- Breite: Das Anheben von Side macht den Mix breiter, schwächt ihn aber in Mono; kontrolliere Korrelationsmesser und Mono.
- Den Mix nicht reparieren: Wenn die Stimme 3 dB zu leise ist, ist das ein Mix-Problem.
- Höre die Kanäle solo (viele EQs erlauben es, nur M oder nur S zu hören), um zu verstehen, was wirklich darin steckt.
Werkzeuge
FabFilter Pro-Q 3/4 (jedes Band im Modus Stereo, Mid, Side, Left, Right), iZotope Ozone (M/S-EQ und -Dynamik), Brainworx bx_digital, Maag EQ4 M/S, Kirchhoff-EQ, TDR Nova (kostenlos, dynamischer EQ mit M/S). In FL Studio hat der Parametric EQ 2 keinen M/S-Modus pro Band: Du kannst in Patcher mit dem Fruity Stereo Shaper (M/S-Kodierung), zwei getrennten EQs und der Dekodierung ein M/S bauen oder externe Plugins verwenden.
Beispiel in a-Moll
Master eines Pop-Dance-Songs mit 122 BPM, breiten Gitarren und zentraler Stimme: Side HP 110 Hz 12 dB/Okt. (Gitarren und Hall hatten Bässe bei 80–100 Hz), Side Shelf +1,5 dB ab 11 kHz, Mid +0,8 dB bei 3 kHz mit Q 0,8, Mid dynamischer EQ −2 dB bei 6,5 kHz auf den Zischlauten. Das Ergebnis: entschlossenere Mitte, offenere Seiten, kompaktere Bässe; in Mono verliert der Song nur 0,5 dB Loudness.
Häufige Fehler
- M/S als universellen Verbreiterer benutzen: breite Master, die in der Mitte leer sind.
- Absenkungen auf Side, die zu hoch ansetzen (über 200–300 Hz): Der Mix wird schmaler und verliert Wärme.
- Nicht in Mono und auf verschiedenen Systemen prüfen.
Übung
- Höre deinen Master je eine Minute nur in Mid und nur in Side: Beschreibe, was darin steckt.
- Wende nur den HP auf Side bei 100 Hz an und vergleiche bei gleicher Lautheit (A/B): Wie ändern sich Punch und Klarheit?
Verknüpfungen
„Mono-Kompatibilität“, „Stereo, Panning und Klangbild“, „Mastering-Kette und Übersetzbarkeit“, „Master für Vinyl“, „Master für den Club“.