Definition und Rolle
Der Lead ist der Synthesizer, der die Hauptmelodie (oder das instrumentale Riff/den Hook) in den Vordergrund trägt. Er muss wiedererkennbar, bei jeder Lautstärke verständlich und zu Ausdruck fähig sein: Glide, Vibrato, Dynamik.
Merkmale eines guten Leads
- Definierter Attack (Attack 0–10 ms), um die Noten zu artikulieren.
- Klare Präsenzzone: Der Lead lebt zwischen 1 und 5 kHz; er muss 200–500 Hz dem Rest überlassen.
- Ausdruck: Glide (Portamento) 20–80 ms im Legato-Modus, verzögertes Vibrato (LFO 5–6,5 Hz, ±10–30 Cent, das nach 200–400 ms einsetzt), Velocity auf den Filter.
- Monophon oder polyphon, je nach Melodie: Mono-Legato für Soli und synthetische Toplines, polyphon für Akkord-Hooks.
Lead-Familien
| Typ | Quelle | Genres | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Klassischer Saw-Lead | 1–2 Sägezahnwellen, LP 24 dB | Synthpop, Prog, Synthwave | Minimoog-Stil |
| Square / Pulse | Rechteck oder PWM | Chiptune, Synthwave | „hohl“, mit 8-Bit-Videospielen verbunden |
| Sync-Lead | Hard Sync | Rock, New Wave, EDM | aggressiv |
| Supersaw-Lead | 7+ Stimmen | Trance, EDM, Future Bass | breit, braucht Platz |
| FM-Lead | Operatoren, Ratio 1:1/1:2 | City Pop, Fusion | glockenartig |
| Verzerrter Lead | Saw/Square + Overdrive | Hard Techno, Hyperpop | enorme Präsenz |
| „Vokaler“ Lead | Formanten, Vokal-Wavetables | Pop, Hyperpop | klingt, als würde er singen |
| Whistle / Sine | Sinus + Vibrato | G-Funk | Der „gepfiffene“ Lead des G-Funk, oft von Minimoog oder ähnlichen Synthesizern |
Grundrezept (subtraktiver Mono-Lead)
Osc 1 Sägezahn, Osc 2 Sägezahn +7 Cent, Osc 3 Rechteck eine Oktave tiefer bei −12 dB. LP 24 dB bei 3 kHz, Resonanz 20 %, Tracking 70 %, Filterhüllkurve Amount +30 % Decay 300 ms. Amplitude A 2 ms, D 200 ms, S 80 %, R 150 ms. Glide 50 ms Legato. Vibrato: LFO 5,8 Hz auf den Pitch, ±15 Cent, dem Modwheel zugewiesen. Leichte Sättigung, punktiertes Achtel-Delay als Ping-Pong mit 20 % Wet, Plate-Hall 1,2 s.
Mix des Leads
- EQ: HP bei 150–250 Hz (je nach Register), 2–3 dB Absenkung bei 300–500 Hz, Präsenz bei 2–4 kHz, gegebenenfalls Absenkung bei 6–8 kHz, falls er pfeift.
- Konflikt mit dem Gesang: Lead und Gesang spielen nicht gleichzeitig im selben Register; passiert das doch, den Lead eine Oktave höher oder tiefer legen oder dynamischen EQ auf dem Lead einsetzen, gesteuert vom Gesang.
- Leichte Kompression für Gleichmäßigkeit (2–4 dB).
- Stereo: Der Mono-Lead in der Mitte ist lauter; Breite gibt man mit Delay und Hall, nicht durch Verbreitern des Dry-Signals.
- Automationen: Cutoff und Delay-Send auf den Schlussnoten der Phrasen (Throw).
Beispiel in a-Moll
Instrumentaler Hook eines Synthwave-Stücks bei 104 BPM auf Am – F – G – Em: Melodie E5 – D5 – C5 – H4 – A4 in Achteln mit Legato und Glide 40 ms auf den Durchgangsnoten, Vibrato per Modwheel nur auf den langen Noten. Lead im Mini V (3 Oszillatoren, Ladder-Filter), eine Oktave höher von einer Pulswelle bei −14 dB für Brillanz verdoppelt.
Hörreferenzen
Die Minimoog-Leads des Prog der 70er; der G-Funk von Dr. Dre und Warren G („gepfiffene“ Sinus-Leads mit Portamento); die Supersaw-Leads des Trance; die verzerrten Leads des Hyperpop.
Häufige Fehler
- Lead zu breit und mit zu viel Hall: Er verliert Präsenz.
- Glide immer aktiv: Die Staccato-Noten werden „rutschig“.
- Kein Ausdruck: Es klingt wie flaches MIDI. Zeichne Modwheel und Pitch Bend auf.
Übung
- Erstelle 4 Leads (Saw, Square, Sync, FM) und spiele dieselbe Melodie; wähle den, der sich im Mix mit dem Gesang am besten behauptet.
- Nimm eine Melodie mit „gespieltem“ Glide und Vibrato (Modwheel) und eine ohne auf: Vergleiche.
Verweise
„Oszillator-Sync und Ringmodulation“, „Unison, Detune und Supersaw“, „Modulationsmatrix“, „Melodieschreiben und Kontur“, „Frequenzmaskierung“.