Definition
Die Modulationsmatrix ist die Tabelle, die Quellen (Hüllkurven, LFOs, Velocity, Aftertouch, Modwheel, Notennummer, Random, Sequencer) mit Zielen (Pitch, Cutoff, Resonanz, Lautstärke, Pan, Wavetable-Position, Pulsbreite, Effektparameter) verbindet, mit einem positiven oder negativen Amount. In modularen Synthesizern geschieht die Verbindung mit Kabeln; in Synthesizern mit Matrix (der Oberheim Matrix-12 von 1985 ist ein historisches Beispiel, emuliert im Matrix-12 V der V Collection 9) mit nummerierten Slots. In modernen Synthesizern (Serum, Vital, Pigments) zieht man die Quelle auf den Parameter.
Elemente eines Slots
- Quelle: was moduliert.
- Ziel: was moduliert wird.
- Amount (Tiefe) und Polarität: unipolar (0 → +) oder bipolar (− ↔ +).
- Via / Modulator des Amounts: Eine zweite Quelle skaliert den Amount (z. B. steuert das Modwheel, wie viel LFO auf den Pitch gelangt: Das Vibrato setzt nur ein, wenn man das Rad hochdreht).
- Kurve: linear, exponentiell, stufig (quantisiert).
Quellen und was sie liefern
| Quelle | Charakter | Beispiel |
|---|---|---|
| Hüllkurve | an die Note gebundene Bewegung | „sprechender“ Filteranschlag |
| LFO | zyklische Bewegung | Vibrato, Wobble, Pan |
| Tempo-synchroner LFO | rhythmische Bewegung | Gate, Wobble in Achteln |
| Velocity | Anschlagsdynamik | heller, wenn man hart spielt |
| Key Tracking | Register | dunklerer Lead in der Tiefe |
| Modwheel / Aftertouch | Echtzeit-Ausdruck | Vibrato, Filteröffnung |
| Random / S&H | Unvorhersehbarkeit | kleine Variationen bei Pitch und Cutoff |
| MPE (Slide, Pressure) | Ausdruck pro Note | unabhängige Tonhöhe und Klangfarbe |
Makros
Ein Makro ist ein Regler, der mehrere Ziele gemeinsam bewegt, mit unterschiedlichen Beträgen und Kurven: zum Beispiel „Energie“, das den Filter öffnet (+40 %), die Verzerrung erhöht (+30 %), das Stereobild verbreitert (+20 %) und den Hall anhebt (+10 %). Makros sind unverzichtbar für Performance und Automation: Ein einziger Automationsclip ersetzt fünf.
Designprinzipien
- Hierarchie: eine oder zwei Hauptbewegungen, die anderen subtil. Zu viele gleiche Bewegungen = Chaos.
- Unterschiedliche Zeiten: langsame LFOs (0,1–0,5 Hz) für das „Atmen“, tempo-synchrone für den Rhythmus, Hüllkurven für die Artikulation.
- Kreuzmodulation: Ein LFO, der die Geschwindigkeit eines anderen LFO moduliert, erzeugt sich nicht wiederholende Bewegungen.
- Effekte modulieren: Hall-Mix an die Hüllkurve gekoppelt (Hallfahnen, die sich am Ende der Note öffnen), Drive, der der Velocity folgt.
- Menschliche Kontrolle: Weise Modwheel und Velocity immer etwas Sinnvollem zu.
Konkrete Beispiele
- Atmendes Pad: LFO 1 (0,08 Hz) → Cutoff +15 %; LFO 2 (0,13 Hz) → Wavetable-Position +10 %; Velocity → Attack (stärker = kürzerer Attack); Modwheel → Chorus-Mix.
- Ausdrucksstarker Lead: Modwheel → Vibrato-Amount (LFO 5,5 Hz, ±20 Cent) mit 300 ms Delay; Aftertouch → Cutoff +25 %; Velocity → Drive.
- Dubstep-Bass: Makro „Growl“ → LFO-Rate (von 1/4 bis 1/16), Wavetable-Position, Formanten, Verzerrung.
In FL Studio
- In den Stock-Synthesizern: Sytrus (vollständige Modulationsmatrix und Artikulatoren für jeden Operator), Harmor (Hüllkurven für fast alle Parameter), 3x Osc (Modulation über den Kanal: Envelope/LFO auf Lautstärke, Cutoff, Resonanz, Pitch).
- Fruity Envelope Controller (Hüllkurven und LFOs, die jeden Parameter steuern können), Fruity Peak Controller (folgt dem Pegel einer Spur), Fruity Formula Controller (Modulationen mit Formeln) und vor allem Patcher, mit dem man Makros bauen kann: ein Regler, der mehrere Parameter mit unterschiedlichen Kurven steuert.
- Multilink to controllers (Menüoption): verbindet einen Hardware-Regler mit mehreren Parametern.
Beispiel in a-Moll
Synthwave-Stück bei 100 BPM: Pad auf Am – F – C – G mit dem Makro „Refrain“, automatisiert von 0 auf 100 % über 4 Takte des Pre-Chorus: Cutoff +35 %, Resonanz +10 %, Stereobreite +25 %, Hall-Send +15 %, Pegel eines zweiten Oszillators eine Oktave höher +40 %. Ein einziger Automationsclip baut die Steigerung auf.
Häufige Fehler
- Alles mit derselben Geschwindigkeit modulieren: „Übelkeit erregender“ Klang.
- Übermäßige Amounts auf dem Pitch: ungewollte Verstimmungen.
- Die Polarität vergessen: Eine bipolare Quelle, die unter null fällt, schließt den Filter mitten im Zyklus.
Übung
- Nimm ein statisches Preset und füge genau drei Modulationen hinzu (eine langsame, eine tempo-synchrone, eine ausdrucksstarke). Vergleiche vorher/nachher.
- Erstelle ein Makro mit 4 Zielen und verwende es als einzige Automation eines Builds über 8 Takte.
Verweise
„Hüllkurven, LFOs und Modulation“, „Pad-Design“, „Lead-Design“, „Mix-Automation“, „Vektorsynthese“.