Was eine Kadenz ist
Sie ist die harmonische Formel, die eine Phrase abschließt, wie die Zeichensetzung in einem Text. Die wichtigsten, in C-Dur und a-Moll:
Typen
- Vollkommen (authentische Kadenz, Ganzschluss): V(7) – I, beide Akkorde in Grundstellung und Tonika im Sopran. G7 – C; in Moll E7 – Am. Sie ist der Schlusspunkt.
- Unvollkommen (unvollkommener authentischer Schluss): V – I, aber mit Umkehrungen oder mit der Terz/Quinte im Sopran. G7/H – C. Sie ist ein starkes Komma.
- Schwebend (Halbschluss): Die Phrase hält auf dem V an. C – F – G oder Dm – G. In Moll der phrygische Halbschluss iv6 – V: Dm/F – E.
- Plagal: IV – I, F – C (die „Amen“-Kadenz). Eine sehr poppige und gospelartige Variante: Moll-plagal iv – I, Fm – C.
- Trugschluss (vermieden, unterbrochen): V – vi, G7 – Am; oder V – bVI, G7 – Ab. Das Ohr erwartet die Tonika und erhält einen Ersatz: Er dient dazu, die Phrase zu verlängern.
Nützliche Regeln
- Im vollkommenen Schluss steigt der Leitton (H) nach C, und die Septime (F) fällt nach E.
- Im Trugschluss in Dur verdoppelt man die Terz des vi-Akkords (C in Am), um Quintparallelen zu vermeiden.
- In Pop-Stücken sind die Kadenzen oft implizit: Ein Loop ohne V hat keine echten Kadenzen, und der Abschluss entsteht durch Arrangement und Melodie.
Beispiel aus der Praxis
Der Refrain von „Let It Be“ (Beatles, C-Dur) schließt mit F – C: einer plagalen Kadenz. „Walking on Broken Glass“ (Annie Lennox, 1992) wird oft als Beispiel für einen Trugschluss im Pop genannt.