HarmonielehreAnfänger2 Min. Lesezeit

Kadenzen

Was eine Kadenz ist

Sie ist die harmonische Formel, die eine Phrase abschließt, wie die Zeichensetzung in einem Text. Die wichtigsten, in C-Dur und a-Moll:

Typen

  • Vollkommen (authentische Kadenz, Ganzschluss): V(7) – I, beide Akkorde in Grundstellung und Tonika im Sopran. G7 – C; in Moll E7 – Am. Sie ist der Schlusspunkt.
  • Unvollkommen (unvollkommener authentischer Schluss): V – I, aber mit Umkehrungen oder mit der Terz/Quinte im Sopran. G7/H – C. Sie ist ein starkes Komma.
  • Schwebend (Halbschluss): Die Phrase hält auf dem V an. C – F – G oder Dm – G. In Moll der phrygische Halbschluss iv6 – V: Dm/F – E.
  • Plagal: IV – I, F – C (die „Amen“-Kadenz). Eine sehr poppige und gospelartige Variante: Moll-plagal iv – I, Fm – C.
  • Trugschluss (vermieden, unterbrochen): V – vi, G7 – Am; oder V – bVI, G7 – Ab. Das Ohr erwartet die Tonika und erhält einen Ersatz: Er dient dazu, die Phrase zu verlängern.

Nützliche Regeln

  • Im vollkommenen Schluss steigt der Leitton (H) nach C, und die Septime (F) fällt nach E.
  • Im Trugschluss in Dur verdoppelt man die Terz des vi-Akkords (C in Am), um Quintparallelen zu vermeiden.
  • In Pop-Stücken sind die Kadenzen oft implizit: Ein Loop ohne V hat keine echten Kadenzen, und der Abschluss entsteht durch Arrangement und Melodie.

Beispiel aus der Praxis

Der Refrain von „Let It Be“ (Beatles, C-Dur) schließt mit F – C: einer plagalen Kadenz. „Walking on Broken Glass“ (Annie Lennox, 1992) wird oft als Beispiel für einen Trugschluss im Pop genannt.

Quellen

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